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Gräfenberg
Tiere

Fränkische Schweiz: Wer bringt rund um Gräfenberg Hasen um?

In einem Ortsteil von Gräfenberg wurden bislang vier Hasen getötet. Von einem weiteren Kaninchen fehlt jede Spur. Die Polizei ermittelt bereits. Die ersten Erkenntnisse: Es sind wohl zwei Diebe unterwegs.
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Wer hat in Sollenberg vier Hasen getötet? Vieles deutet auf einen Fuchs hin, wie die Bilder aus dem Gehege zeigen. Vor 13 Jahren wurde schon ein gequälter Zwerghase in Sollenberg gefunden. Fotos: privat
Wer hat in Sollenberg vier Hasen getötet? Vieles deutet auf einen Fuchs hin, wie die Bilder aus dem Gehege zeigen. Vor 13 Jahren wurde schon ein gequälter Zwerghase in Sollenberg gefunden. Fotos: privat
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Innerhalb weniger Tage wurden im Gräfenberger Ortsteil Sollenberg vier Zwergkaninchen gestohlen. Teils spurlos. Drei wurden getötet, wie die Kampfspuren und die Tierreste vermuten lassen. Eine Hasenpfote und Därme lagen auf dem Boden. Die betroffenen Hasenhalter dachten zunächst an einen Dieb aus dem Tierreich. Und doch spricht einiges dagegen. Denn: Es ist nicht der erste Fall dieser Art. Alleine das Wort Zwerghase weckt in so manchem Sollenberger eine unschöne Erinnerung. Der Ort ist von mehreren Wäldchen umgeben.

Nahe eines der Wälder war vor gut zehn Jahren ein misshandelter Zwerghase gefunden worden. Ihm wurde das Ohr abgeschnitten und die Augen mit Stecknadeln zerstochen. Der Hase lebte noch, konnte durch den Arzt gerettet werden und fristete sein Lebensende auf einem Gnadenhof. Doch nun waren wieder Zwerghasen im Visier eines oder mehrerer unbekannter Diebe. Und doch unterscheiden sich die Fälle drastisch voneinander.

Getötete Hasen in der Fränkischen Schweiz: Wie konnte jemand in das Gehege eindringen? 

Vor wenigen Wochen hat eine Sollenberger Familie vergessen, ihre beiden Zwerghasen abends in den Stall zu bringen. Doch am nächsten Tag war das Freilandgehege leer. "Wir fanden Fellreste in der Wiese außerhalb des Geheges", erzählt die junge Frau. Das lässt normalerweise an ein Tier denken und doch hat die Sache einen Haken. "Kein Tier kann in das Gehege eindringen. Wir haben das Gitter mit Heringen in der Erde verankert. Zudem war das Gehege geschlossen und das Dachgitter mit einem Riegel gesichert", erklärt die Betroffene.

Das Tier, das sich unterirdisch Zugang verschaffen könnte, wäre ein Dachs. "Aber der würde typische Kratzspuren hinterlassen", erklärt Hans Derbfuß, der zuständige Jagdrevierleiter. Diese gab es nicht. Keine Spuren, kein Graben. Zusätzlich zur Verankerung des Gitters im Boden, sind Steine als Abgrenzung und Sicherung gelegt. "Das lässt eher auf einen Hasendieb schließen", meint Derbfuß. Immer wieder seien vereinzelt Tierdiebe unterwegs.

Solche Einzelfälle, dass Hasen aus den Käfigen geklaut werden, kennt auch die Polizei in Ebermannstadt. In den vergangenen Jahren war jedoch kein Hase bei Meldungen dabei. "Wir haben keine Anzeige erstattet, weil wir keine Beweise haben", erklärt die Sollenbergerin. Der Garten der Familie grenzt an eine große Wiese, die in ein Waldgebiet übergeht. Somit könnten sich durchaus tierische Diebe anschleichen. Wenn die Ungereimtheiten nicht wären. Doch wer sonst? In der Corona-Zeit waren nur sehr wenige Wanderer unterwegs. Dort ohnehin nicht, liegen die Häuser der betroffenen Familien doch am Rande eines Wanderwegs.

