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Wenn aus Badespaß Ernst wird: Immer weniger Kinder können schwimmen

Die Badesaison läuft bereits und viele Kinder freuen sich auf einen Sprung ins Wasser. Dieser kann aber schnell zur Gefahr werden. Denn immer weniger Kinder können sicher schwimmen. Woran liegt das und was muss sich ändern?
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Nur 40 Prozent der Zehnjährigen in Deutschland gelten als sichere Schwimmer. Der Abwärtstrend nimmt immer weiter zu.  Foto: Ole Spata/dpa
Nur 40 Prozent der Zehnjährigen in Deutschland gelten als sichere Schwimmer. Der Abwärtstrend nimmt immer weiter zu. Foto: Ole Spata/dpa

Sommerzeit ist Badezeit. Schwimmbad, Fluss und See bringen neben Abkühlung und Spaß aber auch Gefahren mit sich: Laut der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) sind in den letzten Wochen schon mehrere Menschen in Bayern ertrunken. Der Freistaat war im vergangenen Jahr das Bundesland mit den meisten Todesfällen. Umso bedenklicher ist es, dass immer weniger Kinder sicher schwimmen können. Laut einer Studie der DLRG sind fast 60 Prozent der zehnjährigen Kinder keine sicheren Schwimmer. Nur, wer die Disziplinen des Jugendschwimmabzeichens in Bronze (Freischwimmer) erfüllt, wird als sicher eingestuft.

Eltern in der Verantwortung

"Auffällig ist, dass die Kinder immer länger brauchen, bis sie schwimmen können. Auch die Qualität lässt stark nach", erzählt Jugendleiter Philipp Nützel von der Wasserwacht Ebermannstadt. Woran das liegt? Dafür gibt es viele Gründe, die zusammenspielen, zum Beispiel gesellschaftliche: "Aus unserer Sicht werden es weniger Kinder, die ins Schwimmbad gehen. Das ist nicht mehr so wie früher, da muss das Wetter schon super gut sein, und selbst dann gehen sie nicht unbedingt schwimmen."

Um Kindern das Schwimmen schmackhaft zu machen, "sind die Eltern gefragt". Doch diese "geben die Verantwortung immer mehr an uns ab", so der Jugendleiter. Viele Eltern würden lieber ein Jahr lang auf den nächsten Schwimmkurs warten, anstatt selbst aktiv zu werden. "Manche gehen selbst nicht gerne schwimmen und andere haben Angst, ihren Kindern etwas Falsches beizubringen."

Zweimal jährlich bietet die Wasserwacht Kurse an. "Am 1. Juli war die Anmeldung für den Schwimmkurs im Herbst, am 2. Juli war der Kurs bereits voll", erzählt er. Mehr Kurse können aus Personalmangel nicht realisiert werden. Und selbst wenn, wäre das nicht die Lösung: "Es hilft nicht, die Kinder nur in einen weiteren Kurs anzumelden. Die Zeit dazwischen müssen die Eltern kontinuierlich mit ihren Kindern weiter üben."

Immer weniger Hallenbäder

Aber die Schuld trifft nicht allein die Eltern: "Es liegt auch daran, dass es bei uns nur wenige Bäder gibt und die Öffnungszeiten zum Teil schwierig sind. Viele fahren nicht extra zum Schwimmen nach Gräfenberg", so Nützel.

"Wir kennen die ausgelastete Situation von der Wasserwacht Ebermannstadt", sagt Michael Knörlein, zweiter Bürgermeister von Kirchehrenbach. Auch in der Gemeinde ist die Nachfrage nach Kursen groß. Weil dort das Hallenbad aus finanziellen Gründen schließen musste, "erhält jedes Grundschulkind bei seiner Einschulung einen Gutschein für einen Schwimmkurs in Wert von 100 Euro". Da es im Landkreis so wenige Bäder gibt, wurde erst in der jüngsten Sitzung beschlossen, dass die Gutscheine nun über den Landkreis hinaus erweitert werden.

Ein trauriger Trend: Von 2016 bis Frühjahr 2018 wurden in Bayern 18 öffentliche Schwimmbäder geschlossen, so eine Statistik der DLRG. Aktuell gibt es in Bayern 863 solche Bäder, darunter sind 446 sanierungsbedürftig und 55 von der Schließung bedroht. "Wir sind uns bewusst, dass der Betrieb und erst recht die Sanierung oder der Neubau eines Hallenbads echte finanzielle Herausforderungen sind", sagt Ingo Flechsenhar, Präsident der DLRG Bayern, in einem Presseschreiben. Deshalb appelliert er, in Gemeinderäten offen darüber zu reden und gute Rahmenbedingungen zu schaffen. Denn Kommunen sind für den Betrieb von Bädern zuständig - und ohne Zugang zu Becken gibt es keinen Schwimmunterricht.

"Schulschwimmwoche" startet

Dass die Schwimmfähigkeit der Schüler dringend verbessert werden muss, zeigt auch eine aktuelle Kampagne der Wasserwacht Bayern. Durch das Pilotprojekt "Bayern schwimmt" erhalten Schüler während der "Schulschwimmwoche", bis zum 19. Juli, täglich 1,5 Stunden Schwimmunterricht. Dabei zu 30 Prozent Theorie und zu 70 Prozent Praxis. Das Ziel: Noch vor den Sommerfeieren sollen die Kinder das Bronze-Abzeichen erlangen und als sichere Schwimmer ausgebildet sein. So können die Sommerferien mit viel Badespaß und gutem Gefühl starten.

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