Forchheim
Soziales

Wo auch Helfer Hilfe erhalten

Pflegende Angehörige erhalten Unterstützung bei den Fachstellen der Diakonie oder der Caritas.
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Birigit Pohol und Elisabeth Schröter von den Fachstellen für pflegende Angehörige tauschen sich aus .Carmen Schwind
Birigit Pohol und Elisabeth Schröter von den Fachstellen für pflegende Angehörige tauschen sich aus .Carmen Schwind
"Loslassen bedeutet nicht fallenlassen", erklärt Birgit Pohl von der Fachstelle für pflegende Angehörige von der Diakonie Bamberg-Forchheim. Denn manchmal müsse man einen geliebten, aber kranken Menschen in Pflege geben, um nicht selbst krank zu werden. "Man ist dann ja noch weiter verantwortlich für ihn, aber man wird halt nicht mehr erdrückt", sagt sie weiter und berichtet aus ihrer Praxis, dass gerade Frauen sich aufopfern in der Pflege eines Angehörigen und dabei gar nicht bemerken, dass sie schon lange mit ihrer Kraft am Ende sind.

Deshalb gibt es Fachstellen für diese Menschen, die kostenlose Beratung zu Themen wie Betreuung und Pflege anbieten. Sie informieren aber auch über Hilfs- und Pflegedienste, Einrichtungen, den Umgang mit verwirrten Angehörigen, Rechte, Ansprüche oder geben Hilfe bei Pflegeeinstufung oder wie man Widerspruch einlegen kann.


"Ohne Euch wäre ich verloren"

Birgit Pohls Kollegin bei der Caritas ist Elisabeth Schroeter. Sie hat eine Betroffene (Name der Redaktion bekannt) zu Besuch, die sich für ihre Hilfe bedankt: "Ohne Euch wäre ich verloren gewesen." Die 60-Jährige pflegte fünf Jahre lang ihren dementen Mann. Gerade im vergangenen Jahr verschlimmerte sich sein Zustand. Da er Probleme hatte, Treppen zu steigen, organisierte die berufstätige Frau einen Umzug in eine barrierefreie Wohnung, die mit Fahrstuhl zugänglich ist.

Dann starb ihre Mutter und sie selbst wurde krank. Sie versuchte noch, Kraft zu tanken, und legte sich manchmal zum Ausruhen hin: "Aber da stand mein Mann vor meinem Bett und war ganz verwirrt." Aus dem Familien- und Freundeskreis kam kaum Hilfe "Klar, das ist nicht wie Babysitten, diese Pflege kann man nicht einfach jemandem von außen übergeben", meint Birgit Pohl und die pflegende Angehörige bestätigt, dass ihr Mann nicht einfach zu handhaben war.


Wenn Seele und Körper am Ende sind

Doch dann hatte ihr Mann einen weiteren Schub und die 60-Jährige konnte ich mehr: "Ich hatte plötzlich Angst. Was passiert, wenn ich nicht mehr kann? Und dann konnte plötzlich wirklich nicht mehr." Seele und Körper waren am Ende.

Deshalb rief sie Elisabeth Schroeter um Hilfe. Eigentlich wollte sie nur einen Kurzzeitpflegeplatz für ihren Mann, um selbst zu regenerieren und gesund zu werden. "Ich habe überall herumtelefoniert, aber nichts war frei, deshalb habe ich dann mit einem Arzt telefoniert", erzählt Elisabeth Schroeter. Danach wurde der Mann in Bamberg eingewiesen.

"Zuerst war ich erleichtert, doch dann sah ich, dass es ihm immer schlechter geht", erzählt die Ehefrau und ist noch heute verzweifelt. Ihr Mann vertrug die Medikamente nicht und konnte sich bald nicht mehr bewegen. Nach sieben Wochen wurde er entlassen. Zuhause konnte ihn seine Frau nicht alleine pflegen, deshalb suchte Elisabeth Schroeter einen ambulanten Pflegedienst: "Der kam aber nicht.

Zum Glück half eine Nachbarin, die für einen anderen Pflegedienst arbeitete." Endlich fand sich ein Heimplatz. Doch am Tag der Abreise kam ein Anruf, dass der Mann nicht genommen werden könne, da es noch einen Beschluss für ihn gab, dass er in einem geschützten Bereich untergebracht werden müsse. "Ich habe gleich den Richter angerufen und ihm erzählt, dass mein Mann nicht mehr weglaufen könne. Er wollte den Beschluss aufheben, doch der Heimplatz war weg", erinnert sich die Frau.


Zum Wohle beider

Wieder griff Elisabeth Schroeter zum Telefon und hatte Glück. Drei Tage später konnte der Mann in ein Heim nach Neunkirchen gebracht werden. "Die waren so liebevoll und nett. Und ich habe das Gefühl, er blüht dort ein wenig auf", freut sich die 60-Jährige. Sie ging einen schweren Weg, um Loslassen zu lernen: "Ich weiß, dass ich von meinen hohen Ansprüchen an mich selbst runter muss. Und dass es in Ordnung ist, dass er jetzt woanders wohnt. Wir fangen halt jetzt bei null an."

Sie erzählt, dass ihr gemeinsames Leben immer kleiner wurde. Und nur bei ihrer Arbeit so etwas wie Normalität herrschte. "Aber ich bereue es nicht, dass ich mein Leben auf seine Bedürfnisse umgestellt habe. Nur jetzt ging es halt einfach nicht mehr. Und damit habe ich mehr zu kämpfen als mein Mann", fasst die Ehefrau zusammen, die ihren Liebsten am 40. Kennenlerntag weggeben musste - zum Wohle beider.


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