Wiesenttal
Marktgemeinderat

Wiesenttal bekommt hauptamtlichen Bürgermeister

Nach den Kommunalwahlen 2020 wird die Marktgemeinde Wiesenttal erstmals einen hauptamtlichen Bürgermeister bekommen.
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Der derzeitige ehrenamtliche Bürgermeister Helmut Taut vor dem Rathaus in Muggendorf Foto: privat
Der derzeitige ehrenamtliche Bürgermeister Helmut Taut vor dem Rathaus in Muggendorf Foto: privat
Das beschloss einstimmig der Marktgemeinderat. Obwohl dieses Thema seit 16 Jahren immer wieder im Rat diskutiert wurde, war kein Bürger zu dieser Sitzung als Zuhörer gekommen. Gleichwohl erwarten die Ratsmitglieder in nächster Zukunft lebhafte Stammtischdiskussionen.

Schon vor den Wahlen 2002 hatte die CSU die Hauptamtlichkeit für sinnvoll erachtet, fand aber im damaligen Rat keine Mehrheit. Insbesondere die Freien Wähler hielten einen ehrenamtlichen Gemeindechef für ausreichend.

Diesmal aber befürwortete Marco Trautner (FWW) die Hauptamtlichkeit vor allem mit den Erfordernissen einer Flächengemeinde von 46 Quadratkilometern: "Der Aufwand wird immer größer, unabhängig von der Einwohnerzahl, und der Bürgermeister ist der Ansprechpartner Nummer 1." Seit 2002 hat sich das Haushaltsvolumen mehr als verdoppelt, von vier Millionen auf 8,8 Millionen Euro. Zwei Berufe gleichzeitig, das schaffe niemand. Die Mehrkosten würden durch den Arbeitserfolg aufgewogen, ein weiterer Mitarbeiter in der Verwaltung könne das nicht leisten.

"Wir wussten schon damals", erklärte CSU-Sprecher Konrad Rosenzweig, "dass die Aufgaben, zum Beispiel der Kanalisationsausbau, immer mehr werden." Seiner Meinung nach ist es allein schon gut, wenn der Bürgermeister am Morgen in der Verwaltung ist und nicht irgendwo angerufen werden müsse. Die Auswirkungen der höheren Bürgermeistervergütung sah er auch, auf der Gegenseite aber auch Aufgaben, die sonst nicht zu erledigen wären. Dazu zitierte er den Ehrenbürger und Altbürgermeister Paul Pöhlmann, der erst nach seiner Pensionierung gemerkt habe, welche Aufgaben ein Bürgermeister hat.

Karl-Peter Schwegel (BFMW) ist erst seit dieser Amtsperiode Ratsmitglied. Dennoch stellte er, als er durch die Ratstätigkeit den Umfang der bürgermeisterlichen Aufgaben näher kennenlernte, vor etwa zweieinhalb Jahren den Antrag für einen hauptamtlichen Bürgermeister.

Amtsinhaber Helmut Taut (FWW) ist auch dafür. Da er nur 17 Stunden als Lehrer tätig ist, habe er zwar einigen Spielraum, dennoch sei der Zeitdruck groß, beispielsweise Behördentermine unterzubringen. Das Haushaltswachstum beruhe auf einem gewachsenen Vermögenshaushalt. "Und das heißt mehr Arbeitsintensität für den Bürgermeister", erläuterte Taut.

Als besondere Aufgaben in der Flächengemeinde erwähnte er die 56 Kilometer Gemeindestraßen und die zwei Flusstäler mit ihren Brücken. Gab es um 2000 einmal im Monat so einen Termin, fielen sie heute in jeder Woche an. Hinzukommt nach Taut noch, dass es in der Verwaltung seit 2002 zehn Mal Personalwechsel aus ganz verschiedenen Gründen gab.

"Ein Betrieb mit vier Millionen Umsatz braucht einen Chef", war schon 2002 das Credo von stellvertretendem Bürgermeister Gerhard Kraus (BGS). Der Antrag seiner Fraktion sei damals von den Freien Wählern "abgeschmettert" worden, erinnerte er sich. Das Schlusswort der Debatte fiel an Rosenzweig: "Unser Beschluss macht es einem Bürgermeister leichter, sich Wiesenttal verpflichtet zu fühlen."
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