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Wenn Wasser einen Umweg nimmt

Landwirte in der Fränkischen Schweiz leiten seit Jahrhunderten Flusswasser über ihre Wiesen.
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Ein kleines Wehr, auch Schütze genannt, vor der Kulisse des Walberla Johannes Mohr
Ein kleines Wehr, auch Schütze genannt, vor der Kulisse des Walberla Johannes Mohr
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Die Böden der Fränkischen Schweiz sind karg. Da sich auf dem lehmigen Boden, unter dem man gleich auf Schotter stößt, wenig Nährstoffe halten können, haben sich die Landwirte vor vielen Jahren ein intelligentes Bewässerungssystem ausgedacht: die Wässerwiesen. Sie stauten das Wasser der Flüsse, das dann in Seitenkanäle und über Gräben abfloss und die umliegenden Wiesen überflutete. Durch deren leichtes Gefälle floss das Wasser wieder in Gräben und in die Fließgewässer zurück.

"Erste schriftliche Nachweise gibt es aus dem 15. Jahrhundert", erzählt Johannes Mohr, zuständig beim Landratsamt Forchheim für Ökologische Landkreisentwicklung, Landschaftspflege und Kreisarchäologie. Aus dieser Zeit gibt es Satzungen, die auch heute noch gültig und in denen die rechtsgültigen Entnahmemengen von Wasser aufgeführt sind. Mohr leitet auch das Wässerwiesenprojekt des Landkreises, denn diese nachhaltige Grünlandbewirtschaftung soll nicht verloren gehen.

Der Zusatznutzen

Doch die Wiesen werden dadurch nicht nur bewässert. "Sedimente können sich in den Wiesen absetzen und diese düngen", erläutert Mohr. Dadurch wird das Wasser gereinigt und läuft sauber zurück in den Fluss. "Wir haben das untersuchen lassen. 80 Prozent der Schwebstoffe sind aus dem Wasser raus. Das würde sich sonst in der Wiesent ablegen."

Da die Wiesen nicht das ganze Wasser brauchen, fließt der größte Teil wieder zurück. "Leider ist noch nicht untersucht, ob dadurch nicht auch Medikamente aus dem Wasser raus sind", denkt Johannes Mohr laut und verrät einen weiteren großen Vorteil.

Wenn das Wasser auf den überfluteten Wiesen verdunstet, kühlt es die Luft und sorgt dafür, dass die Luft in Forchheim abgekühlt wird. "Die Wässerwiesen haben also auch kleinklimatisch eine positive Wirkung." Das versickerte und gereinigte Wasser wird zu Grundwasser und erhöht hier den Spiegel. Außerdem wird Kohlendioxid gesenkt. Da die Flüsse nicht mehr verschlammt sind, nimmt auch die Hochwassergefährdung ab. Und viele Vögel, Insekten oder Pflanzen bleiben der Fränkischen Schweiz dadurch erhalten.

Zeitaufwendige Arbeit

Außerdem handelt es sich um ein wertvolles Kulturdenkmal. Aufgestaut wird das Wasser mittels altmodischer und handbetriebener Wehre oder Schützen, kleine Wehre. "Bei Kirchehrenbach gibt es sogar noch ein Nadelwehr. Die gibt es fast nicht mehr", so Mohr. Die Durchflussmenge wird durch das Wegnehmen oder Aufstellen von Stangen, die Nadeln genannt werden, reguliert. "Die Nadeln hier sind kleine Kunstwerke aus deutscher Eiche. Zum Glück haben wir einen Zimmermann gefunden, der die machen kann", erzählt Johannes Mohr.

Diese Art der Bewässerung ist einfach, aber zeitaufwendig. Deshalb gibt es in der Region Bewässerungsgenossenschaften. Eine davon ist die in Gosberg-Zweng. Vorsitzender ist der Landwirt Markus Galster. In der Zeit vom 1. Mai bis zum 15. September hat die Genossenschaft das Recht Wasser zu entnehmen. "Wir halten die Badewanne in den Gräben voll", scherzt Galster. Das Wasser kommt von der Wiesent und dem Kraftwerk Schwedengraben. Wenn die Genossenschaft in trockenen Sommern bewässert, kann es sein, dass Turbinen des Kraftwerks stillstehen müssen, denn Wasserrecht geht vor Einspeisungsrecht. "Da braucht man ein gutes Miteinander. Wenn gewässert ist, rufe ich dann schon mal im Kraftwerk an und sage, dass die Turbinen wieder angestellt werden können", erklärt der Landwirt, der deshalb auch immer wieder angefeindet wird.

Über 100 Hektar Fläche betroffen

Er und seine Mitstreiter investieren viel Zeit und Kraft für die Wässerwiesen. Die Mechanismen der Wehre sind einfach, aber es braucht Zeit und Anstrengung, die Bretter einzulassen und herauszunehmen. "Man muss natürlich das Geschehen 24 Stunden lang immer wieder kontrollieren", erläutert Galster. Da steht er schon mal mitten in der Nacht auf und schaut nach dem Wasserpegel. Die Gräben müssen gemäht und geputzt, die Schützen unterhalten und gepflegt werden.

Über 100 Hektar Fläche zwischen Gosberg und Sigritzau profitieren von dieser Art der Bewässerung. Die Wiesen können dadurch mehrmals im Jahr geschnitten werden. Doch ohne dieses System sähe die Region ganz anders aus.

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