LKR Forchheim
Lebensmittelverschwendung

Weitergeben statt wegwerfen: Foodsharing rettet Lebensmittel in Franken

Schnell landet der abgelaufene Joghurt, das letzte Stück Pizza oder das harte Brot im Abfall. 13 Millionen Tonnen Lebensmittel werden so jährlich weggeworfen. Das muss nicht sein, wie auch eine Forchheimer Gruppe beweist.
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In deutschen Privathaushalten landen pro Jahr und Kopf 55 Kilogramm Lebensmittel im Müll. Frank May, dpa
In deutschen Privathaushalten landen pro Jahr und Kopf 55 Kilogramm Lebensmittel im Müll. Frank May, dpa

Wer kennt es nicht: Der Griff ins Regal erweist sich als Fehlkauf, das Mindesthaltbarkeitsdatum ist schon überschritten oder die Augen waren größer als der Appetit. "Wir haben mal wieder zu viel gekocht", schreibt eine Teilnehmerin der Facebook-Gruppe "Foodsharing Forchheim und Umgebung". Darunter ein Foto vom noch halb vollem Gulascheintopf. Bevor der Inhalt weggekippt werden muss, können sich andere Mitglieder bei ihr melden und etwas abholen. Daneben werden zum Beispiel Babynahrung, Obst zum Selberpflücken oder auch Kochbücher von Privatpersonen angeboten.

"Der Sinn dahinter ist, weniger wegzuschmeißen, sondern lieber weiter zu geben", sagt Tamara Stern, die 2016 die Gruppe gründete. "Sollte das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen sein, muss darauf hingewiesen werden." Im weiteren Sinne sind auch Inserate zu Haushaltsmitteln wie Reiniger erlaubt. "Die Zahl der Mitglieder wächst erfreulicherweise täglich", sagt Stern.

Über 550 Mitglieder verzeichnet die Gruppe aktuell, "die Beteiligung könnte sich aber noch verbessern". 2016 war ein solcher Zusammenschluss in der Region noch neu: "Die Gruppe wurde gegründet, weil es derartige bereits in anderen Gegenden gibt und Forchheim noch keine hatte", erzählt sie. Mittlerweile gibt es nur für die Stadt Forchheim zwei weitere Facebook-Gruppen "Foodsharing Forchheim" mit insgesamt über 250 Mitgliedern.

Große Initiative als Vorbild

Die Gruppen sind jeweils eigenständig, doch die Idee stammt von der gemeinnützigen Initiative "foodsharing.de", die 2012 in Berlin gegründet wurde. Mehr als 200 000 Menschen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz nutzen die Plattform. Registriert als foodsharing-Gemeinschaft sind neben den großen Städten unter anderem auch die Fränkische Schweiz, Fürth und Erlangen.

Darüber hinaus bestehen über 3000 Kooperationen mit Unternehmen und Betrieben. Laut der Initiative sind schon beinahe acht Millionen Kilogramm Lebensmittel vor der Tonne bewahrt worden.

Einfache Tipps für Verbraucher

Fast die Hälfte der Lebensmittelabfälle sind vermeidbar, wie eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung 2017 ergab. Allein etwa 6,5 Tonnen Lebensmittel stammen aus Haushalten. Auch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft macht deshalb mit der Initiative "Zu gut für die Tonne" auf das Problem aufmerksam und richtet sich an den Verbraucher. Auf ihrer App und Internetseite "zugutfuerdietonne.de" gibt es viele Tipps für Privatpersonen, zum Beispiel zur Vorratsplanung, Aufbewahrung und Rezepte für Resteessen.

Obst und Gemüse werden mit rund 44 Prozent am häufigsten weggeworfen, da sie sehr schnell verderben. Dabei sind sie bei richtiger Lagerung länger haltbar. Tomaten zum Beispiel sollten nicht in den Kühlschrank kommen, sondern außerhalb getrennt von anderem Obst und Gemüse gelagert werden. Sie stoßen ein Gas ab, das andere Früchte schneller reifen lässt.

Auch die Platzierung im Kühlfach kann entscheidend sein. Leicht Verderbliches sollte in das Fach über dem Gefrierfach gelegt werden, denn dort ist es am kühlsten. Das Gemüsefach selbst und die Fächer in der Kühlschranktür sind am wärmsten.

Das Bewusstsein dafür, wie viel Arbeit in nur einem Lebensmittel steckt, sinkt - und damit die Hemmschwelle, Produkte in den Müll zu werfen, mahnt die Bundesanstalt. Gerade bei Sonderaktionen im Supermarkt greifen die Leute zu, obwohl sie das Produkt vielleicht gar nicht zeitnah verbrauchen.

Ressourcen mit weggeworfen

Wie viel Ressourcen in den Lebensmitteln stecken, beachten dabei nur wenige. In einem Kilogramm Käse stecken zum Beispiel über 5000 Liter Wasser, in einem Kilogramm Rindfleisch ganze 15 420 Liter. Wer Brot wegwirft, so das Bundeszentrum, verschwendet wertvolles Ackerland. Denn pro Kilogramm Brot werden etwa zwei Quadratmeter Anbaufläche benötigt. Ein weiterer Faktor ist die Auswirkung auf den Klimawandel, der durch die -Belastung vorangetrieben wird. Pro ein Kilogramm Äpfel wird so viel abgegeben wie bei einer vier kilometerlangen Autofahrt.

Wie wichtig der ressourcensparende Umgang ist, ist auch den Vereinten Nationen bewusst. Sie haben es sich zum Ziel gesetzt, alle Lebensmittelabfälle bis 2030 zu halbieren.

Dieses Ziel kann nur gemeinsam erreicht werden, von großen Zusammenschlüssen bis hin zum Einzelnen. Es gilt: besser planen, besser lagern, besser essen - und weitergeben, statt wegwerfen.

Auch in Kulmbach gibt es eine Initiative, die sich gegen Lebensmittelverschwendung einsetzt.

 

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