Forchheim
Fairer Handel

Weltladen in Forchheim feiert Jubiläum: Mehr als nur Kaffee, Tee und Schokolade

Der Weltladen in der Sattlertorstraße wird zehn Jahre alt. Die Ehrenamtlichen erzählen, wie alles begann. Heutzutage gibt es faire Waren, die überraschen.
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Margit Wünsche ist die "Chefin" des Fairtrade-Geschäfts in Forchheim. Vom kleinen Verkaufsraum im ehemaligen Kloster bis zum Weltladen in der Sattlertorstraße hat sich viel verändert. Fotos: Ronald Heck
Margit Wünsche ist die "Chefin" des Fairtrade-Geschäfts in Forchheim. Vom kleinen Verkaufsraum im ehemaligen Kloster bis zum Weltladen in der Sattlertorstraße hat sich viel verändert. Fotos: Ronald Heck
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Im Weltladen finden Besucher handgeschöpftes nepalesisches Papier und Taschen aus indischem Ziegenleder. Darüber stehen plastikfreie Mehrweg-Becher aus Bambusfasern. In einem langen Regal liegen Meditationsschalen und Musikinstrumente neben zahlreichen Miniatur-Autos aus recycelten Materialien.

"Das Angebot ist viel größer geworden", sagt Margit Wünsche, die den Weltladen Forchheim koordiniert. Vor zehn Jahren wurde das Geschäft in der Sattlertorstraße 11 eröffnet. Seitdem ist die 70-Jährige dabei, bereits vorher beschäftigte sie sich in ihrer Kirchengemeinde mit fairem Handel. "Als der Weltladen aufgemacht wurde, dachte ich mir: Super! Das ist genau das, was ich mit Überzeugung mache."

Die Lebensmittel und Handwerks-Waren sind alle fair produziert (siehe Infobox). Die zertifizierten Produkte kosten mehr als im normalen Handel, dadurch sollen die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Arbeiter vor Ort in den Ländern verbessert werden.


Vorgänger des Weltladens

Der Idee kam in den 1970er Jahren aus Amerika nach Deutschland. Hier in der Region waren es evangelische und katholische Gruppen, die erstmals mit fairen Waren handelten, erklärt Inge Tautz, die für die Bildungsarbeit des Weltladens zuständig ist, um den "fairen Gedanken weiterzutragen".

Als Tautz, die in der Friedensbewegung aktiv war, Ende der 1980er Jahren aus dem Ruhrpott nach Forchheim kam, hat sie sich im dazugehörigen Arbeitskreis engagiert. "Den ersten Laden gab es im Forchheimer Kloster, später ist er in das Büro des Katholischen Jugendamts gezogen", erläutert die 60-Jährige.


Vom Büro in die Sattlertorstraße

Dort verkaufte die damalige Sekretärin Inge Schmitt nebenher faire Produkte wie Kaffee, Tee oder Schokolade, die in einem kleinen Zimmer gelagert wurden. Damals war es noch eine Zweigstelle des Weltladens in Bamberg. 2006 übernahm der Verein "Solidarität in der einen Welt" das Geschäft, kurz darauf eröffnete der Weltladen in der Sattlertorstraße.

Auch das Sortiment wuchs, faires Kunsthandwerk wie Taschen und Schmuck kamen hinzu. "Ich war damals total erstaunt, als ich das erste Mal in den Laden kam und gesehen habe wie viel es gibt", erinnert sich Tautz.

22 Personen helfen beim Forchheimer Weltladen mit. Manche verkaufen im Geschäft, andere helfen nur bei Veranstaltungen. Die allermeisten sind Rentner, über jüngere Helfer würde sich Wünsche sehr freuen. "Das Geschäft trägt sich nur, weil wir alle ehrenamtlich arbeiten. Das ist unser Beitrag am fairen Handel. Und der Gedanke verbreitet sich immer mehr."


Faire Waren für Pfarrgemeinden

Der Weltladen versorgt auch auch einige katholische und evangelische Pfarrgemeinden mit fairen Produkten: Auf Gemeindefesten oder bei Fastenaktionen werden ihre Waren verkauft. "Ein Schwerpunkt unseres gesamten Betriebs sind diese Kommissions-Geschäfte", erläutert Josef Schiefer. Er ist im Kirchenvorstand der Pfarrgemeinde Don Bosco Forchheim.

Seit 2008 kümmert sich der 74-Jährige beim Weltladen um organisatorische und technische Angelegenheiten.
Im hinteren Teil des Ladens finden Besucher die Produkte, die man üblicherweise in einem sogenannten "Dritte-Welt"-Laden erwartet: Fairer Kaffee, Tee oder Süßigkeiten aus Ländern wie Guatemala, Mexiko, Bolivien oder Tansania. "Der Gedanke der dritten Welt ist noch so verhaftet", kritisiert Wünsche. Die Ehrenamtlichen sprechen lieber von "einer Welt".


Ein außerschulischer Lernort

Auch mit dem Vorurteil, dass der Weltladen-Kaffee nicht schmeckt, müsse man aufräumen, fügt Tautz schmunzelnd hinzu. "Wir haben sehr viele Stammkunden, die ganz bewusst unsere Lebensmittel oder auch Geschenke bei uns kaufen", so Wünsche. Bildung und Aufklärung ist zudem ein wichtiger Aspekt. Der Weltladen versteht sich als außerschulischer Lernort: Regelmäßigen besuchen Schulklassen das Geschäft und die Mitarbeiter klären die Kinder über die Ideen des fairen Handels auf.

So wurde passend zum Schulstart im Weltladen ein ganzes Regal mit fairen Schreibblöcken, Stiften, Bällen, Spielzeug - und natürlich auch Süßigkeiten - hergerichtet.


Infobox:

Der Weltladen in der Sattlertorstraße 11, Forchheim hat Dienstag bis Freitag (10 bis 18 Uhr) und Samstag (10 bis 13 Uhr) geöffnet. Seit 2006 gehört der Forchheimer Weltladen zum Verein "Solidarität in der einen Welt" (Fair-Handelszentrum in Langquaid). Zu dem Verein gehören 15 Läden in Bayern, unter anderem in Straubing, Regensburg und Bamberg. Weitere Informationen finden Sie unter www.sidew.de.

Derzeit ist außerdem die "Faire Woche", vom 15. bis 29. September. Eine Aktion des Forums Fairer Handel in Kooperation mit TransFair und dem Weltladen-Dachverband.

Produkte müssen bestimmte Merkmale erfüllen, damit sie das Label "Fairer Handel" tragen dürfen. Folgende zehn Kriterien wurden von der Weltfairhandels-Organisation (WFTO) entwickelt:

- Chancen für benachteiligte Produzenten
- Transparenz und Verantwortlichkeit
- Handelspraktiken
- Zahlung eines fairen Preises
- Keine ausbeuterische Kinderarbeit und Zwangsarbeit
- Diskriminierungsverbot und Vereinigungsfreiheit
- Bessere Arbeitsbedingungen
- Förderung der Fähigkeit und Weiterbildung
- Öffentlichkeitsarbeit
- Umweltschutz
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