Ebermannstadt
Bürgerversammlung

Wer darf in der Stadt mitreden?

Die Idee eines autofreien Marktplatzes an den Wochenenden stößt bei den Bürgern in Ebermannstadt auf Widerstand.
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Bewohner der "Insel" in Ebermannstadt fühlen sich zu wenig repräsentiert.  Foto: Ronald Rinklef
Bewohner der "Insel" in Ebermannstadt fühlen sich zu wenig repräsentiert. Foto: Ronald Rinklef

Brechend voll war der Saal des Brauereigasthofes Schwanenbräu bei der Bürgerversammlung am Dienstagabend. Der Aufreger des Tages: Bewohner der Altstadt fühlen sich in der "Lenkungsgruppe" der Stadt nicht gebührend vertreten. "Ich habe den Eindruck, dass unliebsame Personen aus diesem Gremium ferngehalten werden sollen", kritisierte Matthias Vogler.

Er stellte daher den Antrag, dass ein Gastronom und ein Hausbesitzer aus der Altstadt in die, für die innerstädtische Entwicklung zuständige Lenkungsgruppe aufgenommen werden. Das Argument, die Gruppe dürfe nicht zu groß werden, wollte Vogler nicht gelten lassen. Immerhin seien mit Gabriele Thaller-Rauch vom Kulturkreis Ebermannstadt und Barbara Großmann vom Familienstützpunkt im Mütterzentrum zwei weitere Personen in dieses Gremium berufen worden.

Betroffene bleiben außen vor

"Wie kann es sein, dass diese Personen über essenzielle Dinge der Stadtentwicklung, wie etwa die geplant Sperrung des Marktplatzes für den Verkehr an Samstagen und Sonntagen entscheiden und die Betroffenen außen vor bleiben?", fragte Vogler.

Bürgermeisterin Christiane Meyer (NLE) konterte, dass mit Stadtrat Ludwig Brütting und Christian Schlee von der Werbegemeinschaft sehr wohl zwei Vertreter aus der Altstadt in der Lenkungsgruppe vertreten seien. Im übrigen entscheide der Stadtrat, wer in diese Gruppe entsandt werde. Erst müsse jemand vorgeschlagen werden, dann könne der Stadtrat darüber abstimmen.

Ex-Stadtrat Hubert Herbst, beharrte darauf, dass der Stadtrat laut Gemeindeordnung über den Antrag von Matthias Vogler abzustimmen habe. "Aber nur, wenn sich in der Bürgerversammlung eine Mehrheit dafür ausspreche, konterte die Bürgermeisterin. Diese Mehrheit kam bei der Abstimmung nicht zustande. Gleichwohl sicherte Bürgermeisterin Meyer zu, das Anliegen mitzunehmen.

Auf Kosten der Anwohner

Kritik gab es auch, dass die Protokolle der Sitzungen dieses Gremiums nicht auf der Webseite des Zentrenmanagements veröffentlicht würden. Hier verwies die Bürgermeisterin auf Annika Eckert, die Leiterin des Zentrenmanagements. Sie sei zentrale Ansprechpartnerin in allen Bereichen, die mit dem Zentrenmanagement zusammenhingen.

Georg Schmitt, der "Resengörg", kritisierte die Tatsache, dass die Parkzeit in Ebermannstadt auf zwei Stunden begrenzt werden soll. "Dann kann in den Gasthäusern niemand mehr einen Nachtisch bestellen." Auch von der Idee, den Marktplatz künftig an Samstagen und Sonntagen für Autos komplett zu sperren, hielt er wenig. "Wir Wirte zahlen die Zeche. Dann kommt niemand mehr in die Innenstadt", argumentierte er. Die Maßnahme sei auch nicht im Sinne des Fremdenverkehrs. In diesem Zusammenhang mahnte ein weiterer Zuhörer eine faktenbasierte Überprüfung der geplanten Sperrung des Marktplatzes für Autos an den Wochenenden an. Vor allem die Auswirkungen auf die Wohnqualität in den Seitenstraßen müsse auf den Prüfstand gestellt werden.

Dies präzisierte Thomas Dorscht. Er erinnerte, dass der Marktplatz bereits jetzt an 28 Tagen für Autos tabu sei. Den Verkehr bekämen die Bewohner in den Nebenstraßen ab. Ein Ärgernis, zumal sich die Autofahrer nicht an die vorgeschriebene Schrittgeschwindigkeit hielten. So hielt Dorscht die Aufstellung eines Tempo-Messgerätes mit Smiley in der Basteibräugasse für dringend geboten.

Ferner mahnte er die Aufarbeitung der letzten Sturmschäden vom Januar dieses Jahres an. Am Wiesentarm am Basteiweg hänge seit Januar ein Baum über den Fluss. "Da stand ein Kran, passiert ist aber nichts", so Dorscht, der wissen wollte: "Wird da noch etwas gemacht?" "Ja und zwar noch vor Weihnachten", informierte Jürgen Rattel vom Bauhof der Stadt. Eine frühere Fällung des Baumes hätten Hornissen verhindert, die sich in dem Baum eingenistet hatten. Auf Nachfrage bestätigte er, dass mit "Weihnachten" das Fest 2019 gemeint war.

Im Frühjahr, so Rattel werde die gesperrte Kneippanlage im Stadtpark instand gesetzt. Sonja Vogler hatte beklagt, dass die Anlage das ganze Jahr über nicht nutzbar gewesen sei. Als Ursache nannte der Mitarbeiter des Bauhofes, dass offenbar das Wurzelwerk eines Baumes den Abfluss verstopft und zu einer umfangreicheren Sanierung geführt habe.

Kostenexplosion beim Personal

Thomas Dorscht stellte die Notwendigkeit des beschlossenen Straßenkatasters in Frage. Die Befahrung sei beschlossen worden, noch bevor die Kosten bekannt gewesen seien. Ferner vermisste Dorscht Vergleichsangebote für diese Maßnahme.

Hubert Herbst rügte eine Kostenexplosion bei den Personalausgaben. Während die Einwohnerzahl nur um 0,17 Prozent gestiegen sei, lägen die Ausgaben für das Personal der Verwaltungsgemeinschaft 61 Prozent über dem Vergleichswert von 2014. Überdies habe sich die Erreichbarkeit deutlich verschlechtert. Statt an 31 Stunden seien die Mitarbeiter der Verwaltung nur noch an 22 Stunden pro Woche erreichbar.

Neben der allgemeinen Kostensteigerung machte Kämmerer Wolfgang Krippel Personal-Umgruppierungen und eine Aufstockung der Mitarbeiter verantwortlich. Bürgermeisterin Christiane Meyer stellte dazu fest: "Die überörtliche Prüfung hat festgestellt, dass wir im Vergleich mit anderen Kommunen im Mittelfeld liegen."

Schließlich brach Gabriele Thiem noch eine Lanze für das "hervorragende Ebermannstadter Trinkwasser". Sie regte die Installation einer Trinkwasser-Zapfstelle auf dem Marktplatz an. "Vielleicht neben der Elektro-Ladestation", so Thiem.

Nicht akzeptabel ist für einen Altstadt-Bewohner das Angebot bei den Wochenmärkten. "Ich hätte nur ein paar Meter, aber was hier offeriert wird, kann mich nicht locken", kritisierte der Zuhörer. Ein Eindruck, mit dem der Beschwerdeführer nicht allein dasteht. Andreas Kirchner von der Verwaltung versprach, an einer Verbesserung des Angebotes werde gearbeitet. Eine Arbeitsgruppe habe sich bereits gebildet.

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