Hallerndorf
Mangelware Leergut

Ärger bei fränkischen Brauereien: "Wir brauchen ein höheres Pfand"

Jährlich 7500 neue Kästen Leergut für rund 70 000 Euro - nur eine Beispielrechnung dafür, wie teuer fehlender Rücklauf eine Brauerei zu stehen kommt.
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Fehlende Flaschen, leere Flaschen, Fremdflaschen - allein das Sortieren bedeutet in Georg Rittmayers Abfüllzentrum in Hallerndorf  (Landkreis Forchheim) jede Menge Arbeit. Barbara Herbst
Fehlende Flaschen, leere Flaschen, Fremdflaschen - allein das Sortieren bedeutet in Georg Rittmayers Abfüllzentrum in Hallerndorf (Landkreis Forchheim) jede Menge Arbeit. Barbara Herbst
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Georg Rittmayer ist nicht nur Inhaber der gleichnamigen Brauerei in Hallerndorf im Landkreis Forchheim, er ist zugleich Präsident des Verbands privater Brauereien in Bayern. Diese Funktion hat er nicht zuletzt deshalb übernommen, weil ihn seit Jahren das Problem mit dem Mehrweg-Pfandsystem und dem Leergut umtreibt.

Jahr für Jahr müssten die Brauereien für teueres Geld Kästen und Flaschen nachbestellen, weil zu wenig Leergut zurückkommt, erfahren wir bei einem Besuch in Hallerndorf. Im vergangenen Sommer sorgte die langanhaltende Hitze für einen enormen Mangel an Pfandflaschen, wodurch einige Brauer bestimmte Sorten nicht mehr abfüllen konnten. Rittmayer betreibt neben seiner Brauerei ein eigenes Abfüllzentrum mit 50 Mitarbeitern. 30 Brauereien aus der ganzen Region lassen hier ihr Bier auf Flaschen abfüllen.

Teure Ersatzbeschaffung

Die teure Ersatzbeschaffung von Leergut hat sich für so manche kleinere Brauerei zu einem existenziellen Problem gemausert. "Der Wiederbeschaffungswert für einen Bierkasten inklusive 20 Euroflaschen liegt bei etwa zehn Euro. Bei Bügelverschlussflaschen werden gar elf Euro fällig. Dafür ist ein Pfand von 3,10 Euro einfach zu wenig", beklagt Rittmayer eine Situation, an der sich unbedingt etwas ändern müsse. Weil die jährlich notwendigen Neubestellungen von Leergut für die Brauereien ein immer teurer werdendes Draufzahlgeschäft geworden sind.

Rittmayer selbst muss für seine Brauerei mit einem Ausstoß von jährlich etwa 30.000 Hektolitern alle 12 Monate einen sechsstelligen Betrag für die Ersatzbeschaffung von Leergut einplanen. "Bei manchen meiner Kollegen stellt sich dann, wenn die Entwicklung so bleibt, schon die Existenzfrage", fürchtet der Brauereien-Präsident.

Davon ist sein Kollege Roland Kalb von der Bamberger Brauerei Fässla zwar meilenweit entfernt, aber auch ihn ärgert der Leergutausfall. Kalb muss jährlich etwa 7500 Kästen Leergut nachbestellen, was immerhin eine Summe von rund 70.000 Euro ausmacht.

Mühseliges Aussortieren von Fremdflaschen

Franz Göller betreibt im unterfränkischen Zeil ebenfalls eine Abfüllanlage. 15 Brauereien liefern hier in Tanks ihr Bier zum Abfüllen an. Wie sein Kollege in Hallerndorf klagt er nicht nur über fehlendes Leergut, sondern auch über jede Menge an Fremdflaschen, die erst mühselig aussortiert werden müssen, ehe das Leergut gewaschen und erneut genutzt werden kann.

Schuld daran sind nach Meinung Georg Rittmayers die großen Konzerne, die immer mehr mit Individualflaschen arbeiten würden. Heißt: In die Flasche ist der Brauereiname eingearbeitet. Oder: In die Porzellanköpfe ist ein Etikett eingebrannt und der Dichtring ist statt des üblichen Rot blau eingefärbt. All das erschwert die Mehrfachnutzung ungemein. Ein Dorn im Auge ist Georg Rittmayer die Praxis vieler Supermärkte, die auch fremdes Leergut zurücknehmen.

Bierkästen werden geschreddert

Diese Kästen würden nicht zum Besitzer, den Brauereien, zurückgebracht, sondern schlicht geschreddert. Kein Wunder bei Pfandkosten von 1 Euro 50 für einen leeren Bierkasten, für den in geschredderter Form immer noch 1,30 Euro bezahlt werden. Da lohnt der aufwendige Weg zurück zum Besitzer einfach nicht mehr. Rittmayer lamentiert nicht, er hat eine Lösung parat: "Wir brauchen in erster Linie ein deutlich höheres Pfand." Das sollte, weil gesetzlich so vorgeschrieben, knapp unter dem Wiederbeschaffungswert liegen. Das würde für den Verbraucher bedeuten, er hätte neun bis zehn Euro Pfand je Kasten zu bezahlen.

Das Leergut würde dann schneller zurückgebracht, ist sich Rittmayer sicher. Wenn man zudem verstärkt auf Poolflaschen umstellen und Individual- sowie Plastikflaschen höher besteuern würde, hätte das Mehrwegsystem eine Zukunft. Um das fürchtet der Hallerndorfer. Weil die großen Konzerne mehr auf Einwegsysteme setzen würden. Für Georg Rittmayer unverständlich. Eine Mehrwegflasche könne bis zu 40 Mal genutzt werden. Die dabei benötigte Energie sei deutlich geringer als die, die zum Einschmelzen der Einwegflaschen benötigt würde. Rittmayers Credo: Mehrweg.

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