Forchheim
Advent

Weihnachtliche Weisen im fränkischen Dialekt

Ausverkauft war das Adventssingen in der Stadtbücherei Forchheim. Es gab weihnachtliche Weisen und Texte im fränkischen Dialekt.
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Beim Adventssingen in der Forchheimer Stadtbücherei Foto: Pauline Lindner
Beim Adventssingen in der Forchheimer Stadtbücherei Foto: Pauline Lindner
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Beliebtestes Weihnachtslied? - "Last Christmas". Es dürfte eine ordentliche Anzahl sein, die so auf diese Frage reagieren. Den Wenigsten dürften adventliche und weihnachtliche Weisen mit Texten im fränkischen Dialekt in den Sinn kommen. Davon gibt es mehr, als man landläufig denkt. Eine aufschlussreiche Auswahl daraus traf Franz-Josef Saam für das Adventssingen in der Stadtbücherei.

Den Bildteil zu der ausverkauften Veranstaltung trug Stadtarchivar Rainer Kestler bei. Diesmal allerdings griff er nicht tief in seine filmische Schatzkiste, sondern nur neun Jahre zurück: 2009 hatte Ralf Bössert die weihnachtliche Stimmung rund um den Rathausplatz eingefangen und begleitete mit der Kamera die Besucher des Adventskalenders zwischen Glühweinbuden und Engeln bis zur Eisenbahnausstellung im Pfalzmuseum.

Aus Bärnfels stammend

Die adventliche Erwartungshaltung war für den aus Bärnfels stammenden Mundartdichter Erich Arneth ein wiederkehrendes Thema in seinem Schaffen. Etliche der Gedichte hat Saam vertont, im typischen weichen Tonfall, der zur Jahreszeit und dem heimischen Musikgeschmack gehört. Dabei, so plauderte er zwischen den Stücken, hatte er so manches Mal mit dem vertrackten Rhythmus der Textzeilen zu kämpfen. Bei Arneth machen sich ein Schäfer, ein Schreiner, ein Müller und ein Bauer Gedanken, was sie tun könnten, wenn sie vor die Krippe treten. Die Überlegungen des Landwirts musste deswegen Saam bei der Liedfassung weglassen.

"Sage, wo ist Bethlehem?" dichtete einst Otto Wiemer. Saam hat das dreistrophige Lied von verschiedenen Interpreten gehört, wusste aber nichts Näheres. Da fragte er bei den Interpreten, den "Eschenbacher Madli", an. Sie wussten auch nur, dass es die Tochter der einen aus dem Kindergarten mitgebracht hatte und sie es, weil es ihnen gefiel, in ihr Repertoire aufnahmen. Wie dem auch sei, Saam hat noch eine Strophe dazu gedichtet und so den Text personifiziert und abgerundet.

Alle neuen Melodien gingen schnell ins Ohr. Dafür feilte Saam weiter an der Vortragskunst des spontanen "Stabü"-Chores mit Hinweisen auf leise zu singende Echo-Rufe. Damit sich niemand im unvertrauten Text verhedderte, trug er die jeweilige Textzeile vor, wie das üblich ist bei Prozessionen und Wallfahrten, auch wenn er im Gegensatz dazu jedem ein Exemplar seiner Liedzusammenstellung in die Hand gedrückt hatte.

Auch ein Misserfolg

Einen Misserfolg musste er auch einräumen. "O du fröhliche ..." ist seiner Herkunft nach kein ausgesprochenes Weihnachtslied, auch wenn es längst zur Tradition beispielsweise bei den Gottesdiensten in der Klosterkirche geworden ist. Er veränderte den Text wieder Richtung Ursprung und wollte je eine Strophe für Weihnachten, für Ostern und für Pfingsten. Als er und sein Chor es dann bei einem Ostersingen an der Marienkapelle vortrugen, war er selber nicht glücklich, veriert er. "Es klang einfach zu sehr wie Weihnachten." Der Abend klang mit einer Jubiläumsdarbietung aus. Denn es ist heuer genau 200 Jahre her, dass "Stille Nacht" zum ersten Mal erklang.

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