Weißenohe
Hochwasserschutz

Wer hat den Hut auf beim Weißenoher Hochwasserschutz?

Erneut stand die Dorfhauser Straße in Weißenohe unter Wasser. Das Wasserwirtschaftsamt wehrt sich gegen Aussagen des Bürgermeisters.
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Erst kürzlich stand wieder Wasser auf der Dorfhauser Straße in Weißenohe. Foto: privat
Erst kürzlich stand wieder Wasser auf der Dorfhauser Straße in Weißenohe. Foto: privat

Hat Weißenohes Bürgermeister Rudolf Braun (WGA/FW) die Unwahrheit gesagt oder ist er falsch informiert? Nach Starkregen wird die Dorfhauser Straße in Weißenohe regelmäßig überflutet. Wie ein Sturzbach schießt das Wasser vom Mesnergraben auf die Dorfhauser Straße und läuft in Hofeinfahrten und Keller. Nicht nur Anwohner, auch der Grünen-Gemeinderat Norbert Weber, der am Nadelöhr des Mesnergrabens wohnt, hat schon mehrfach auf Abhilfe gedrängt. Bürgermeister Braun hat daraufhin beim Abwasserzweckverband Obere Schwabach (AZV) Maßnahmen gefordert. Für ein Rückhaltebecken sei grünes Licht gegeben worden, beantwortete Bürgermeister Braun auch die Anfragen des Gemeinderats Weber. Ein Regenrückhaltebecken sei in Auftrag gegeben worden, die Planungen würden beim Wasserwirtschaftsamt in Kronach liegen. Das jedoch stimmt offenbar nicht.

Kontakt mit Ingenieurbüro

"Hier liegt überhaupt nichts. Es ist schön, wenn man es auf die Behörde in Kronach schieben kann", schimpft Günther Prem, der Leiter des Wasserwirtschaftsamts in Kronach. Er hat in Sachen Weißenoher Überschwemmungsproblematik Kontakt mit dem Planungsbüro Schneeberg und Kraus aufgenommen. Einen klaren Planungsauftrag gebe es nicht, ist von dem Ingenieurbüro zu hören. Es stimme, dass vor zwei Jahren ein Auftrag erteilt worden sei. "Ich sollte ein Konzept erstellen", bejaht der zuständige Ingenieur Bernd Müller. Zwei Varianten habe er erarbeitet. Eine Staumauer solle in den Hang gebaut werden. Diese drei Meter hohe Wand sei die Rückhaltung. Das Konzept hat Müller vorgestellt, auch eine Begehung vor Ort fand statt, mit dem Wasserwirtschaftsamt. "Es wurde nichts entschieden", beteuert Müller, der deshalb keine weiteren Planungen erstellt und somit auch keine Planungen weitergegeben habe. "Wer hat für die Gesamtmaßnahme den Hut auf?", nennt Müller einen möglichen Grund dafür. Das obere Becken gehört dem AVZ. Aber auch von Straßengräben aus Weißenohe selbst treffe Wasser ein. Wer bezahlt diese Maßnahme? Das ist wohl die Frage.

Staumauer am Hand schwierig

Eine weitere Schwierigkeit bestehe in der Umsetzung der Maßnahme selbst. "Eine Staumauer im Hang ist nicht einfach zu bauen", betont Müller. Hinzu komme, für welche Regenmenge die Rückhaltmaßnahme ausgelegt sein müsse? "Es wäre ein aufwendiges Verfahren wegen des Ausbaus am Gewässer", fügt Müller hinzu. Und es müssten Grundstücke erworben werden. "Ein Rückhaltebecken zu schaffen, um das Wasser zu bremsen, kostet Geld und Grundstücke", beteuert auch Günther Prem. Zuschüsse gebe es nur für Schutz vor einem hundertjährliches Hochwasser (HQ 100), erklärt Prem. Die Anschuldigungen, es verzögere sich durch das Wasserwirtschaftsamt, möchte er nicht stehen lassen. Er zeigt zunächst auf die Gemeinde: Immer neue Häuser seien gebaut worden. Doch dafür, was aus den befestigten und unbefestigten Böden abfließe, sei nichts gemacht worden. "Das läuft auf die Straße", ärgert sich Prem. "Es sind Hausaufgaben, die die Gemeinde nicht erledigt hat", schimpft Prem. Es seien viele Flächen, von denen das Wasser frei ablaufe, das summiere sich, und das Wasser laufe wie ein Bach auf die Straße.

Vorsorge der Anwohner

Doch Prem zeigt auch auf die Anwohner und nennt das Schlagwort "Objektschutz". "Die Anwohner sollten Eigenvorsorgemaßnahmen treffen", betont Prem. Dazu reiche es, den Lichtschacht 20 Zentimeter höher zu setzen oder ein druckdichtes Fenster einzubauen. "Mit 3000 oder 4000 Euro kann man jedes Haus wasserdicht machen", erklärt Prem. "Es gibt keinen Zwang, dass die Gemeinde Abhilfe schaffen muss", sagt der Leiter des Wasserwirtschaftsamts. Der Bürgermeister solle klar Farbe bekennen, nicht auf Zeit spielen, rügte Prem. Bürgermeister Rudolf Braun hingegen beteuert, dass Planungen in Auftrag gegeben worden seien. Ihm sei versichert worden, dass diese beim Wasserwirtschaftsamt liegen. "In der Haushaltssitzung des Abwasserzweckverbands habe ich noch darauf hingewiesen, dass kein Geld für unsere Rückhaltemaßnahme eingestellt wurde", sagt Bürgermeister Rudolf Braun. Ihm sei versichert worden, dass dies nachgeholt werden würde. Die Pressesprecherin Hella Ziefer der Kommunalverwaltung im benachbarten Igensdorf, die auch Protokollführerin der Sitzungen ist, bestätigt, dass Weißenohes Bürgermeister nachgefragt habe, warum kein Geld für die Maßnahme eingestellt worden sei. Der Igensdorfer Bürgermeister Wolfgang Rast (IU) und Bauamtsleiter Andreas Finkes befinden sich in Urlaub und können keine Stellung abgeben. Allerdings bespricht Kämmerin Alexandra Krupp alle umzusetzenden Maßnahmen mit dem Ingenieurbüro Schneeberg und Kraus. Nur für 2017, also nach der Konzeptvorstellung, waren 30.000 Euro im Haushalt eingestellt. Das war wohl für Planungskosten des Konzepts. 2018 und 2019 blieben die Kostenstellen leer. Von anstehenden und umzusetzenden Maßnahmen sei demnach nichts bekannt.

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