Egloffstein
Klimaschutz

Wasserkraftwerk nutzt Energie der Trubach vorbildlich

Stromerzeugung durch ein Wasserrad ist in Egloffstein ein Erfolgsmodell. Doch es wäre noch viel mehr nachhaltige Energiegewinnung möglich.
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Am Wasserkraftwerk zwischen Egloffstein und Mostviel. 1000 Liter laufen in der Sekunde über das Rad. Foto: Reinhard Löwisch
Am Wasserkraftwerk zwischen Egloffstein und Mostviel. 1000 Liter laufen in der Sekunde über das Rad. Foto: Reinhard Löwisch
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Im Rahmen der Klimawoche des Landratsamtes Forchheim gab es eine Begehung des Egloffsteiner Wasserrades, das früher umstritten, mittlerweile sogar fester Bestandteil von Wanderungen rund um den Ort ist. "Wasserkraft an der Trubach" lautete das Thema. Michael Wirth zeigte zusammen mit seinem Vater Erich die Vorgeschichte auf, die in eine Erfolgsgeschichte mündet. Die Gewinner dabei sind nicht nur die Betreiber: Seit vielen Jahren können die Fische wieder Richtung Mostviel und Hammerbühl schwimmen - bis ein weiteres Wehr das Weiterkommen verhindert.

Geschrei war groß

Das Geschrei war groß, als vor vielen Jahren vier junge Männer den Antrag stellten, zwischen Egloffstein und Mostviel ein Wasserrad zu bauen, um damit Strom zu erzeugen. Michael Wirth und sein Bruder Achim, Gisbert Härter und Heinz Schäfer waren die Mutigen, die dem Zeitgeist folgend nachhaltigen Strom erzeugen und auch etwas für die Umwelt tun wollten. Das dieses Projekt, 100.000 Euro teuer, als eine der ersten privaten Stromversorgungen im Landkreis aufgebaut wurde, gab es "Auflagen ohne Ende von den Behörden", erinnert sich Michael Wirth. Manche Auflage wie eine bestimmte Sorte Baum, die mindestens drei Stämme hat, wurde erst im Nachhinein verlangt, was das ganze Projekt immer mehr verteuerte und auch zeitlich in die Länge zog. Waren alle Auflagen erfüllt, schimpften andere darüber, dass das Flussbett verändert wurde und alles so kahl in der Landschaft liege. Das hat sich mittlerweile stark verändert.

Störungsfreier Betrieb

Seit elf Jahren läuft das Wasserrad störungsfrei. Wasserrad und Flusslauf sind mit der Natur verwachsen, als ob das immer schon so gewesen wäre. Die letzten Schulden sind getilgt und die nächsten 100 Jahre können die Betreiber Geld verdienen, ehe ein neues Rad fällig wird.

Die Nutzung der Wasserkraft blickt im Trubachtal auf eine jahrhundertelange Tradition zurück. Erich Wirth hat sich Zeit seines Lebens für dieses Thema starkgemacht und seine beiden Söhne ermutigt, den Schritt zur eigenen Stromerzeugung zu gehen. Früher, erinnert sich Wirth, gab es bis zu 80 Stromerzeuger, die mit dem Wasser der Trubach zwischen Obertrubach und Pretzfeld Geld verdienten oder Sägewerke und Mühlen betrieben. Das liege daran, dass die Trubach auf der Strecke um 67 Meter fällt, also eine relativ hohe Fließgeschwindigkeit hat.

Wassermenge ist stabil

Andererseits ist die Wassermenge sehr stabil und gleichmäßig hoch in der Trubach. Derzeit, so erläutert Michael Wirth, habe die Trubach noch 75 Prozent ihrer normalen Wassermenge: "Trotz wochenlanger Trockenperiode sind keinerlei Austrocknungserscheinungen oder sonstige Nebenwirkungen zu beobachten." Das freut die Betreiber, die auf diese Weise im Jahre rund 160.000 Kilowattstunden Strom erzeugen und damit rein rechnerisch 40 bis 50 Haushalte versorgen können. Über das Wasserrad fließen 1000 Liter Wasser in der Sekunde, so dass man 60 Feuerwehrpumpen benötigen würde, um die Menge Wasser aufzufangen, rechnete Wirth vor. Das Schöne daran: Das Wasser fließt immer und daher auch der Strom, weshalb das Wasserrad mehr Strom erzeugen kann als alle solarbetriebenen Stromerzeuger in der Gemeinde Egloffstein.

17 mögliche Standorte

Dominik Bigge, Klimaschutzmanager des Landkreises Forchheim, wünscht sich eine Wiederbelebung dieser nachhaltigen Energiegewinnung. Er steht damit nicht allein. Schon 2013 hat Stefan Tralau vom Institut für Nachhaltigkeit in Schnaittach (Kreis Nürnberger Land) mit seinem Energiekonzept für das Trubachtal vor allem auf die Wasserkraft gesetzt, die früher wie heute einen Großteil des Stromes im Trubachtal erzeugen könnte. 17 Standorte ehemaliger Mühlen hat er im Trubachtal ausgemacht, "die man reaktivieren könnte": mit dem Einbau von Wasserrädern, mit Turbinen oder mit Wasserkraftschnecken. Um diese Ziele zu erreichen, so Tralau damals, sollte sich eine Genossenschaft gründen, die das Energiekonzept vorantreibt. Die Gemeinde müsste einen Eigenbetrieb errichten, der das Stromnetz, das Freibad und die Wasserversorgung "besitzt". Das war 2015. Seither hat sich nichts getan und es gibt derzeit auch keine großen Bestrebungen, daran etwas zu ändern, obwohl es "für alle eine Win-Win-Situation wäre", meint Bigge. Er erklärt weiter: "Die Fische haben ihre Freude am durchgängigen Flusslauf, die Leute können damit gutes Geld verdienen, und der nachhaltigen und lokalen Stromversorgung der Bevölkerung wäre auch Genüge getan - im Verbund mit den anderen Stromerzeugern wie Windkraft oder Solarerzeugung", die es auch in Egloffstein gibt. Die Gemeinde verfügt zudem über eine eigene Stromversorgung und wäre daher prädestiniert, in die Stromerzeugung zu investieren.

Info

Wer sich für das Thema Stromerzeugung mit Wasserkraft interessiert: Michael Wirth zeigt am Dienstag, 9. Oktober, um 10 Uhr, wie die Stromerzeugung bei ihm zu Hause in der Egloffsteiner Mühle funktioniert, die seine Vorfahren 1927 gekauft haben und die sie bis 1972 als Getreidemühle nutzten.

Stromversorgung

Die Aufgabe der Stromversorgung erledigt die Stromversorgung (SV) Markt Egloffstein umweltfreundlich, wie man an Vergleichszahlen erkennen kann. Bei der Stromgewinnung erzeugt die SV Markt Egloffstein mehr als 50 Prozent weniger radioaktiven Abfall pro kWh als der Durchschnitt der deutschen Stromversorger und emittiert nur gut halb so viel CO2 wie im Bundesdurchschnitt. Ein Grund dafür ist, dass die Stromversorgung Markt Egloffstein mit einem Anteil von 20 Prozent regenerativer Stromerzeugung am eigenen Strommix stark auf einen Schutz von Umwelt und Klima setzt. (Quelle: https://tarifo.de/stromanbieter/1284/markt-egloffstein/#).



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