Gößweinstein
Kriminalität

Weihnachtswunsch: Bringt Kunstwerke und sakrale Gegenstände zurück!

In zwei Kirchen und einem Museum im Landkreis Forchheim sind in diesem Jahr sakrale Gegenstände und Kunstwerke gestohlen worden. Dazu kommen mehrere Opferstockaufbrüche.
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Das Votivbild aus dem  Wallfahrtsmuseum in Gößweinstein Foto: privat
Das Votivbild aus dem Wallfahrtsmuseum in Gößweinstein Foto: privat

Die Adventszeit ist nicht nur eine besinnliche Zeit, sondern bringt den einen oder anderen vielleicht zur Besinnung. Das ist die große Hoffnung im Wallfahrtsmuseum in Gößweinstein, deren Verantwortliche einen großen Weihnachtswunsch haben: die Rückkehr der "weiß-roten Schweinchen". "Das kleine Bild mit der Muttersau und ihren acht Ferkeln, über denen die Gottesmutter auf Wolken schwebt, hat wohl einen leidenschaftlichen Liebhaber. Jedenfalls wurde das auf Holz gemalte Votivbild im Frühsommer aus seiner Verankerung an der Bilderwand gelöst und wird seitdem im Museum schmerzlich vermisst", sagt Regina Urban, die Leiterin des Wallfahrtsmuseums. Auch andere vermissen sakrale Gegenstände oder Figuren, die aus Kirchen oder Kapellen gestohlen wurden. Drei Diebstähle dieser Art passierten im Landkreis Forchheim im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Ebermannstadt. Neben dem Votivbild in Gößweinstein wurde zwischen dem 1. und 14. Juni ein Engel vom linken Seitenaltar, dem Marienaltar, der Weißenoher St.-Bonifatius-Kirche gestohlen. Es war ein Unikat aus dem Jahr 1725 und wird von der katholischen Pfarrei auf einen Wert von 800 Euro beziffert. "Der Wert für das Gesamtbild in der Kirche ist jedoch nicht bezahlbar. Ein Original ist eben nicht ersetzbar", sagt Pfarrer Andreas Hornung. Der Engel war ungesichert, somit leicht zu entwenden. Doch die Weißenoher Kirche hat Konsequenzen daraus gezogen. "Es wurden die Polizei informiert sowie die übrigen Engel aus der Kirche genommen, da ein Risiko darin bestand, dass der Täter noch einmal zuschlägt und sein Diebesgut um ein artgleiches Stück erweitert", erklärt Hornung. Zudem wurde mit dem Kunstsachverständigen im Erzbistum Bamberg gesprochen und über Maßnahmen zur Sicherung der Figuren und eine Überwachungskamera nachgedacht.

Videoüberwachung

Zur Videoüberwachung der Kirchen rät Manfred Hänchen, der Dienststellenleiter der Ebermannstadter Polizeiinspektion, und dazu, die Figuren und andere Kunstwerke zu fotografieren und die Bilder in einem Album zu hinterlegen. Das haben schon viele Pfarreien, aber noch nicht alle gemacht.

Sammlung in München

"Das Landeskriminalamt in München hat eine Sammlung dieser Gegenstände und kann abgleichen, wenn Hinweise eingehen", erklärt Hänchen. Weder im Fall des Votivbildes mit den Schweinchen noch bei dem Weißenoher Engel oder dem gestohlenen Kreuz in der Kapelle Heidebrünnel in Weilersbach gibt es Hinweise auf den oder die Täter. Auch das versilberte Kreuz in einer mit Metallgitter gesicherten Nische war am Tag entwendet worden. Das war am 23. August. "Niemand weiß, ob es sich bei den Tätern um Aufträge von Banden handelt oder ob es einzelne Kunstliebhaber waren", ergänzt Hänchen. Nahezu ausschließen kann die Polizei, dass Wut auf die Kirche hinter den Diebstählen steckt. Bei Wut wäre zerstört worden, meint Manfred Hänchen. Im Zuständigkeitsbereich der Forchheimer Polizeiinspektion wurden in diesem Jahr mehrere Opferstöcke aufgebrochen. Was der Täter gleich zu Jahresbeginn in der Sakristei in Hallerndorf entwenden wollte, bleibt offen. Denn der Versuch, die Holztüre zur Sakristei in der Kirche am Kreuzberg aufzuhebeln, scheiterte, wie Alexander Stieg, der Ermittlungsleiter der Forchheimer Polizei, erklärt. Dafür gab es einen Erfolg bei der Ermittlung der Täter, die Opferstöcke aufgebrochen haben. Dank der Videoüberwachung wurden die Täter sogar auf frischer Tat ertappt. Das war im März in der St.-Martin-Kirche in Forchheim. Die Täter hatten versucht, mit Leimruten, einem manipulierten Klebeband, das Geld aus dem Opferstock zu holen. Hier waren es mehrere Täter, denn einige standen vor der Kirche Schmiere. Im Juli wurde in der Martinskirche die Sparbüchse der Spendenaktion "Jakobsweg Ehrenbürg" gestohlen. In der Kirche in Wiesenthau wurden zwei Holzopferstöcke aufgehebelt. Entnommen wurden ungefähr 25 Euro, der Sachschaden betrug 150 Euro.

Beschaffungskriminalität

Unter den Begriff Kleinkriminalität oder Beschaffungskriminalität fallen diese Opferstockdiebstähle. Die Täter sind meist Leute ohne festen Wohnsitz, Osteuropäer wie die durch Videobeweis überführten oder Jugendliche, informiert Stieg. Für den Regionaldekan und Forchheimer Pfarrer Martin Emge nehmen diese Fälle aus persönlicher Sicht zu. Besonders hart getroffen hat der Diebstahl in der Kersbacher Kirche und Sakristei im vergangenen Jahr. "17 Liturgische Geräte. Kelche, Schalen, Silberkännchen, Monstranz und - für uns der schmerzlichste Verlust - die Ottilienreliquie. Materieller Gesamtwert und Schaden rund 20.000 Euro. Das LKA vermutet eine organisierte Bande aus dem tschechischen und rumänischen Raum", sagt Emge. Ein Tresor wurde angeschafft, Videoüberwachung folgte. Auch wenn die ersten Ermittlungen ergebnislos verlaufen, komme es Jahre später doch zu Treffern, erklärt Stieg. Und das sei gar nicht so selten, fügt er an.

Nicht als Diebstahl, sondern als "Ausleihe" wollen es die Gößweinsteiner betrachten. Die "Leihfrist" endet an Weihnachten, und die Museumsleiterin Urban bittet darum, diese Frist nicht zu überschreiten. "Die Rückführung der Leihgabe darf gerne anonym erfolgen, beispielsweise über den Postkasten vor dem Pfarrhaus. Von einer Anzeige wird aber auch bei persönlicher Rückerstattung des Bildes ausdrücklich abgesehen", betont Urban. Das wäre ein schönes Weihnachtsgeschenk.

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