Laden...
Weißenohe
Konflikt

Weißenoher diskutieren über Friedhofszaun

Ein Zaun auf dem Friedhof in Weißenohe birgt offenbar Gefahren für Kinder. Die Gemeinde will dies ändern, schreckt aber aus ästhetischen Gründen vor einer Radikallösung zurück.
Artikel drucken Artikel einbetten
Anstatt dem historischen Geländer könnte auf dem Weißenoher Friedhof schon bald überall ein Edelstahlgerüst stehen Foto: Petra Malbrich
Anstatt dem historischen Geländer könnte auf dem Weißenoher Friedhof schon bald überall ein Edelstahlgerüst stehen Foto: Petra Malbrich
+1 Bild
Menschliche Knochen lagen einst im sogenannten Knochenkämmerchen. Letzteres befindet sich im Kellergeschoss unter der St. Bonifatiuskirche in Weißenohe. Dort wurden die Leichenreste abgeladen, wenn ein Grab aufgelassen wurde.

Später stellte man fest, dass es in den Räumen des Klosters feucht wurde, weshalb auch ein Entwässerungsgraben gebaut wurde. Dieser schmale, etwa 1,50 Meter tiefe Graben schlängelt sich noch heute um das Kirchengebäude. Mit einem Geländer war der Graben abgesichert und damit auch optisch vom angrenzenden Friedhof getrennt.

Doch wer sich über das Geländer beugte, konnte das Fenster und auch die dahinter liegenden Knochen weiter sehen. Unheimliche Geschichten rankten sich um diese Knochen. Vor allem Kinder schienen von ihnen magisch angezogen zu werden.
"Beinahe so wie von einem Spielplatz", erinnert sich der Weißenoher Bürgermeister Rudolf Braun (FW).

Kosten liegen bei 13.789 Euro

Auch heute beugen sich noch junge Kinder regelmäßig über das Geländer. An der Faszination, die von diesem Ort für viele ausgeht, hat auch nichts geändert, dass das Knochenkämmerchen längst leer ist.

Vor rund 30 Jahren wurde der Graben erneuert, die Treppe, die in den Graben führte, entfernt und auch der Teil jenes Geländers erneuert, über den man sich beugen musste, um ins Knochenkämmerchen sehen zu können. Das restliche Geländer um den Graben herum ist aber auch heute noch im ursprünglichen Zustand.

Diesen Umstand hat unlängst ein Sicherheitsexperte bei einer Begehung moniert. In der Folge forderte er die Kirchenstiftung dazu auf, dies zu beheben. Konkret würde dies eine Erneuerung des Geländers bedeuten. Die Rede ist von einem 28 Meter langen Teilstück des Geländers, die Kosten für die Erneuerung werden mit 13.789 Euro beziffert.

Die katholische Kirchenstiftung bat deshalb um einen Kostenzuschuss, was dem Weißenoher Gemeinderat jetzt zur Diskussion vorlag. Grundsätzlich zählt das Bestattungswesen zu den Aufgaben der Gemeinde. Es wird aber in Weißenohe von der Kirche organisiert und übernommen. Dass die Gemeinde dafür eine finanzielle Unterstützung leisten wird, wurde im Gemeinderat gar nicht zum Problem. Dort ging es eher um das Geländer selbst. "Mir tut es weh, dass ein 200 Jahre altes Geländer weg muss. Überall hängt sich der Denkmalschutz an, hier rührt er sich nicht", empört sich Gertraud Eckert (UWG).

Eckert kennt als Kirchenführerin sämtliche Besonderheiten inner- und außerhalb der Kirche genau. Das Geländer besitzt für sie einigen ideellen Wert.

"Es ist wie ein Kampf gegen Windmühlen", klagt Eckert, die ihr Unbehagen an den Neubauplänen auch bereits der Kirche vorgetragen hat.

Alle zwei Jahre

Auf der anderen Seite stehen die Bedenken des Sicherheitsbeauftragten. Alle zwei Jahre nimmt der den Friedhof unter Aspekten der Sicherheit unter die Lupe. Ihn stört am Geländer, dass dort Kinder durchsteigen und fallen könnten. Das Geländer hat nur oberhalb einen Handlauf und zwei in weiten Abständen angebrachte Querverbindungen zur nächsten Verankerung.

Gertraud Eckert wird nun allerdings nicht mehr allein für den Erhalt des jahrhundertealten Geländers kämpfen müssen. Die Gemeinderäte stellten sich auf ihre Seite. Ein modernes Geländer passe doch nur schwerlich zur barocken Klosterkirche. Das zeige sich bereits an dem neuen Edelstahlgerüst, das den Graben um das Knochenkämmerchen sichert.

So möchten auch die beiden Ratskollegen Norbert Sulzbacher (WGd.AN) und Raimund Schwarz (WGd.AN) das Geländer erhalten. Sie regten an, einen Zuschuss nur bei Erhalt des Geländers oder bei einer Restaurierung anstelle eines kompletten Austauschs zu geben.

Rücksprache mit der Kirche

Die Sicherheitsvorschrift fordert, dass kein Kinderkopf durch das Geländer passt. "Das Geländer muss Stäbe haben, damit die Kinder ihre Köpfe nicht durchstecken können", ergänzte Heinrich Müller (UWG). Michaela Gruber (FWG) schlug vor, ein Plexiglas hinter dem Geländer anzubringen. Wenn das professionell angebracht werde, sei es kaum zu sehen. Auf diese Art könne das Geländer erhalten bleiben und die Sicherheit sei ebenfalls gewährleistet.

Nun soll mit der Kirche Rücksprache gehalten werden. Die Gemeinde ist grundsätzlich bereit, einen Zuschuss zu leisten. Sie möchten aber, dass das Geländer nicht ersetzt, sondern so umgebaut wird, dass es den Vorschriften entspricht. Mittel für einen Zuschuss können aber erst im Haushalt 2015 berücksichtigt werden.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren