Forchheim
Ehrenamt

Wohltuender Besuch auf vier Pfoten: So arbeitet der Besuchshundedienst des ASB Forchheim

Der ASB-Besuchshundedienst in Forchheim erfreut Menschen - weit über den Landkreis hinaus. Die Nachfrage ist so hoch, dass die knapp 40 Hunde nicht jede Einrichtung besuchen können.
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Der ASB-Besuchshundedienst in Forchheim. Von links: Petra Scholl mit Miro, Karin Fenzl mit Bella, Carola Jander mit Angel und Aiden Foto: Jutta Rudel
Der ASB-Besuchshundedienst in Forchheim. Von links: Petra Scholl mit Miro, Karin Fenzl mit Bella, Carola Jander mit Angel und Aiden Foto: Jutta Rudel
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Wo sie hingehen, da bringen sie Freude, Trost und eine ordentliche Portion Schwung mit: die Besuchshunde des Arbeiter-Samariter-Bunds Forchheim (ASB). Für Vierbeiner und Herrchen geht es regelmäßig in soziale Einrichtungen. Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig: Vom Seniorenheim, der offenen Behindertenarbeit, Palliativstationen, Tagespflegen bis hin zu Schulen und Kindertagesstätten. "Wir haben eine große Spannbreite, von Erlangen über Höchstadt bis nach Bamberg", sagt Leiterin Karin Fenzl.

Jeder Besuch ist individuell

Personen können wählen, in welcher Form der Besuch stattfinden soll, zum Beispiel als Einzel- oder Gruppenbesuch, in der Einrichtung, zu Hause oder im Freien. Welches Team wohin geht, das wird nach Vorlieben von Hund und Herrchen zugeteilt. So nimmt Petra Scholl ihren Labrador Miro einmal im Monat mit zur Arbeit - zur Awo Forchheim. Dort gehen die Bewohner mit Miro Gassi.

Doch die Hunde werden nicht nur an der Leine geführt. Im Seniorenheim zum Beispiel gibt es Spiele mit Einsteckwürfeln, in denen Zettel mit Satz- oder Liedanfänge stehen. "Da würfelt der Hund und die Bewohner müssen dann den Spruch oder das Lied ergänzen. Sie singen dann gerne und können jede Strophe auswendig", erzählt Fenzl. "Und wenn sich ein alter, langsamer Hund dazu gesellt, spiegelt sich der Mensch in ihm wieder und findet Trost. Man hört dann oft: Gell, wir zwa', wir zwa' Alten ...", erzählt sie und lächelt.

Bei bettlägerigen Heimbewohnern oder Schwerkranken dürfen die Hunde mit ins Bett hüpfen, bei Kindern gehen sie mit auf den Spielplatz, rutschen und toben. "In der Krippe zu sehen, wie Kinder zu Beginn noch Angst haben und beim nächsten Besuch den Hund mit sich führen und ihm alles zeigen, da bekomme ich jedes Mal Gänsehaut", sagt Mitarbeiterin Carola Jander. Sie und ihre drei Bulldoggen Angel, Bella und Aiden machen jeden Spaß mit. "Wenn ich anstelle der dreien nur mit einem Hund komme, ist aber spätestens nach einer halben Stunde Schluss", sagt sie. Denn für die Vierbeiner ist es durchaus anstrengend, die ganze Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und stets gehorsam zu sein.

Wenn der Hund nicht mitmacht

"Man muss es nicht herausfordern", sagt die Leiterin. Zum Beispiel, wenn ein Hund

Rückenschmerzen hat und nicht getätschelt werden will, oder wenn er nicht zum Besuchten hingehen möchte. Dann haben die Besucher aber immer Verständnis dafür, versichert Fenzl. "Manchmal kommt es auch vor, dass der Hund plötzlich nicht einmal mehr ins Zimmer will. Da weiß ich, dass die Person im Lauf der nächsten Tage sterben wird." Das sei schon ab und an passiert, dass einzelne Hunde so ein Gespür haben.

Hunde müssen geprüft werden

Bevor ein Hund als Besuchshund eingesetzt wird, muss er eine spielerische Prüfung absolvieren. Das ist vom Bundesverband vorgegeben. Alles, womit der Hund konfrontiert wird, wird geprüft: Lautstärke, Berührung, Menschenmengen. "Wenn ein Tablett runterfällt oder Kinder die Hunde etwas fester anpacken, muss der Hund entspannt bleiben", so Fenzl.

"Auch der Hundeführer wird geprüft, wir wollen eine gute Bindung sehen. Er muss seinen Hund lesen können, wissen, wann er gestresst oder ängstlich ist", sagt Scholl, die beim Test als Prüferin tätig ist. Man müsse stets ein Auge auf dem Hund haben. Sie spricht aus Erfahrung: "Ich bin eine von den ersten, die hier dabei waren. Eigentlich wollte ich mit meinem früheren Hund zur Rettungshundestaffel, doch das wurde nichts."

Mehr Einrichtungen als Hunde

Anders war es bei Carola Jander, die seit vier Jahren Mitglied ist. "Als meine Kinder im Kindergarten waren, wurde es mir zu langweilig", sagt sie. Einen Therapie- oder Rettungshund wollte sie nicht ausbilden, sondern "einfach einen ganz normalen Familienhund" zu Hause haben.

Die Frauen sind drei von insgesamt 45 ASB-Hundeführern. Manche pausieren gerade, häufig fallen Frauen aus, wenn sie in Elternzeit gehen. Etwa 40 Besuchshunde sind deshalb aktuell im Einsatz. Alle Herrchen und Frauchen arbeiten ehrenamtlich und sind Mitglied beim ASB, betont Leiterin Fenzl. Dafür erhalten sie Kleidung, Hundegeschirr, einen Erste-Hilfe-Kurs und das Angebot, bei einem Erste-Hilfe-Kurs speziell für Hunde teilzunehmen. Zudem finden alle sechs Wochen Gruppentreffen mit Fortbildungsmöglichkeiten statt, zum Beispiel Vorträge übers Hundetraining, Demenzerkrankungen oder Bastelworkshops.

Fenzl hofft, dass sich mehr Hunde mit Herrchen oder Frauchen dem Besuchshundedienst anschließen. "Im Moment gibt es mehr Einrichtungen als Hunde", sagt sie. Als Anwärter kann sich jeder bewerben. Wichtig ist, dass die Besuche regelmäßig und zuverlässig erfolgen und das Tier gesund und freundlich ist. Das wäre dann, so Fenzel, eine Bereicherung für alle: Für den ASB, für den Besuchten, für den Hundeführer und, ganz wichtig, für den Hund.

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