Forchheim
Aberglaube

Wenn der "Komm-mit-Vogel" im Landkreis Forchheim ruft

Der Waldkauz gilt als Todesnachrichten-Überbringer. Doch wer ist der Vogel, und wird er auch in der Bibel genannt? Der Vogel könnte im Landkreis jedenfalls weniger werden. Die Eule ist sein Feind und auf dem Vormarsch.
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Waldkauz und Steinkauz gelten als Totenvögel. Foto: Stefan Friedrich/Archiv
Waldkauz und Steinkauz gelten als Totenvögel. Foto: Stefan Friedrich/Archiv

Wenn der "Komm-mit-Vogel" ruft, dann stirbt ein Mensch. Einer, vor dessen Haus oder Wohnung er gehört wurde. So sagt es der Volksmund seit vielen Jahrhunderten und noch heute. Doch fragt man, welcher Vogel der Nachrichten-Überbringer ist und mit dem Ruf "Komm mit" oder auf fränkisch "Kumm mit" den Tod eines Menschen ansagt, dann ist oft nur ein Schulterzucken die Antwort.

Zwei Dinge vorneweg: Einen wissenschaftlichen Beweis, dass Tiere Todesnachrichten oder Nachrichten überbringen können, gibt es nicht. Aber den "Kumm-mit-Vogel" gibt es tatsächlich. "Der Waldkauz, aber auch der Steinkauz, gelten als Totenvögel", bestätigt Helmut Schmitt, Vorsitzender der Forchheimer Kreisgruppe des Landesbunds für Vogelschutz.

Aus "Ku-witt" wird "kumm mit"

Was der Waldkauz, der Steinkauz und manchmal auch der Raufußkauz mit "Komm mit" oder dem fränkischen "Kumm mit" zu tun haben, kann Schmitt ebenfalls erklären. "Der Waldkauz ist dämmerungs- und nachtaktiv. Der Ruf des Weibchens "Ku-witt" hört sich vor allem aus der Nähe schon an wie "kumm mit". Der Steinkauz ruft "Kiwitt! Kiwitt!". Auch hier wurde früher öfters ein "komm mit" gehört.

Der Steinkauz ist auch am Tag aktiv, erklärt Schmitt. In gewisser Weise sei das "Komm mit" ein Lockruf, aber nicht des Todes, sondern der Balzruf dieser Vögel. Die Rufzeit des dämmerungs- und nachtaktiven Waldkauzes geht von September bis November - das ist die Vorbalz und im zeitigen Frühjahr der Hauptbalz, erklärt Schmitt. Meist lockt das Waldkauzweibchen "komm mit", teilweise wird der Lockruf das ganze Jahr hindurch gerufen, um sich untereinander zu unterhalten.

Auch der Steinkauz, hier Weibchen und Männchen, klingt dem Waldkauz ähnlich und beginnt mit den "Kumm mit"-Rufen schon im Juli. Die Hauptzeit der Steinkauz-Rufe ist von Oktober bis November. Männchen, die noch unverpaart sind, rufen auch tagsüber, erklärt Schmitt das natürliche Wesen der Vögel mit dem schlechten Image.

Waldkauz oft auf Friedhöfen

Warum aber wird der Lockruf der Kauze mit dem Tod verbunden? Dafür gibt es zwei Überlieferungen. Zum einen tauchte der Waldkauz oft auf Friedhöfen auf und wurde deshalb mit dem Tod verbunden, zum anderen wird der Kauz in Zusammenhang mit der Krankenpflege von früher gebracht. Die Menschen wurden meist zu Hause gepflegt. "Dabei stand oft das Fenster offen und das Licht brannte.

Beide Käuze fühlten sich von dem Licht angezogen und flogen in die unmittelbare Umgebung des offenen Fensters", erklärt Schmitt. Wenn sie dann auch noch gerufen und die Menschen "komm mit" oder "kumm mit" verstanden haben und dann der Kranke auch noch verstorben ist, dann lag das im damaligen Ermessen natürlich an dem Totenvogel. Der Vogel kam, um die Seele des Sterbenden zu holen, sagt Schmitt.

Diese Überlieferung kennt auch Domkapitular Norbert Jung, dem zugleich der ägyptische Gott Thot mit dem Ibiskopf, ein Vogel, einfällt. In der Ausstellung "Engelwelten" im Diözesanmuseum in Bamberg wird erklärt, warum für den ägyptischen Gott die Vogelgestalt so geeignet war.

Vögel galten in der Menschheitsgeschichte schon immer als Träger geheimen Wissens, als eine Art Engel. "Der Vogel ist das Symbol des Himmelsboten. Deshalb wird der Engel auch mit Flügeln dargestellt", sagt der Neunkirchener Geistliche Beda Maria Sonnenberg, Abt vom Kloster in Plankstetten.

Abt Beda Maria Sonnenberg weist darauf hin, dass es im Alten Testament die Geschichte von Elias gibt, in der von Raben berichtet wird, die ihn gleichsam als Himmelsboten mit Brot und Fleisch versorgen.

Symbol der Friedenstaube

Im Gegensatz dazu erklärt die Bamberger Ausstellung aus der Bibel den Prediger Kohelet, der warnt, dass Vögel Nachrichten weiter erzählen. Auch in Genesis 6,8 bis 12 ist von einem Vogel als Boten die Rede, als eine Katastrophe vorüber war.

"Das Symbol der Friedenstaube, die Friedensbotin mit Ölzweig im Schnabel, geht auf diese Stelle zurück", erklärt Jung. Dass der Kauz jedoch ein derart schlechtes Image hat, ist nicht überall in Europa so. Vor allem beim Steinkauz nicht. "Er galt in der Antike bei den Griechen als Sinnbild der Göttin Athene und wurde für seine Schlauheit verehrt. Heute ist er auch auf der Rückseite der griechischen Ein-Euro-Münze", erklärt der LBV-Kreisgruppenvorsitzende Schmitt. Den Steinkauz gibt es im Landkreis Forchheim nicht mehr, nur noch den Waldkauz, dessen "Hu Hu Hu" eher bekannt ist und auch in Filmen für Spannung sorgen soll.

Uhu ist auf dem Vormarsch

Doch obwohl der Waldkauz die häufigste Eule und eigentlich weit verbreitet ist, könnte es um den "Kumm-mit-Vogel" bald ruhiger werden. "Der Uhu ist wieder auf dem Vormarsch. Wenn ein Uhu anwesend ist, wird es für den Waldkauz schwierig, denn er steht auf dem Speisezettel des Uhus", erklärt Schmitt. Spätestens da wird der Aberglaube deutlich, denn selbst wenn der Waldkauz weniger wird, gestorben wird trotzdem.

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