Forchheim
Lärmschutz

Wegen Beschwerden trotz Millionen-Lärmschutz: Innenminister will Raser auf A73 bei Forchheim ausbremsen

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann hat im Dauerstreit um den Lärmschutz an der A73 in Forchheim eine Entscheidung getroffen: Die Geschwindigkeit wird testweise beschränkt.
Artikel drucken Artikel einbetten
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) machte sich vor Ort in Forchheim einen Eindruck. Seit Monaten fordern Betroffene eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Autobahn 73 durch Forchheim, da vor allem Raser Lärm verursachen würden. Foto: Ronald Heck
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) machte sich vor Ort in Forchheim einen Eindruck. Seit Monaten fordern Betroffene eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Autobahn 73 durch Forchheim, da vor allem Raser Lärm verursachen würden. Foto: Ronald Heck

Es kommt Bewegung in die Diskussion um den Lärmschutz an der Forchheimer Autobahn: Auf dem rund zwei Kilometer langen Abschnitt der A 73 durch die Königsstadt soll nachts (von 22 Uhr bis 6 Uhr) eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 120 Stundenkilometer getestet werden. Das hat der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Donnerstag, 31. Oktober, bei einem Vor-Ort-Besuch in Forchheim veranlasst. Die Testphase soll voraussichtlich zwei Jahre dauern. "Das ist für den Normalverkehr keine unzumutbare Behinderung, aber eine Möglichkeit, die Lärmspitzen durch Raser wegzunehmen, um damit den Schlaf der umliegenden Wohnbevölkerung zu schützen", erklärte Herrmann.

Das Innenministerium ist für das Straßenrecht und somit für die erlaubte Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn zuständig. Ab wann das nächtliche Tempolimit auf der A 73 in Kraft tritt, steht noch nicht fest. Die Aufgabe liegt jetzt bei der Autobahndirektion Nordbayern.

Die Klagen der Forchheimer Anwohner

Ein Dutzend Anwohner kamen zu dem Treffen auf der Fußgängerbrücke über die Autobahn am Schießanger. Die Bürger und Bürgerinnen äußerten gegenüber Herrmann von Angesicht zu Angesicht erneut ihre Klagen, dass trotz des neuen rund 14 Millionen Euro teuren Schallschutzes, der Autobahnlärm an mehreren Stellen in Forchheim zugenommen habe. Sowohl bei direkten Anwohnern an der Schallschutzmauer auf beiden Seiten der Autobahn als auch im Forchheimer Westen wie Burk und Buckenhofen. Seit Monaten fordern Betroffene eine Geschwindigkeitsbegrenzung, da vor allem Raser Lärm verursachen würden.

Gemischte Reaktionen

Die Reaktion der betroffnen Bürger auf das testweise Tempolimit fiel gemischt aus. "Das ist ein Schritt in die richtige Richtung", sagte Michael Hebendanz, der mit seiner Familie am Schießanger wohnt. Hebendanz hofft, dass es nicht nur bei der Testphase bleibt. Der Forchheimer Roland Betz, der ein Haus am Weingartssteig besitzt, hingegen urteilte: "Das ist für mich ein fauler Kompromiss. Die Leute leiden eher tagsüber darunter, wenn sie zum Beispiel nachmittags auf der Terrasse ihren Kaffee genießen wollen."

Freude und Versprechungen

Den Ministerbesuch nutzten die Forchheimer Landes- und Lokalpolitiker, um zu zeigen, dass sie sich mit dem Thema Lärmschutz an der A 73 auseinandersetzen. Bereits im Vorfeld forderte MdL Sebastian Körber (FDP) vom Minister klare Aktionen. Die Parteikollegen des Innenministers, Udo Schönfelder und Michael Hofmann, verbuchten den Vorstoß erwartungsgemäß als Erfolg. "Ich bin erfreut, dass es geklappt hat und wusste auch nicht, dass es soweit kommt", betonte CSU-Stadtrat Schönfelder, der Herrmann in einem Protestschreiben nach Forchheim eingeladen hatte. "Wir bleiben dran und werden überprüfen, ob das Tempolimit etwas gebracht hat", versprach der Stimmkreisabgeordnete Hofmann. Auch der bayerische Umweltminister Thorsten Glauber (FW) aus Pinzberg nutzte die Gelegenheit und war bei dem Termin dabei.

Trotz des Entgegenkommens an die Kritiker betonte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann, dass die Lärmschutzmaßnahmen in Forchheim sinnvoll seien: "Auf jeden Fall ist es östlich durch den Lärmschutz - das kann keiner ernsthaft bestreiten - deutlich leiser geworden."

Kommentar: Die Fahrt ins Ungewisse ist kein Grund, sich vorschnell zu freuen

von Ronald Heck

Erstaunlich rasant ging das - zumindest zeitweise - Zugeständnis an die Tempolimit-Befürworter dem Innenminister am Ende über die Lippen. Aber was bedeutet Joachim Herrmanns Vorschlag für Forchheim und die Autofahrer? Nur eines: Der Chef über das bayerische Straßenrecht hat die Chance verpasst, in Forchheim eine klare Entscheidung zu fällen. Herrmann gibt zwar vor, ein Signal zu geben, aber in welche Richtung, das ist weiter unklar.

Vor, während und nach dem Treffen betont er immer wieder: Laut Bundesrecht und den entsprechenden Emissionsgrenzen ist der Autobahnlärm in Forchheim nicht zu laut. Was sich daran ändern sollte, bleibt fraglich. Die A 73 bleibt für mindestens zwei weitere Jahre eine Hängepartie mit ungewissem Ausgang. Der Tempolimit-Test dürfte zwar Raser von 22 bis 6 Uhr ausbremsen. Aber die Geschwindigkeitsdiskussion um die A 73 darf weiter gehen.

Am Ende des medienwirksamen Ortstermins war deutlich zu spüren: Für die Anwohner gab es keinen Grund zur vorschnellen Freude. Was passiert, wenn nach dem nächtlichen Tempolimit - das die Anwohner womöglich besser schlafen lässt - das böse Erwachen kommt und die Begrenzung aufgehoben wird? Es bleibt eine Fahrt ins Ungewisse.

Kommentare (1)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren