Wimmelbach
Spurensuche

Wie Jesus nach Braunau kam

Hermann Meißner kehrte zu seinen Wurzeln zurück und stieß bei einem seiner Heimatbesuche auf eine Ikone, die viel Gläubige für eine Reliquie halten.
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Ein Ausschnitt der Grabtuch-Kopie im Braunauer Kloster. Foto: Jan Záliš
Ein Ausschnitt der Grabtuch-Kopie im Braunauer Kloster. Foto: Jan Záliš
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Er begab sich auf die Suche nach seiner Vergangenheit, nach seiner Herkunft - und fand Jesus Christus. Auf Umwegen hat der Zimmermann aus Nazareth nämlich im tschechischen Broumov (Braunau), einer Partnerstadt von Forchheim, Spuren hinterlassen. Und das hat Hermann Meißner zum Staunen gebracht.

Vor allem, weil der Wimmelbacher bei der Rückkehr in seine Heimat doch zu allererst die Geschichte seiner Familie erkunden wollte. Das hat er auch getan, bei mehreren Besuchen fand er viel über sich heraus. Er stand vor seinem Geburtshaus und dort, wo einst die Großeltern gewohnt hatten. Er lernte Ortsansässige kennen, die sich noch an seine Großmutter erinnern konnten, als Kind in deren Garten gespielt hatten. Viele wertvolle Hinweise und Anekdoten.

Prägenden Eindruck hat bei Meißner aber eben auch eine Privatführung durch das Braunauer Kloster hinterlassen, in dem er getauft worden ist. Im dortigen Refektorium lagern viel Schätze: Eine 17 000 Bände vieler Fachrichtungen umfassende, wissenschaftliche Bibliothek oder ein auf Mitte des 18. Jahrhunderts datierter, hölzerner Globus, der ohne das damals noch unentdeckte Australien auskommt. Und dann eben das 4,36x1,10 Meter große Grabtuch aus Leinen, in das der Körper von Jesus Christus eingewickelt gewesen ein soll.

Nicht das Original, das 1353 erstmals in Frankreich erwähnt und 125 Jahre nach dem Übergang in den Besitz der Familie Savoyen (1453) nach Turin gebracht wurde, wo es - mit kurzen Unterbrechungen - bis heute ausgestellt ist. Das Braunauer Exemplar ist die letzte von insgesamt 42 hergestellten Kopien, die der Turiner Erzbischof 1651 an Mathäus Ferdinand Sobek von Bilenberg, den Abt des Braunauer Klosters, samt Zertifikat übergeben hat. Über die Jahrhunderte geriet es in Vergessenheit, wurde bei Bauarbeiten wieder entdeckt und ist seit 1999 Teil der Dauerausstellung.

Nach 70 Jahren wieder Heimaterde betreten

1939 in Hauptmannsdorf bei Braunau im damaligen Sudetenland geboren und in der Braunauer Klosterabtei getauft, packte Hermann Meißner nach dem Zweiten Weltkrieg die Koffer. Anders als viele Vertriebene hätten der damals Sechsjährige und seine Mutter bleiben dürfen, doch weil die Oma in Abschiebehaft kam, stand die Entscheidung schnell fest, ihr beizustehen und Richtung Westen zu gehen.

In Forchheim fand Meißner eine neue Heimat, in Burk die Liebe. In Wimmelbach lebt er bis heute glücklich und zufrieden. Doch nach dem Tod seiner Frau setzte sich bei dem Hobby-Historiker der Wunsch fest, nun die eigene Vergangenheit zu erforschen, den Spuren seiner Familie zu folgen.

Er suchte den Kontakt zum Heimatkreis Braunau, und bei einem Heimattreffen in Bad Kissingen lernte Meißner die ehemalige Bürgermeisterin von Braunau kennen, die ihm eine Reise in seine Heimat mit ermöglichte. Nach rund 70 Jahren stand Meißner zum ersten Mal wieder auf Hauptmannsdorfer Boden. Kindheitserinnerungen wurden wach, Meißner packte der Bewegungsdrang. 20, 25 Kilometer legte er täglich zu Fuß zurück, um die Umgebung zu erkunden, Zeitzeugen zu finden, die ihm etwas über seine Familie erzählen können.

Er lernte hilfsbereite Menschen kennen, von denen einige selbst wissen wollten, wie es deutschstämmigen Freunden aus Kindertagen ergangen ist. In einem Fall wurde Meißner eine alte Schwarzweiß-Aufnahme mitgegeben, die zwei Mädchen zeigt. Eines war in Braunau geblieben, das andere hatte es - wie Meißner - nach Forchheim verschlagen. Er machte die Frau ausfindig und übergab die Fotografie. Ein emotionaler Moment. Ob es die Forchheimerin vor ihrem Tod schaffte, noch einmal persönlich Kontakt mit der Freundin herzustellen, weiß Meißner allerdings nicht.

Das Zertifikat des Erzbischofs

Julius Cäsar Bergiria aus der Gnade Gottes und des apostolischen Stuhls, Erzbischof von Turin Allen denen, die diese unsere Liste sehen, anschauen, lesen oder vorlesen lassen, entbieten wir in Wahrheit und geben im Vertrauen Kund: Angezeigt wurde am vierten Tage dieses Monats das älteste Tuch, in dem der Körper unseres Herrn, Jesus Christus, von Josef von Arimatäa eingewickelt wurde. Und das in unserer Metropolitan Kirche und Kapelle, die dort angebaut war von der Königlichen Hoheit von Savoyen und oft von den Leuten besucht worden war.

Damit wir, mit Unterstützung seiner königlichen Hoheit von Savoyen, anfassen können diese Kopie dieses allerhöchsten Tuchexemplars oder die renovierte Fassung des Originals, erstellt vom ehrwürdigen Vater Dona Laurenzius Maria Turelii, Probst, ehrwürdiger Abt der Schule des heiligen Damatius der Ordenskongregation der Kleriker des heiligen Paul. In dieser Stadt angefertigt und übergeben dem allervornehmsten und allerwürdigsten Vater und Abt Mathäus Ferdinand von Bilenberg. Und damit diese Richtigkeit und Übergabe bestätigt und nicht angefochten wird, daher haben wir zu dieser Urkunde für seine Bestätigung die Unterschrift unserer eigenen Hand zugefügt und unser Siegel, wie es sich gehört. Gegeben in Turin am achten Tag des Monats Mai im Jahre 1651 Julius Cäsar, Erzbischof von Turin Übersetzt ins Deutsche von Heimatpfleger Gerhard Batz aus Hausen

Zwei Infos am Rande

666 Jahre ist es her, dass das Turiner Grabtuch erstmals erwähnt wurde. Die Braunauer Kopie ist 368 Jahre alt.

25.844 Personen wurden ab 1945 aus dem Braunauer Land vertrieben und damit 75 Prozent aller Einwohner.

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