Oberehrenbach

Wo das Internet im Landkreis noch in die Knie geht

In Orten wie Oberehrenbach haben kleine Unternehmen Probleme mit der geringen DSL-Übertragungsrate. Gemeinden und Landkreis arbeiten am besseren Datenfluss in den benachteiligten Gebieten.
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Armin Behringer findet den Standort Oberehrenbach für sein "Little Leathercorner" eigentlich gar nicht schlecht: Mieten sind im Vergleich zur Stadt günstig und es gibt keine Parkplatzprobleme. Vor Jahren hatte er seinen Laden aufgegeben und war von Wiesenthau nach Oberehrenbach gezogen; in diesem Zug hatte er das Konzept seines Unternehmens verändert und auf einen Internetshop umgestellt.

Behringer stellt vor Ort Motorrad-Accessoires her und prägt Leder in Handarbeit. Kunden schicken ihm beispielsweise Fotos von ihrem Motorrad und Skizzen, wie sie sich den neuen Ledersitz vorstellen. Und da gibt es dann das Problem - "mein Internet geht in die Knie, die Übertragung großer Dateien geht langsam oder gar nicht."

Er habe eine Bandbreite von ein bis zwei Mbit; zahle bei der Telekom allerdings für eine 6000er Leitung. Versenden über das DHL-Portal gehe extrem langsam und bei Skype-Konferenzen gebe es Probleme. "Als ich mir vor einiger Zeit den Hax'n gebrochen hatte, lag ich in Forchheim im Krankenhaus. Da hatte ich ein richtig schnelles Internet und konnte meinen Internetshop fast komplett umstellen", erzählt Armin Behringer.

Als junge Privatperson ärgert sich auch Johannes Salb darüber, wenn sein PC bei einer Übertragung abbricht und nichts mehr geht. Finanzielle Einbußen dagegen haben seine Eltern, die Zimmer vermieten. "Monteure, die eine Übernachtungsmöglichkeit suchen, fragen immer zuerst, ob es DSL gibt und wie schnell das ist", erzählt Johannes Salb. Und da könne man mit einer 2000er-Übertragungsrate nicht gerade glänzen.

Margit und Thomas Zapf wollten nicht nur Urlaub in der Fränkischen Schweiz machen, sondern in der schönen Umgebung leben. Deshalb zogen sie von Altdorf nach Oberehrenbach. Margit Zapf macht Fotos von der wunderbaren Landschaft und schickt diese für Ausstellungen an ihren Fotoclub. "Wegen der hohen Auflösung sind die Bilddateien sehr groß, sodass die Übertragung lange dauert", erzählt die Fotografin.

Ihr Mann ist beruflich im Außendienst unterwegs und muss jeden Tag Aufträge digital abrufen oder versenden. "Da sind dann auch mal Zeichnungen dabei; da merke ich dann, hopperla, jetzt wird es zäh", erzählt Thomas Zapf.


Wichtig für den Heimarbeitsplatz

"Überall wird propagiert, der ländliche Raum dürfe nicht vernachlässigt werden; dann müsste man aber genau hier etwas tun." Ihm war bereits, als er sein Haus kaufte, aufgefallen, dass in der Ortsmitte viele Häuser leer stünden. Große Firmen würden sich in Erlangen und Forchheim ansiedeln. Da wäre auch Oberehrenbach eine Möglichkeit für die Mitarbeiter zu wohnen. "Viele Ingenieure oder Bürokaufleute arbeiten heutzutage von zu Hause aus. Doch das braucht eine gute Internetanbindung", sagt Zapf.

"Bei uns in Oberehrenbach sichern derzeitig zwei Kabelverzweiger (KVZ) die Telefon- und Datenversorgung durch die Telekom", erklärt der zweite Bürgermeister Wilhelm Sponsel die Situation. Versorgt werde der Ort direkt mit Kupferleitungen über die Vermittlungsstelle in Kunreuth. Haushalte werden bisher mit etwa drei bis vier Mbit versorgt, abgelegene Teilnehmer - wie beispielsweise am Ortsausgang in Richtung Mittelehrenbach - erhalten nur etwa ein Mbit. "Wir sind bestrebt, mit den zur Verfügung stehenden Mitteln und dem starken Förderprogramm das Beste für die Gemeinde herauszuholen", sagt der erste Bürgermeister Florian Kraft. Das bayerische Förderprogramm wurde am 9. Juli 2014 durch die Europäische Kommission genehmigt. Sofort hatte der Gemeinderat beschlossen, in das Verfahren einzusteigen. Gefordert werden 30 bis 50 Mbit für jeden Haushalt.

"Natürlich haben wir uns gemeinsam mit der Breitbandberatung Bayern GmbH Gedanken über einen möglichen Ausbau gemacht", berichtet Wilhelm Sponsel. In jedem Fall müssten die beiden KVZ auf aktive Outdoor-DSLAM-Technik hochgerüstet und mit Glasfaser angebunden werden. Bei Erdarbeiten in der Siedlung wurde in Absprache mit der Telekom bereits ein Leerrohr verlegt, das zur Glasfaserverbindung zwischen den KVZ genutzt werden kann.


Derzeit "alles nach Plan"

Die Vision der beiden Bürgermeister wäre ein Glasfaseranschluss in jedes Wohnhaus, doch das könnte den finanziellen Rahmen - trotz Förderprogramms - sprengen. "Sollten wir bezüglich gefordertem Ausbau und Zukunftssicherheit auf Widerstand des Anbieters stoßen, werden wir uns entschlossen dagegen zur Wehr setzen", sagt Sponsel. Im Augenblick laufe jedoch alles nach Plan. Landrat Hermann Ulm hat einen großen Teil seiner Kindheit in Oberehrenbach verbracht. Den größten Teil seiner Uniarbeit hat er von zu Hause aus erledigt und er weiß, dass für den Raum Nordbayern, einen "Raum mit besonderem Handlungsbedarf", harte Standortfaktoren nötig sind: "Das sind Schule, Laden, Arzt, Gastwirtschaft und eine entsprechende Kommunikationsstruktur", sagt Ulm.

Nach einem von Kreiswirtschaftsreferent Andreas Rösch organisierten Infonachmittag für Bürgermeister wurde der Startschuss für das Förderprogramm, das bis 2018 geht, gegeben. "Wir sind sehr zufrieden, denn 24 von 29 Gemeinden sind in das Verfahren eingestiegen und in Eggolsheim hat der Ausbau mit der Telekom konkret begonnen", erklärt Rösch. Und Hermann Ulm ergänzt: "Wir freuen uns über das Programm, doch leider wird es pro Gemeinde gedeckelt." Kleine Gemeinden könnten dadurch die Fördergelder gar nicht ausschöpfen, während diese bei großen Gemeinden wie Gößweinstein gar nicht ausreichen würden.

Gut wäre, wenn nicht genutzte Gelder den großen Gemeinden zur Verfügung gestellt werden könnten. "Da wir das nicht entscheiden können, habe ich mich an das Heimatministerium gewandt", sagt Ulm. Trotzdem seien sie auf einem guten Weg, "denn in den nächsten vier Jahren werden wir etwa 20 Millionen Euro verbuddeln", erklärt Andreas Rösch. Engpass seien die Baufirmen und die Telekom, die im Rahmen des Programms viele Aufträge bekommen.

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