Noch gilt das Verbot der Handybenutzung an den meisten Schulen. Wenn es nach Wendy Vogl Riggioni geht, dürfte sich das bald ändern. Die Landesschülersprecherin aus Walkersbrunn setzt sich für die Digitalisierung an Schulen ein und dazu gehört dann auch das Arbeiten mit Handys. Dass dies funktionieren kann, zeigen die Projektschulen, zu der auch Wendys Schule, die Mittelschule in Neunkirchen am Brand, gehört.

"Wir arbeiten hier mehr mit Handys und haben auch eine Whatsapp-Gruppe", erklärt Wendy die neue Art des Lernens und der Gruppenarbeit im Unterricht. An ihrer alten Schule, der Mittelschule in Gräfenberg, wurden per Overheadprojektor Bilder und Informationen an die Wand geworfen. "Hier arbeiten wir mit Whiteboards, Beamer und Übertragungskameras", sagt Wendy.

Mobil und flexibel

"Das Digitale ist im Unterricht eingebunden", erklärt Wendy. Das Handy ist während des Unterrichts aus, kann aber in der zweiten Pause privat benutzt werden. Mit festen Regeln. "Es dürfen keine Fotos gemacht werden, wenn der andere das nicht möchte, es dürfen keine Videos aufgenommen werden", nennt Wendy einige der Regeln. Manchmal möchte man den Eltern einfach mitteilen, dass früher Schulschluss ist.

Mobil und flexibel zu sein gehöre für ihre Generation dazu. "Wir können nicht verhindern, dass das Schulsystem digital wird. Wir müssen der Zeit entgegen kommen", sagt Wendy, die viele Vorteile sieht. "Wir bringen auch die Lehrer auf den neuesten Stand", betont die Landesschülersprecherin aus der Neunkirchner Mittelschule. So könne so mancher Lehrer von den Schülern lernen, wie Handy und Computer richtig und effizient genutzt werden können.

Deshalb will sich die Walkersbrunnerin auch im Landesschülerrat, der aus zwölf Landesschülersprechern aller Schularten besteht, für die Digitalisierung einsetzen. Dazu gehört zunächst freies WLAN für die Projektschulen. Im Staatsministerium in München haben die Landesschülersprecher einen eigenen Raum, um für Schüler wichtige Themen zu diskutieren und diese dann auf politischer Ebene einzubringen.

Viele Ehrenämter

Wende engagiert sich in ihrem Amt genau wie in den anderen Ehrenämtern, die sie bislang ausgeübt hat. Als Streitschlichterin hatte sie sich in der Gräfenberger Schule dafür eingesetzt, Konflikte zielführend auf verbaler Ebene zu lösen, so dass der Streit nicht eskaliert. Als Fun-Reader hat die 15-jährige Schülerin den "Kleinen" vorgelesen und hat sich auch als Coolrider eingesetzt.

"Es ist besser, hinzuschauen, statt wegzuschauen", betont Wendy. Das galt vor allem im Bus, wenn Schwächere geärgert wurden. Und das Hinschauen zieht sich durch alle ihre Ämter. "Ich will etwas ändern", betont die Walkersbrunnerin, die sich durchaus als sehr selbstbewusst beschreibt. "Alle Ämter habe ich aus reiner Freude gemacht", betont die Landesschülersprecherin. Die schulischen Ehrenämter und die privaten Ehrenämter. Dazu gehört die Freiwillige Feuerwehr in Walkersbrunn, bei der sie aktives Mitglied ist. Mit 16 will Wendy die Truppenausbildung absolvieren. Und da sie als Kind schon gerne Fußball gespielt hat, wundert es nicht, dass sie seit drei Jahren den SV Ermreuth unterstützt.

Zukunft bei der Polizei?

Wendy hat noch drei ältere Schwestern und liebt Tiere, vor allem ihre beiden kleinen Hunde. Eine berufliche Laufbahn bei der Hundestaffel der Polizei ist deshalb momentan ihr beruflicher Favorit. Doch erst, wenn sie den M-Zug abgeschlossen hat. Bis dahin gilt es, sich für die Schüler aus Forchheim stark zu machen. Dass es keine bundeseinheitliche Schulbildung gibt, ist dabei ebenso Thema.

Ein Beispiel hat sie von den Erzählungen anderer Landesschülersprecher parat. "In manchen Bundesländern ist das Abi leichter. Deshalb hatten viele Schüler, die an der Grenze zum anderen Bundesland wohnten, in die Schulen dort gewechselt", erklärt Wendy. "Weshalb anstrengen, wenn es auch leichter geht", fügt sie die Erklärung hinzu. Dass sie bei der Wahl - je zwei Schülersprecher von jeder Schulart traten zur Wahl an - so deutlich gewann, damit hatte Wendy dann doch nicht gerechnet. Mit 103 Stimmen Vorsprung wurde sie gewählt.

Für mehr politische Themen

Wendy hat einen eigenen Wunsch, was die Unterrichtsgestaltung betrifft. "Ich finde schade, dass politische Themen nicht angesprochen werden. Warum der Jemen ein Kriegsgebiet ist, wisse zum Beispiel kaum jemand. Ihre Mitschüler schon, denn Wendy hat ein Referat darüber vorbereitet. Mit den neuen Medien, dem Thema, das für die Landesschülersprecher ganz oben auf der Agenda steht.