Neuses an der Regnitz
Interessenskonflikt

Wasserleitung belästigt Biberpaar bei Eggolsheim

Bürger und Naturschützer aus Eggolsheim und Hallerndorf sind besorgt: Die Lebensbedingungen eines Biberpaares werde durch die Arbeiten am Kanal auf unzulässige Weise eingeschränkt.
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Auf Höhe des Wehrs bei Neuses (rechts hinten) wird der Schlamm aus dem Kanal gesaugt und auf dem Lagerfeld entwässert. Über die braunen Rohre wird das chemisch gereinigte Wasser in den Kanal zurückgeführt. Foto: Ekkehard Roepert
Auf Höhe des Wehrs bei Neuses (rechts hinten) wird der Schlamm aus dem Kanal gesaugt und auf dem Lagerfeld entwässert. Über die braunen Rohre wird das chemisch gereinigte Wasser in den Kanal zurückgeführt. Foto: Ekkehard Roepert
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"Bis zu 50 000 Euro" - auf diese Summe im bayerischen Tierschutz-Bußgeldkatalog weist Eduard Zöbelein hin. Er ist für den Bund Naturschutz im Raum Eggolsheim und Hallerndorf unterwegs. Wer den Schutzstatus des Bibers missachte, für den könne das teuer werden, sagt Zöbelein. Und wirft die Frage auf, ob am Kanal bei Neuses momentan gegen das Schutzrecht des Bibers verstoßen werde.

In einem Abwasserschacht lebt dort ein Biberpaar. Seit einigen Wochen ist das Paar-Leben empfindlich gestört. Denn das Schifffahrtsamt Nürnberg ist mit einer großen Reinemache-Aktion der Wasserstraße auf der Höhe des Wehrs bei Neuses beschäftigt. Ein Saugbagger holt täglich kubikmeterweise Schlamm aus der Fahrrinne. Der Schlamm wird am Ufer gelagert und entwässert - und am Ende fließt das Wasser über besagten Schacht in den Kanal zurück.

Noch bis Januar werde die Aktion dauern, erklärte ein Sprecher der holländischen Firma Royal Smals unserer Zeitung. Dem giftigen Schlamm würden sogenannte Polymere beigefügt, um ihm das Wasser zu entziehen, das dann gereinigt in den Kanal zurückgeführt werde. Auch er sei wiederholt von Spaziergängern auf das Biberpaar angesprochen worden, erzählt der Firmensprecher. Gesehen habe er die aber Tiere nicht.

12 000 Kubikmeter Schlamm

Der Saugbagger ist auf einer rund 300 Meter langen Kanal-Strecke im Einsatz. Noch bis Januar. Insgesamt wird er bis dahin 12 000 Kubikmeter Schlamm aus dem Flussbett gesaugt haben. Das giftige Material wird, wenn es sich gesetzt hat und trocken ist, in die Müllverbrennungsanlage gebracht.

Das neben dem umstrittenen Biber-Wohnort eingerichtete Entwässerungs - und Lagerfeld werde später wieder "zurückgebaut", bestätigt Holger Strehl, Pressesprecher am Landratsamt Forchheim. Natürlich habe sich die Untere Naturschutzbehörde auch mit den besorgten Anfragen beschäftigt. Die Experten Karin Lämmlein und Gerd Unterburger waren vor Ort, auch Biberberater Willfried Schwarz sei zu Rate gezogen worden. Das Ergebnis aus Sicht der Behörde: Bei der Behausung im Kanalschacht handele es sich "definitiv nicht um eine Biberburg". Die Nager hätten dort zwar "einige Ästchen eingetragen", sagt Holger Strehl. "Der Schacht wird von den Bibern vielleicht als vorübergehender Rückzugsort genutzt. Aber durch die Arbeiten des Schifffahrtsamtes wird keinesfalls eine Lebensstädte des Bibers zerstört."

Keine wertvolle Fläche

Die amtlichen Naturschützer Unterburger und Lämmlein betonen zudem: Die Entschlammungsaktion des Schifffahrtsamtes am Wehr bei Neuses sei mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt. "Die Lagerfläche ist, naturschutzfachlich betrachtet, keine wertvolle Fläche." Zudem habe der Biber mit dem Schlamm und der Lagerfläche nichts zu tun. Das gereinigte Wasser fließe letztlich dorthin, wo es hingehöre, nämlich in den Kanal. Der Schacht erfülle den Zweck, für den er gebaut worden sei.

BN-Sprecher Eduard Zöbelein räumt ein: "Von der Zerstörung einer Biberburg kann man nicht sprechen." Aber das Biberpaar werde durch die Berieselung mit Wasser um seinen Rückzugsort gebracht. Dass hier ein Biberpaar lebe, sei belegt, betont Zöbelein. Der Hallerndorfer Bürgermeister Torsten Gunselmann (CSU) habe auch gegenüber der Naturschutzbehörde beteuert, dass er "im Schacht zwei Biber gesehen hat".

Wirklich zufrieden ist Zöbelein daher mit der Beurteilung nicht: "Der Biber ist nun mal ein besonders geschütztes Tier, dessen Lebensraum nicht beeinträchtigt werden darf. Und hier wird eine Ruhestätte des Bibers durch den permanenten Wassereinlauf zerstört."

Man müsse in solchen Fällen die Wirtschaftlichkeit und den Naturschutz abwägen, gibt Zöbelein zu bedenken. Das sei nun geschehen - und er sei nicht sehr überrascht, dass den Interessen des Bibers im Vergleich zu dem wirtschaftlichen Interesse weniger Gewicht beigemessen werde.

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