Ebermannstadt
Hilfeleistung

Wenn Landwirtfamilien mit dem Rücken zur Wand stehen

Seit 25 Jahren gibt es die landwirtschaftliche Familienberatung in der Erzdiözese Bamberg. Auf Burg Feuerstein bei Ebermannstadt fand der Festakt statt.
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Thomas Lang am Klavier Foto: Carmen Schwind
Thomas Lang am Klavier Foto: Carmen Schwind
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"Vor 40 Jahren hätte ich nicht gedacht, dass ich einmal hier stehen würde", meinte Fritz Kroder in der Feier zum 25-jährigen Bestehen der landwirtschaftlichen Familienberatung (LFB) in der Erzdiözese Bamberg auf Burg Feuerstein. Vor 40 Jahren hatte Kroder einen landwirtschaftlichen Betrieb geführt. Dann besuchte er einen Kurs am Feuerstein, was ihn sehr beeindruckte.

In der Zeit verbreitete sich in Baden-Württemberg das "Modell Hohebuch", bei dem Ehrenamtliche Bäuerinnen und Bauern berieten. Auch in Oberfranken gab es unter der Federführung der Katholischen Landvolkshochschule (KLVHS) Gespräche mit Verbänden. "Vom damaligen Seelsorgeamtsleiter Valentin Döring wurde zugesagt, dass es ein Projekt geben wird, wenn Ehrenamtliche gefunden werden, die bereit sind, als Berater zu arbeiten", erzählte Fritz Kroder.


Start mit 13 Beratern

Es fanden sich 13 Interessierte, die ausgebildet wurden. Vier von ihnen sind immer noch dabei und wurden bei der Feier mit Urkunde und Geschenk geehrt. Am 1. Mai 1993 wurde dann Fritz Kroder als hauptamtlicher Leiter eingestellt; ihm zur Seite stehen eine Teilzeitkraft und ein Team von ehrenamtlichen Mitarbeitern.

In diesen 25 Jahren konnten Kroder und seine Helfer vielen Landwirten und ihren Familien eine große Stütze sein. "Sie haben vielen Familien wieder Perspektiven gegeben" meinte Thomas Engel, Regierungsvizepräsident der Regierung Oberfranken, in seinem Grußwort. Denn in landwirtschaftlichen Betrieben seien Arbeit und Familie eng miteinander verknüpft. Oft arbeiten noch zwei bis drei Generationen unter einem Dach. Und da kann es Probleme geben.


Generationen und Digitalisierung

Engel zählte auf, dass ein Thema die Digitalisierung sei. Hier sehen Großvater und Vater den Einsatz neuer Techniken oft anders als der Sohn oder die Tochter. Auch das Thema Energiewende könne zu Konflikten in der Familie führen. Engel trug vor, dass es 1993 18.000 landwirtschaftliche Betriebe gegeben habe, aktuell sind es 9600. "Viele Betriebe konnten dem wirtschaftlichen Druck nicht standhalten", sagte Engel. Er gab an, dass im letzten Jahr etwa 300 Beratungen von der LFB durchgeführt wurden und dass auch bei der Umsetzung unterstützt werde. "Die Gespräche fordern viel Kraft. Hierbei hilft das christliche Glaubensverständnis", trug Thomas Engel vor.


Der BBV-Bezirkspräsident

Der Bezirkspräsident des Bayerischen Bauernverbandes, Hermann Greif, bewies, wie modern der heilige Antonius ist: Als er seine Geheimnummer fürs Handy vergessen hatte, betete er "Antonius hilf". "Die Nummer war wieder da. Der ist auch digital gut drauf", scherzte Greif und trug weiter vor, dass die LFB sich großen und kleinen Sorgen annehme. "Wenn man an der Wand steht, braucht man Hilfe", sagte Greif und erzählte, dass immer mehr Männer nach Hilfe suchen.

Hartmut Schneider, Vorsitzender der Ländlichen Familienberatung, meinte, dass Kirche für ihn bedeute, dass man die Not anderer erkennt und dann etwas unternimmt. Es gehe um Achtsamkeit und Wertschätzung für andere.

Georg Beirer, der die Berater ausbildet, hielt einen Vortrag über die LFB und über seine eigene Prägung und Motivation für diese Themen. Er wies darauf hin, dass die Zukunft in der Gegenwart gestaltet werde.

Domkapitular Peter Wünsche lobte seinen Mitarbeiter Fritz Kroder als "kompetent und vertrauenserweckend" und bezeichnete ihn als "Gesicht der LFB". Zudem meinte er: "Da kommt ein Franke, ein Mensch ohne Falschheit."

Zwischen den Vorträgen setzte sich Thomas Lang, Leiter der KLVHS, ans Klavier. Erzbischof Ludwig Schick, der zuvor einen Gottesdienst zelebriert hatte, segnete am Ende der Veranstaltung die vielen Gäste.


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