Forchheim

Wilhelm Wolpert als letzter Künstler auf der Bühne des Forchheimer Klostersaals

Der letzte Vorhang im Forchheimer Klostersaal ist gefallen. Zum Abschied geht der Haßfurter Mundartdichter Wilhelm Wolpert auf eine humorvolle Reise zu den Untiefen fränkischer Befindlichkeit.
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Wilhelm Wolpert brachte die Menschen im Forchheimer Klostersaal mit seinen Liedern und Witzen zum Lachen. Foto: Wuttke
Wilhelm Wolpert brachte die Menschen im Forchheimer Klostersaal mit seinen Liedern und Witzen zum Lachen. Foto: Wuttke
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Wenn man die Geschichte des Forchheimer Klostersaals, die jetzt mit dem Neubauprojekt "Klostergarten" zu Ende geht, mit einem menschlichen Leben gleichsetzt, dann war die letzte Veranstaltung "a lustiga Leich"!

Nach fast einem Jahrhundert, in dem die Redemptoristen bis zu ihrem Abzug Ende September 2013 ansässig waren, hob und senkte sich im Klostersaal letztmalig der Vorhang. Aber die Forchheimer zeigten sich überhaupt nicht traurig. Wenn sie sich Tränen aus den Augen wischten, dann war das die Folge des Lachens, für das Wilhelm Wolpert aus Haßfurt sorgte. Zwei Stunden lang.

Wolpert wer? Der Autor für ostunterfränkische Mundart wagte sich zum ersten Mal in das Mundartrevier eines Reinhold Schmitt und Walter Tausendpfund, eines Karl Theiler und Anton Eberler selig.


Seine Vita sagt aus, dass der 76-Jährige einige Jahrzehnte in Faschingsveranstaltungen als Redner, Dichter und Sänger aktiv war, dass sein "Hasen-Terzett" über die Grenzen seiner Heimatstadt bekannt wurde und es zwölf Jahre lang auf die Bretter der Fernseh-Fastnacht in Veitshöchheim brachte.

Also, "der" Wolpert kam nach Forchheim, um mit den Kloster-Freunden im übervollen Saal einen Abend "Fränkisch gelesen - fränkisch gelacht" zu gestalten.

Eingeladen hatten der Kloster-Verein und der Leiter des Klosterchores, Franz Josef Saam, nachdem er Wolpert in Unterfranken live erlebt und lachend überlebt hat.

Komische Ereignisse

Nun ist der ehemalige Kaufmann im Außenhandel beileibe kein klamaukhafter Haudrauf. Er tritt seriös und fast schon bescheiden ans Mikrofon. Nur sein Lächeln, das er nicht aus Mund und Augen bekommt, verrät, dass er dem Leben nur die heiteren Seiten abgewinnen will und die komischen Ereignisse gern weitererzählt.

Seine Expeditionen in die (unter-)fränkische Seele und in die Abgründe des meefränkischen Gemüts, begleitet von entwaffnenden Hilflosigkeiten, schlitzohrigen Eigensüchteleien und charmanten Respektlosigkeiten sind in zwölf Mundartbücher und einige Hörbücher eingeflossen.

Allein die Nennung des Bestseller-Titels "Lieber Gott, ich schlag vor, mir sachng Du zuänanner" sorgte für einen Lacherfolg.

Bevor Wolpert in seinen tiefen Wortfundus griff, wurde er mit Volksgesang begrüßt, begleitet von Franz Josef Saam auf der "Quetschn". Der Nonsens-Hit "Bridscherbraad" gab dem Gast gleich eine Breitseite des Forchheimer Dialekts ab.

Später folgte noch das "Putzkolonnenlied", gereimt von Luise Grohberger: eine Hymne auf all jene, die für Haus, Hof und Kirche des Klosters ehrenamtlich tätig gewesen sind.
In einen "frommen Saal" gehörten natürlich Missverständnisse der Glaubensübung dazu. So der Herr Pfarrer und die Versuchung in Gestalt seiner Köcha, die Schutzheiligen für jeden Tag (so der hl. Georg gegen den "Drachen dahamm").

Der Pfarrer und das Zölibat

Oder das Fasten am Aschermittwoch, wo der auferlegte Obsttag eine reine Frage der Interpretation ist, bevor sich der Herr Pfarrer nach dem letzten Obstler zufrieden in sein "Zölibett" legt.

Nur kurz wanderte der "Undergefrank" in die Politik ab: Nachdem Frauen in der Wählergunst immer besser dastehen, entschließt sich der OB-Kandidat zur Geschlechtsumwandlung: "Do schneid mer was ab, denn kleine Dinge machen heute den Unterschied".
Ja und das andere Geschlecht - eine Fundgrube für Wolpert, dessen Generation sich durch die "Astlöcher in der Badeanstalt am Mee" aufklärte: "Was mir als Kinner gebeicht hamm lerna sie heut in der Schul im Sexualkundeunterricht." Das Älterwerden falle heute leichter, zum Beispiel im Pflegeheim mit einer einstelligen Pin und neun Versuchen am Geldautomat. Der Leichenschmaus beim Italiener und Griechen? "Nix doo, die Oma hodd vorgekocht", lautet die Devise.

Es gab viel Gelächter. Wilhelm Wolpert wird wieder willkommen sein in Forchheim, das er übrigens kennenlernte, als er für Toni Dress bei Weber & Ott tätig war. Beim nächsten Mal darf er gern im Kolpingssaal aufteten. Auch der wird voll sein.
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