Forchheim
Kirche

Wo Priester ihre letzte Ruhestätte finden

Ob ein Pfarrer in einem Priestergrab beerdigt wird, entscheidet er selbst.
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Das Stöckacher   Priestergrab   von Peter PietzFoto: Petra Malbrich
Das Stöckacher Priestergrab von Peter PietzFoto: Petra Malbrich
Wenn an Allerheiligen die Gläubigen ihre verstorbenen Familienmitglieder am Friedhof besuchen, bleibt ein Grab meist unbeachtet. Und doch ist es gepflegt und mit Blumen geschmückt: das Priestergrab. Die Männer, die in einem Priestergrab beerdigt wurden, haben auf eine eigene Familie verzichtet und ihr Leben dem Menschen der Pfarrei gewidmet. "Pfarrer Josef Wagner (1943-1953) und Josef Först sind im Priestergrab am Friedhof beerdigt. Das wird von der Stadt angepflanzt und von unserem Mesner gegossen", sagt der Forchheimer Pfarrer Martin Emge.

Doch wer die Pfarrer seiner Kirchengemeinde kennt, der weiß, dass nicht alle Priester in einem Priestergrab beerdigt werden. "Die Diözese hat mit einer Priesterbeerdigung nichts zu tun, sofern es sich nicht um einen Bischof handelt. Jeder Priester ist auch Staatsbürger. Deshalb muss er sich um seinen Nachlass, sein Erbe, seine Beerdigung auch selbst kümmern, ansonsten übernehmen das die gesetzlichen Erben", sagt Bistumssprecher Harry Luck. Manche Priester gehen nach ihrer Wirkungszeit in ihre Heimat zurück und werden dort beerdigt. Manche haben sich um ein eigenes Grab gekümmert, das dann von den Familienangehörigen betreut wird.


Zwei Begrabene in Stöckach

"Wenn es ein privates Priestergrab ist, müssen sich die Angehörigen um Pflege und Bestandsverlängerung kümmern. Wird die Nutzung nicht verlängert, verfallen Priestergräber auch, so wie es eben die Friedhofsordnung vorsieht", sagt Luck. Ist es hingegen ein Priestergrab einer Kirchengemeinde, dann kommt die Pfarrgemeinde für die Pflege auf. "Oft ist es wohl so, dass der Priester zu Lebzeiten mit einer Kirchengemeinde, die ein Priestergrab unterhält, die Bedingungen aushandelt, um in diesem Grab beerdigt zu werden", weiß Luck.

Viele der kleinen Landpfarreien haben seit langer Zeit ein Priestergrab. Auch in Stöckach sind zwei Priester beerdigt. Peter Pietz, der unter allen Pfarrern am längsten in Stöckach wirkte, nämlich 31 Jahre lang. Er starb 1886 mit 74 Jahren. Auch Johann Erlwein fand seine letzte Ruhestätte auf diesem Friedhof. Bei den Stufen des Hochaltars in Kersbach wurde Nikolaus Fleischmann 1674 beerdigt und Georg Erhardt wurde 1675 neben dem Opferstock der Hl. Ottilie begraben Im Kirchhof wurde Sebastian Vement 1787 bestattet. Die Zahl der Namen der Priester, die in einem Priestergrab die letzte Ruhestätte gefunden haben, täuscht: "Es gibt gar nicht so viele Priestergräber wie Priester, denn es ist so, dass in das Priestergrab einer Kirchengemeinde mehrere Priester beerdigt werden", sagt Bistumssprecher Harry Luck.

So finden in dem Priestergrab in St. Gangolf in Bamberg ungefähr 20 Priester ihre letzte Ruhe. Auch in den Priestergräbern in den Kirchengemeinden im Landkreis sind meist mehrere Priester beerdigt worden. Doch nicht alle Kirchengemeinden haben ein Priestergrab. Wie viele Priestergräber es in der Diözese gibt, ist unbekannt. Die Diözese hat mit einer Priesterbeerdigung nichts zu tun, es sei denn es handelt sich um einen Bischof. Die Mitglieder des Domkapitels haben ihren Kapitelsfriedhof im Innenhof des Diözesanmuseums, dem ehemaligen Kapitelshaus. Manche Domkapitulare sind aber nicht dort, sondern an einem anderen Ort beerdigt. Die Bischöfe werden im Bamberger Dom beerdigt. Doch auch für die Kapitulare und Bischöfe ist kein eigenes Budget in der Diözese eingeplant. Priestegräber kennt die evangelisch lutherische Kirche weder vom Begriff noch von der Tradition. Selbst wenn es ledige Pfarrerinnen und Pfarrer gibt, ist Dekanin Berthild Sachs eine Regelung eines Priestergrabs nicht bekannt. Die meisten ziehen nach dem Ruhestand in die Nähe der Familienangehörigen.

Allerdings führt Dekanin Sachs Weg ins Pfarramt täglich an fünf Dekansgräbern vorbei. "Das sind die Grabsteine, als die Gräber aufgelassen wurden. Die Grabsteine wurden an einen besonderen Rand des Friedhofs umgesetzt und stehen als Erinnerung", sagt Sachs. Die Kosten für diese Umsetzung übernahm die Gemeinde.


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