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Aufnahmestopp und Wartelisten: So kämpft ein Tierheim in Franken in der Urlaubszeit

Wenn Frauchen und Herrchen die Koffer packen, bedeutet das für Haustiere oft: Ab in die Pflegestelle. Im Forchheimer Tierheim geht es im Sommer so eng zu, dass es Wartelisten gibt. Nicht nur deswegen kommen die Mitarbeiter in den Ferien ins Schwitzen...
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Die meisten Bewohner im Forchheimer Tierheim sind Katzen. Viele warten noch auf eine Vermittlung. Fotos: Jutta Rudel
Die meisten Bewohner im Forchheimer Tierheim sind Katzen. Viele warten noch auf eine Vermittlung. Fotos: Jutta Rudel
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Im Sommer buchen einige Haustierbesitzer nicht nur ihr Strandhotel, sondern auch einen Urlaubsplatz im Tierheim. "Wenn die Sommerferien anstehen, ist die Abgabebereitschaft sehr groß", sagt Vorsitzende Marianne Wende. So groß, dass einige Fellfreunde auf Wartelisten stehen. Die Pensionskosten inklusive Futter betragen für Hunde zwölf bis 15 Euro pro Tag. Für Katzen kostet ein Urlaubsplatz zehn und für Kleintiere etwa vier Euro.

"Katzen werden nicht mehr angenommen", sagt Wende. 41 sind im Tierheim, weitere 25 auf Pflegestellen außerhalb untergebracht. Zudem werden aktuell 17 Hunde und zwei Pflegehunde, zehn Kaninchen und fünf Vögel betreut. "Exoten können wir schlecht unterbringen, weil wir nicht spezialisiert genug sind." Die erst kürzlich vor dem Tierheim ausgesetzten Boas sind zum Beispiel in einer Privatstelle untergebracht.

Im Sommer komplett ausgelastet

"Wir können das Haus nicht komplett mit Pensionstieren belegen, sondern brauchen noch Plätze für Notfälle und herrenlose Tiere", erklärt die Vorsitzende. Auch erwartet sie im Sommer immer "einen Schub an jungen Katzen". Wenn der Platz dann eng wird, muss noch beachtet werden, dass manche Tiere krank sind und deswegen Einzelunterkünfte brauchen.

Die Mitarbeiter sind im Sommer auch durch Wildtiere gefordert, die ins Heim gebracht werden. "Im Juli war es ganz schlimm, vor allem mit den Wildvögeln", sagt Wende. Es wurden viele flugunfähige Schwalben und Mauersegler abgegeben. Die sind aus ihren Nestern unterhalb der Dächer gehüpft, weil sich dort die Hitze angestaut hatte. "Meine Kollegin hat über 20 Vögel zu Hause und fünf Hausenten." Letztere seien an der Schleuse in Neuses aus Verzweiflung einem Spaziergänger hinterher gelaufen.

Neben der Betreuung fällt im Sommer noch eine Aufgabe an: "Womit wir kürzlich bei der starken Hitze zu kämpfen hatten, waren viele Meldungen", sagt sie. Denn viele Menschen riefen an, wenn sie zum Beispiel Pferde ohne Unterstand sahen, Hunde, die ohne Wassernapf im Zwinger lagen oder Fische, die zu wenig Wasser im Teich hatten. "Es gibt schon übertriebene Meldungen. Aber wir gehen jedem einzelnen Fall nach."

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Auf unserer Vermittlungsseite finden Sie eine Vielzahl an flexiblen Tierbetreuern in Ihrer Nähe. Die Kontaktaufnahme ist einfach und vielleicht findet sich ja jemand, der Ihr Haustier betreuen kann.

Das Tierheim könnte entlastet werden, wenn in den Ferien weniger Haustiere abgegeben würden. Grundsätzlich gilt: "Katzen sind ortsgebunden, Hunde wollen lieber mit bei ihrem Rudel sein." Heißt: Wenn möglich, sollten Hunde auf Reisen mitgenommen, und Katzen nicht aus der vertrauten Umgebung gerissen werden. "Wir raten, selbst die Initiative zu ergreifen, ein Inserat in der Zeitung zu schalten oder ein Netzwerk mit Tierhaltern in der Gegend zu schaffen", sagt die Vorsitzende. Im Grunde bedeutet das: Passt du heute auf mein Tier auf, passe ich morgen auf deines auf. Das würde auch dem Tier zugute kommen. Denn wenn Besitzer plötzlich anrufen, dass sie dringend einen Urlaubsplatz brauchen, seien den Mitarbeitern die Hände gebunden. "Das tut uns dann sehr leid, vor allem für das Tier", sagt Wende.

Die Hitze erträglich machen

Die Rekordhitze macht sich auch im Tierheim bemerkbar. Um den Sommer gut zu überstehen, brauchen die Tiere viel Schatten und Flüssigkeit. Deshalb wurden im Innen- und Außenbereich Sonnensegel angebracht und das Wasser wird oft gewechselt, damit es kühl bleibt. Für die Hunde geht es zum Abkühlen manchmal auch direkt in den Baggersee, wie Mitarbeiterin Carolin Hanko berichtet. Meistens fällt das Gassigehen tagsüber aber aus, wenn die Sonne herunterbrennt.

Dafür spritz Hanko sie mit dem Wasserschlauch ab und stellt Hundeplanschbecken auf. Den Hunden gefällt's - den Katzen ganz und gar nicht. Da wird getrickst: "Bei Katzen stellen wir einen großen Behälter mit Wasser auf und werfen ein Spielzeug hinein, damit sie wenigstens mit ihren Pfoten ins Wasser gehen", sagt Mitarbeiterin Manuela Scharf. Für die Kleintiere gibt es eine andere Lösung: "Der Sand in den Sandkästen der Kaninchen wird nass gemacht." Und auch die Wildtiere brauchen Erfrischungen, appelliert Marianne Wende. "Wir empfehlen, Wasserschalen für Vögel und Igel im eigenen Garten aufzustellen."

Vorsicht, wenn Katzen hecheln

Tiere schwitzen, anders als Menschen, nicht über die Haut. Hunde hecheln zum Beispiel, um sich abzukühlen. Katzen hingegen vertragen hohe Temperaturen sehr gut. Wenn eine Katze hechelt, warnt Scharf, liegt das nicht an der Hitze, sondern an einer Krankheit. Die Katze muss dann zum Tierarzt gebracht werden.

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