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Heroldsbach
Knochenmarkspende

Wie Mirco aus Heroldsbach den Krebs besiegte

Am 25. November feiert Mirco seinen 17. Geburtstag. Dank einer Stammzellenspende und seinem Kampfgeist hat er seine schwere Krebserkrankung überlebt. Und der "Fighter" aus Heroldsbach hat noch viel vor.
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Mircos Markenzeichen ist der karierte Hut: Der junge Heroldsbacher hat erfolgreich seinen Lymphknotenkrebs bekämpft.  Foto: Ronald Heck
Mircos Markenzeichen ist der karierte Hut: Der junge Heroldsbacher hat erfolgreich seinen Lymphknotenkrebs bekämpft. Foto: Ronald Heck
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Mirco Reck ist ein echter Kämpfer, aufgeben kam nie in Frage. Mirco ist 12 Jahre alt, als er im Oktober 2013 die alles verändernde Diagnose bekommt: Lymphknotenkrebs. Der Heroldsbacher nimmt den Kampf an und macht zahlreiche Therapien. Ein Jahr später kommt der erste Rückschlag, der Tumor ist zurück. Und wieder folgen Therapien, die aber nicht wirken. 2015 steht fest, dass Mirco einen Knochenmark-Spender braucht, um zu überleben.

Unter dem Motto "Mirco will leben" starten er, seine Familie und Freunde eine große Typisierungsaktion, bei der sich 2349 Menschen in der Hirtenbachhalle in Heroldsbach typisieren lassen. Im November vor drei Jahren ist er bereit, als erster Jugendlicher in Deutschland eine ganz spezielle Chemotherapie mit Antikörpern zu machen. "Nur das hat mir die Zeit verschafft, einen Spender zu finden. Ohne diese Therapie wäre ich wahrscheinlich nicht mehr am Leben", sagt Mirco.

Die Suche der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) nach seinem genetischen Zwilling geht los, der Stammzellen-Spender muss die gleichen Gewebemerkmale wie Mirco haben. Und sein Kampfgeist zahlt sich aus: Ende Februar 2016 ist die Suche tatsächlich erfolgreich. "Das Gefühl, wenn du erfährst, dass ein Spender gefunden wurde, ist der Wahnsinn."

Der letzte große Kampf steht bevor

Mirco wird auf die Stammzellen-Transplantation vorbereitet. Großes Blutbild, Computertomographie, Ultraschall - der 14-Jährige wird von Kopf bis Fuß durchgecheckt. Am 21. März beginnt die Therapie in der Erlanger Klinik. Vor der Transplantation erhält Mirco eine Hochdosis-Chemotherapie. "Die ist so stark, dass das Herz gerade noch nicht stehen bleibt. Da war ich wirklich kurz vor dem absoluten Ende", erinnert sich Mirco.

Dann der große Tag: Am 30. März 2016, genau um 18.10 Uhr, bekommt Mirco die erste von drei Blutkonserven seines anonymen Spenders. Die Stammzellentransplantation müsse man sich wie eine Bluttransfusion vorstellen, erklärt Mirco. Danach findet das Blut seinen Weg direkt ins Knochenmark, wo es anfängt ,wieder Blutblättchen selbst zu produzieren. "Das ist wie bei einem Computer, der auf Null gesetzt wird. Danach müssen sich die Fragmente wieder einsetzen und hochfahren."

Die Stammzellentransplantation ist erfolgreich

An Tag 13 nach der Transplantation bilden sich die ersten Blutblättchen. Der Kämpfer nimmt sich vor: "Spätestens an Tag 30 will ich wieder nach Hause und auch das habe ich geschafft!". Am 28. April darf er wieder heim nach Heroldsbach. Und Mirco hat es geschafft, die Transplantation war erfolgreich.

Der Tumor ist nicht mehr aktiv und zerfällt. Lediglich Narben sind in der Lunge zurückgeblieben. Zwei- bis dreimal in der Woche muss er zwar noch in die Klinik und sein Blut kontrollieren lassen. Auch sein Immunsystem ist noch eingeschränkt, ab und zu hat er deshalb noch Infektionen. "Aber ich bin zufrieden! Dafür dass ich lebe, nehme ich das in Kauf." Bereits im September geht er wieder zur Schule. Später wechselt er sogar von der Hauptschule in die Realschule in Forchheim, wo er heute in die 8. Klasse geht.

Mirco kann endlich seinen Spender treffen

Zwei Jahre nach der Transplantation gilt ein Stammzellen-Empfänger sicher als geheilt. Erst in diesem Jahr konnte Mirco endlich seinen Spender erfahren. Er heißt Patrick und kommt aus Bremen. Mirco sucht als erstes auf Facebook nach Patrick und schickt im eine Freundschaftsanfrage. Danach steht sein Handy nicht mehr still: Sie schreiben sich gegenseitig unzählige Nachrichten.

Mirco lädt Patrick nach Heroldsbach ein. Mitte Juni fährt der Bremer zusammen mit seiner Freundin aus dem Norden Deutschlands nach Franken. Mit einem selbst gemachten Willkommens-Stofftuch am Hauseingang begrüßt Mircos Familie Patrick in Heroldsbach. "Wir waren uns sofort sympathisch", sagt er. Die genetischen Zwillinge übernachten im Schloss Thurn, am Tag darauf erleben sie "Action" im Erlebnispark Geiselwind uns auch vom Charakter her sehr ähnlich", sagt Mirco über seinem Lebensretter.

Der "Fighter" geht mutig in die Zukunft

Das nächste große Ziel des 17-Jährigen ist eine Reise in die USA. Genauer gesagt nach Seattle, denn dort spielt seine Lieblings-TV-Serie "Grey's Anatomy". Eigentlich wollte Mirco heuer im Dezember nach Amerika - mit seiner besten Freundin aus der Klinik. Doch die ebenfalls krebskranke Freundin hatte Anfang des Jahres einen Rückfall, im Oktober ist sie gestorben. Die Reise will er kommendes Jahr nachholen, nachdem er seinen 18. Geburtstag gefeiert hat.

Als Erinnerung an den erfolgreichen Kampf gegen den Lymphknotenkrebs lässt sich Mirco Anfang des Jahres "Fighter" auf den Nacken tätowieren. Das englische Wort für Kämpfer hat er selbst geschrieben, auf der Tattoo-Messe in Erlangen lässt er sich "Fighter" stechen. Denn sein Kampfgeist ist ungebrochen: Trotz der bleibenden gesundheitlichen Schäden, wie Lungen-, Zwerchfell-, Höreinschränkungen und einer Magensonde, lässt sich Mirco nicht unterkriegen. Im Januar fängt der Kämpfer wieder mit dem Kickboxen an.

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