Ein weiterer toter Hase nur zwei Häuser weiter

Denn der andere Hase wurde in einem Gehege nur zwei Häuser weiter, an einer dichten Heckenreihe mit Wiese und Wald getötet. Das war an diesem Wochenende. Nachts um 2.30 Uhr fiel der alleinstehenden Frau ein, dass sie ihren Hasen nicht ins Haus geholt hat, und stand auf, um den Hasen zu holen. Das Gehege war in der Nähe ihrer Terrasse aufgestellt. Doch als sie am Gehege ankam, sah sie nur Fellreste liegen. Das Gitter war mit Erdspuren verschmiert und um gut einen halben Meter verrutscht, so dass die Wurzel im Gehege direkt am Zaun stand, den man damit leicht übersteigen konnte.

Außerhalb des Geheges fand die alleinstehende Sollenbergerin dann eine Pfote, wenige Zentimeter weiter entfernt den Blinddarm des Hasen und das Fett aus dessen Kropf. Sie ging ins Haus, um ein Behältnis zu holen, doch zwei Minuten später waren die Tierreste verschwunden. "Ein Fuchs. Er versteckt sich und holt sich den Rest", sagt Jagdrevierleiter Derbfuß sofort. Die Füchse haben gerade Junge und müssen diese mit Essen versorgen. "Möglicherweise hat ein Kampf stattgefunden", erklärt Derbfuß. Ein Fuchs sei ein sehr schlaues Tier. Er könne durchaus gegen das Gehege gesprungen sein, um es zu verrutschen. Die Wurzel habe ihm den Ausstieg dann erleichtert. Füchse, Dachse und Waschbären sind gerade in dem unteren Teil von Sollenberg, wo die beiden Familien wohnen, häufig anzutreffen. Auch im zwei Kilometer entfernten Lilling habe sich ein Fuchs schon einen Zwerghasen geschnappt. Die Klugheit eines Fuchses demonstriert Derbfuß mit einem weiteren Beispiel, wie sich der Fuchs leichte Beute verschafft.

Ein Reh setzt immer zwei Kitze. Das scheint auch der Fuchs zu wissen. Nun verfolgt er unbemerkt Mutter Reh und wartet, bis sie ihr erstes Kitz gesetzt hat. Während Mutter mit dem Baby hundert Meter weiterziehen, um diesem Kitz einen sicheren Platz zu verschaffen, schnappt sich der Fuchs das erste Kitz.

Fuchs macht vor Polizei nicht Halt

Auch Bernd Kinzel, Beamter der Polizeiinspektion in Ebermannstadt, kennt die Schlauheit und Wendigkeit des Fuchses aus eigener Erfahrung. Bei ihm schaffte es der Fuchs, sich über das Dach durch das Gitter des Hühnergeheges Einlass zu verschaffen, tötete die Hühner, biss dem Gockel den Kopf ab, ließ ihn liegen und verschwand zunächst mit einer Teilbeute, indem er 1,50 Meter in die Höhe sprang, um sich unter dem Dachgitter über das Dach wieder Ausgang zu verschaffen. So spricht zumindest im Fall der Alleinstehenden alles für einen Fuchs, der ihrem Zwergkaninchen das Leben nahm.

Allerdings fand die Frau am anderen Tag auf dem Schutzdach einen Schuhabdruck, der eindeutig einer bestimmten Sportmarke zugeordnet werden kann. "Dann war es kein Fuchs. Turnschuhe ziehen sie noch nicht an", meint Derbfuß und bringt die Möglichkeit an, dass dieser Abdruck vielleicht schon länger besteht, aber vorher nicht gesehen wurde, weil das Augenmerk nie darauf gerichtet wurde. Dagegen sprechen die Zigarettenkippen, die in der Nähe des Geheges bei dem Nichtraucherhaus lagen. Die Vorfälle zeigen jedenfalls, dass möglicherweise zwei Diebe unterwegs sind. Ein menschlicher und der berühmte schlaue Fuchs.