Weißenohe
Gesellschaftskritik

Warnungen aus Weißenohe

Es könnte Jubiläumsstimmung herrschen, denn der "Kunstraum Weißenohe" öffnet sich zum zwanzigsten Mal. Doch die Veranstalter präsentieren mit einer "Anleitung zum Aussterben" ihr bislang düsterstes Thema.
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Veranstalterin Katharina Winkler vor den Porträts der Gruppe "Extinction Rebellion". Aktivisten der Gruppe werden bei der Ausstellungseröffnung am Samstag in Weißenohe sein, um den Besuchern das Thema "Gewaltfreier Widerstand" näherzubringen.  Fotos: Ekkehard Roepert
Veranstalterin Katharina Winkler vor den Porträts der Gruppe "Extinction Rebellion". Aktivisten der Gruppe werden bei der Ausstellungseröffnung am Samstag in Weißenohe sein, um den Besuchern das Thema "Gewaltfreier Widerstand" näherzubringen. Fotos: Ekkehard Roepert
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Provokationen und harsche Gesellschaftskritik sind die Besucher des Kunstraums Weißenohe gewohnt. Doch die zwanzigste Edition der Veranstaltungsreihe fällt mit einer "Anleitung zum Aussterben" besonders drastisch aus. Der Titel spielt auf die Gefahren an, die die führenden Wirtschaftsnationen mit ihrer Wachstumspolitik heraufbeschworen haben.

"Wir haben keine Zeit zum Feiern", sagt Katharina Winkler, die gemeinsam mit ihrem Mann Urban Winkler und dem Fürther Künstler Lutz Krutein (Vorstand des Vereins Kunstraum Weißenohe) für die Jubiläumsausstellung verantwortlich zeichnet. Ob Klimawandel, AfD oder Donald Trump - das "Gefühl, sich wehren zu müssen", sei übermächtig, betont Katharina Winkler.

Der Titel "Anleitung zum Aussterben" ist offenbar so dramatisch gemeint, wie er klingt. Kurator Lutz Krutein will den Finger in die Wunde einer Gesellschaft legen, die "die systematische und vollständige Zerstörung der Lebensgrundlagen auf unserem Planeten" betreibe. Die Kunst habe die Möglichkeit, die Sachlage zu reflektieren "und wenn nötig zu übertreiben, um zum Ausdruck zu bringen, wie wir leben wollen".

Angst for dem Fall

"Wie lange kann die Menschheit den Fall noch hinauszögern?" Das fragt Eva Mandok aus Feucht, eine von 34 Künstlerinnen und Künstlern, die ab heute in den alten Räumen der Brauerei Weißenohe zu sehen sind. Mandok setzt mit ihrer Engelsskulptur ohne Flügel immerhin ein Hoffnungszeichen, denn aus dem Riss des Holzes wächst ein neuer Flügel.

Beflügelt wurde die aktuelle Ausstellung übrigens auch durch ein Ereignis bei der letztjährigen Veranstaltung. Während der Finissage zerstörte ein Wirbelsturm Teile der Brauerei und bedeckte zahlreiche Besucher-Autos mit Ziegelschutt. Der Wirbelsturm sei wie ein warnendes Zeichen gewesen, sagt Katharina Winkler: "Wir können nicht mehr wegschauen."

Vernissage Samstag, 7. September, 19 Uhr. Zur Eröffnung sprechen die Veranstalter Katharina Winkler, Lutz Krutein sowie die Nürnberger Vertreter von Extinction Rebellion (XR). Ab 20 Uhr und zu jeder vollen Stunde: Bryan Hillesheim, Christian Schloyer, Thomas Kugelmeier, Michael Ammann. Instant Elektroakusmatik Interplay 4.0, live Performances in der St.-Bonifatius Kirche. Um 21 Uhr Papier-Figurentheater von Bernhard Springhart und Anjo Haase.

Intention 35 Künstler aus ganz Europa sind bei der Ausstellung "Extinction Manual - Anleitung zum Aussterben" zu sehen, "Sie untersuchen zusammen mit Fachleuten Tendenzen und Prozesse in Hinsicht auf das menschliche Planen und Handeln im Angesicht einer sich nähernden Katastrophe" - so beschreibt der Veranstalter die Absicht der Kunstwerke (Zeichnungen, Objektkunst, Fotos, Videos, Installationen, etc.)

Ausstellungsdauer 8. bis 22. September, Freitag, Samstag 14 bis 18 Uhr, Sonntag 11 bis 18 Uhr, Eintritt 4,50/2,50 Euro. Führungen werden an den Sonntagen um 14 Uhr angeboten. red

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