Pinzberg
Wasserrecht

Wiesen im Wiesenttal unter Wasser: Wasserwirtschaftsamt kritisiert Projekt

Die Wässerwiesen tragen einerseits zum Natur- und Klimaschutz bei. Andererseits könnte dadurch das Ökosystem "Wiesent" in Gefahr sein.
Artikel drucken Artikel einbetten
Julia Dummert erklärt die Vorteile einer Wässerwiese. Foto: Petra Malbrich
Julia Dummert erklärt die Vorteile einer Wässerwiese. Foto: Petra Malbrich
+4 Bilder

Wasser glitzert auf der Wiesenoberfläche. 62 Störche wurden kürzlich auf den Wässerwiesen in Pinzberg gezählt. In Kirchehrenbach staken sie noch immer in der Wiese herum, fischen sich Mäuse, die durch das kostbare Nass an "Land" getrieben wurden. Das Wässerwiesenprojekt des Landkreises Forchheim macht dieses Aha-Erlebnis mit Erholungswert möglich. Weiter entfernt fließt normalerweise die Wiesent. Ein Mitarbeiter des Wasserwirtschaftsamts Kronach ist dort vor Ort. Er ist in Sorge wegen des Wässerwiesenprojekts. "Die Wiesent ist im Niedrigwasserspiegelsektor", begründet er seine Haltung. "Wir haben momentan den Eindruck, es wird zu viel gewässert", erklärt Günther Prem, Leiter des Wasserwirtschaftsamts in Kronach. Ob es den Fischen schade, wisse man noch nicht im Detail. Ein Fischsterben gibt es demnach noch nicht. "Wir wollen vorsorgen", sagt Prem. Deshalb wird untersucht, ob das Wässern zur Schädigung des Gewässers führt.

Folgen für Ökosystem

Die Folgen für das Ökosystem Wiesent könnten durchaus erst in einem, zwei oder drei Jahren ersichtlich sein. Einen großen runden Tisch wird es deshalb am Dienstag, 11. September, geben, um alle Bedenken vorzutragen und um Lösungen zu finden. Das Landratsamt Forchheim wird Gastgeber sein. Die Bezirksregierung von Oberfranken ist auch dabei, und natürlich das Wasserwirtschaftsamt.

Verbriefte Rechte

Welche Rechte verbrieft sind, kommt dann auch zur Sprache. Denn es sind die uralten Wasserrechte, die nun für das Ungleichgewicht sorgen. "Die Rechte aus dem Bewässerungsprojekt von 1860 stehen heuer in Konkurrenz zu den Abflüssen der Wiesent", erläutert Prem. Das Wasserrecht würde laut Wasserwirtschaftsamt zugunsten der Wiesenbewässerung ausgenutzt. Hingegen sei in der Wiesent derzeit zu wenig Wasser. Doch laut Prem sagen die Pinzberger Landwirte, sie hätten das Recht und wollten das auch nutzen. Das Wasserwirtschaftsamt sieht das ein wenig differenzierter. "Man kann das Recht nur soweit ausnutzen, wie man anderen nicht schadet", meint der Amtsleiter. Genau diese alten Wasserrechte forstet derzeit die Projektleiterin Julia Dummert durch. Im Staatsarchiv sichtet sie stapelweise Papiere. Die Gespräche mit den Landwirten führt sie ebenfalls. Nur kann sie nicht alles in der kurzen Zeit erledigen. Das Wässerwiesenprojekt wurde erst vor einem Jahr gestartet und habe durchaus Vorteile, die Julia Dummert begeistert aufzählt. So dienten die Wässerwiesen früher der Befeuchtung, waren Dünger, weil es das Wasser Schwebstoffe mit ausspülte, und zugleich Schädlingsbekämpfung, da Mäuse und Maulwürfe an die Oberfläche flohen. "Mit dem Wasser konnte man die Vegetationsperiode verlängern. Wenn das Wasser wärmer war als die Luft, taute der Boden auf und konnte früher bearbeitet werden", erklärt Dummert.

Gras wächst schneller

Und durch die nassen Wiesen wächst das Gras schneller. Eine Mahd mehr steht zur Verfügung. Landwirte, die gewässert haben, hätten heuer keine Probleme, ihre Kühe über den Winter zu bringen. Nicht nur die Futtermenge, auch die Qualität würde gesteigert werden. Damals stand der Nutzungsgedanke im Vordergrund. Die Wässerwiesen waren notwendig, um die Kühe zu füttern, bestätigt Prem. "Das steht heute nicht mehr im Fokus. Das Wässern hat nicht zum Hauptziel die Förderung der Landwirtschaft, sondern Naturschutzwirkung", meint Prem. Genau da sieht Julia Dummert weitere Vorteile durch das Wässern. "Die Wiesen filtern das Wasser. Sie sind ein natürlicher Filter und füllen das Grundwasser mit auf. Das kommt Forchheims Trinkwasserversorgung zugute", erläutert Dummert und nennt auch den Klimaschutz, der durch die Wässerwiesen geleistet wird. "Das Grünland bindet CO2 . Auf Kunstdünger kann verzichtet werden. Bei anderen Düngern hat man wieder die Lachgasemissionen. Das ist ein Klimakiller", betont die Projektleiterin. Zudem sorgen die Wässerwiesen für einen Luftaustausch. Mit Kurbelschützen oder einfachen Steckschützen kann durch das Ziehen von einfachen Holzbrettern der Wasserstand reguliert werden. Das übrige Wasser kehrt über den Entwässerungskanal in den Bach zurück. Immer mehr Landwirte melden sich bei der Wässerwiesen-Projektleiterin. Die aktiven Wehre will man erhalten, stillgelegte neu beleben, wenn möglich.

Grundsätzlich bewertet auch das Wasserwirtschaftsamt das Wässerwiesenprojekt positiv, wenn alle Eventualitäten berücksichtigt würden, um Vorsorge treffen zu können. Denn einen trockenen Sommer wie heuer gab es ähnlich schon 2015. Wenn man davon ausgeht, dass sich diese Trockenperioden wiederholen, müssen andere Rechte auch berücksichtigt sein.



was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren