Hallerndorf
Auktion

Wie Handtaschen in Venezuela helfen

Monika Hohlmeier kam zu einer Plauderstunde, bei der "treue Begleiter" von Politikerinnen für den guten Zweck unter den Hammer kamen.
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Fröhliche Gesichter nach der gelungenen Versteigerung ( v. l.): Ehrengast Monika Hohlmeier, Tanja Herbert-Nebe, Mary Drews, Karla Zintl und Moderatorin Stefanie Schmidts. Foto: Elisabeth Görner
Fröhliche Gesichter nach der gelungenen Versteigerung ( v. l.): Ehrengast Monika Hohlmeier, Tanja Herbert-Nebe, Mary Drews, Karla Zintl und Moderatorin Stefanie Schmidts. Foto: Elisabeth Görner
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Was haben Hallerndorf und Eggolsheim mit Venezuela zu tun? Und wie kommt es zu einem Abend mit der Europaabgeordneten Monika Hohlmeier, an dem Damenhandtaschen versteigert werden? Die Erklärung ist wunderbar menschlich: Karla Meauri de Zintl aus Venezuela lebt mit ihrem deutschen Mann und zwei Kindern in Bammersdorf. Tanja Herbert-Nebe (Eggolsheim) und Karla Zintl haben und darüber nachgedacht, wie sie andere hier lebende Südamerikanerinnen unterstützen könnten, die schon vor längerer Zeit eine Hilfsinitiative für Venezuela gegründet haben.

Inzwischen ist Tanja Herbert-Nebe Vorsitzende der Frauenunion von Eggolsheim und Hallerndorf und hatte die Idee zu "MH Persönlich". Ein Abend mit Politikerin Monika Hohlmeier, an dem diese nicht nur erstaunlich privat über ihr Lebenerzählte, sondern auch eine ihrer Handtaschen mitgebracht hatte, um sie zu Gunsten notleidender venezolanischer Kinder versteigern zu lassen.

Berufswunsch Pilotin

Der Saal der Brauereigaststätte Rittmayr war zwar nicht ganz voll, aber neben vielen Frauen aus der Umgebung hatte sich auch männliche Politprominenz eingefunden. Hohlmeier betonte, dass Politik "nur Beiwerk" sein werde und plauderte mit Moderatorin Stefanie Schmidts locker drauf los. Die Oberbayerin Hohlmeier, die in Bad Staffelstein lebt und von dort aus nach Straßburg oder Brüssel pendelt, outete sich als begeisterte Europäerin. Sie erklärte aber auch, dass sie zunächst nicht unbedingt in die Politik wollte. "Einer in der Familie reicht" sagte Hohlmeier mit Blick auf ihren Vater, Franz-Josef Strauß. Sie habe eigentlich Sportlehrerin oder Pilotin werden wolle.

Doch nach dem Tod der Mutter habe sie ihren Vater oft auf politischen Reisen begleitet und unterstützt. Einmal habe sie nach einem anstrengenden Flug - weil es schnell gehen musste - telefonisch noch auf dem Flughafengelände ein frisches Hemd, Sakko und eine Duschmöglichkeit geordert. Diese und ähnliche Anekdoten kamen in launigem Ton rüber, ehe Monika Hohlmeier von der Zeit der RAF redete, in der ihr Vater und die gesamte Familie großer Gefahr ausgesetzt waren.

Sicherheitsbeamte waren allgegenwärtig, die drei Geschwister wurden zeitweise getrennt, damit weniger Entführungsmöglichkeiten bestanden. Aber obwohl all das nicht leichtgewesen sei, "auf keinen Fall normal", sagt die selbstbewusst-lebensfrohe Frau heute, habe sei eine glückliche Kindheit verlebt. Auch, weil die Sicherheitsbeamten viel Verständnis für ihre jungen Schutzbefohlenen gehabt, alles Mögliche mitgemacht und bei Disco-Besuchen auch mal ein Auge zugedrückt hätten.

Frauen den Weg geebnet

Monika Hohlmeier ist geprägt von Dankbarkeit, von ihrem Interesse für Soziales und der "Leidenschaft, der Res Publica zu dienen", die sie schließlich doch zur Politik gebracht hätten. Anteil daran hatte auch die ehemalige bayerische Justizministerin Mathilde Berghofer, die den Zugang der Frauen zu damals noch männertypischen Beschäftigungen (Fußball und Polizei) gefördert hat.

Nach einem Eintrag ins Freundschaftsbuch von Moderatorin Schmidts, bei dem Hohlmeier auch Fragen nach Lieblingstieren (Pferd, Hund) und Lieblingsreisezielen (Frankreich und Kanada), wurde der Blick Richtung Venezuela gelenkt.

Karla Meauri de Zintl hielt einen kleinen Vortrag über ihr Heimatland - samt an die Wand gebaemten Illustrationen an. Die Bilder von der wunderschönen Natur Venezuelas traten schnell in Kontrast zur wirtschaftlich-sozialen Notlage für viele der dort lebenden Menschen, besonders der Kinder. Denen soll der Reinerlös aus der Versteigerung der Designerhandtaschen zukommen, die der Höhepunkt des Abends war.

Neben Hohlmeier hatten auch die Bundestagsabgeordnete Silke Launert und die Kreisvorsitzende der Frauen-Union, Gabriele Oost, Handtaschen aus ihren Privatbeständen gespendet. Besonders viele Exemplare kamen von Staatsministerin Dorothee Bär. Als Auktionator trat Zweiter Bürgermeister Sebastian Schwarzmann auf, der vor allem die wenigen Männer animierte, noch ein passendes Weihnachtsgeschenk für die Gattin zu ergattern. In Tracht gewandete Models setzten die Taschen denn auch gekonnt in Szene, ehe der Hammer fiel.

Auch für Afrika spenden

Jede der gespendeten Handtaschen fand einen neuen Besitzer, und es kamen - auch dank zusätzlicher Spenden - 1035 Euro für notleidende Kinder in Venezuela zusammen. Die Freude darüber stand den Veranstalterinnnen - besonders Karla Zintl und deren Freundin Mary Drews (der Initiatorin der Venezuela-Hilfe) - ins Gesicht geschrieben.

Zintl öffnet am 16. Dezember übrigens auch ein "Adventsfenster" an ihrem Haus (Bammersdorf, Juraquelle 22) und lädt ab 17.30 Uhr ein. Auch hier kann noch gespendet werden, wobei hier ein afrikanisches Land bedacht werden soll.

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