Gräfenberg
Häusergeschichte

War die Essigfabrik ein Freimaurerhof?

Die Essigfabrik "Am Pinsel" in Gräfenberg wird als Freimaurerhof bezeichnet. Der Essigfabrikant und der Dekan waren die Gründer der Freimaurerloge.
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Das ehemalige Gesindehaus der Essigfabrik Fotos: Petra Malbrich
Das ehemalige Gesindehaus der Essigfabrik Fotos: Petra Malbrich
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Kaum ein Gräfenberger erinnert sich an die ehemalige Essigfabrik "Am Pinsel". Das verwundert nicht, denn der "Pinsel" lag außerhalb der Stadtmauern eher abgeschottet vom Leben der Gräfenberger.

Trotzdem war die Essigfabrik wohl bayernweit bekannt, denn im "Vollständigen Reise-Taschenbuch oder Wegweiser durch das Königreich Bayern" des Freiherrn von Zedtlitz fand sie Erwähnung und wurde sogar als "große Essigfabrik" vermerkt. Der Essigfabrikant Lorenz Fuchs ist 1791 in Nürnberg geboren. Das erzählt Evi Meier, die Tochter des Stadtchronisten Gerhard Gundelfinger.

Nur wenig Informationen liegen zur Essigfabrik vor. Vermutet wurde sogar, dass sich Freimaurer dort trafen. "Im Kunstgeschichtlichen Atlas Bayerns ist das Anwesen als Freimaurerhof benannt", sagt Historiker Norbert Kotowski.Die Gebäude sähen auch nach Freimaurerräumlichkeiten aus, sagt Kotowski: "Die Freimaurer brauchen immer zwei Räume. Auch die gotischen Fenster in der Scheune oder die aufwändigen Rundbögen in der Scheune könnten Hinweise dafür sein." Für die Rituale seien zwei Räume nötig.

Verboten waren die Freimaurer in Bayern nicht. "Sie haben großen Einfluss auf die gebildete Schicht ausgeübt", erklärt Kotowski. Die Freimaurer waren auch nicht gefürchtet. Doch: "Überall, wo Geheimniskrämerei betrieben wurde, wurde von den Leuten gemunkelt."


Schlüsselrolle

Der Essigfabrikant spielte wohl eine Schlüsselrolle und gehörte mit dem damaligen Dekan Johann Heinrich Witschel zu den Gründern der Gräfenberger Loge. Der Gräfenberger Dekan Adler, 19. Jahrhundert, zeichnete sich durch große historische Arbeiten über Gräfenberg und Bad Berneck aus. Auf diesen Aufzeichnungen von 1850 beruht die Hans-Ackermann-Chronik, die im August 1973 erschien. In ihr werden der Rationalismus, das Freimaurertum und die Illuminaten beleuchtet. So ist dort zu lesen, dass die Entstehung der Gräfenberger Freimaurerloge "Im Pinsel" im Zusammenhang mit dem Rationalismus stand.

"Dekan Witschel (1810 - 1819 Dekan) und der Essigfabrikant Fuchs waren die Motoren der Gräfenberger Freimaurer", sagt Kotowski. "Es lag in der Luft, dass jede Kleinstadt eine Loge hatte." Die Gräfenberger Loge stand wohl eher unter dem Einfluss der Nürnberger Loge.

Das gesamte Anwesen jedenfalls bestand aus einem Herrenhaus, der Scheune, die als Fabrik genutzt wurde und dem Gesindehaus. Ob die Fabrik schon 1819 betrieben wurde, ist mit einem Fragezeichen versehen. Im Gewerbekataster ist 1825 von der Essigfabrik die Rede. In dem Auszug war vermerkt, die zwei Gebäude seien massiv gebaut, enthielten die Fabrik und dazugehörige Öfen und Wasserleitung, zwei große Kessel, eine Wohnstube, zwei Stübchen, eine Kuh- und eine Pferdestallung sowie einen Lagerplatz für Essig und die leeren Fässer.

Dabei gehörte der gesamte Pinsel einst einem Pflegamt. Auch das geht aus den Unterlagen hervor. Bei den Stadtführungen ist die ehemalige Fabrik mit Herrenhaus und Gesindehaus nicht dabei. Um den "Pinsel" herum wuchsen alten Federzeichnungen zufolge viele Obstbäume, was für die Herstellung des Obstessigs vorteilhaft oder sogar ausschlaggebend war.
Als "Puntzel" war das Gebiet dort 1566 als großer Garten am Rangen vom Judenburger Weg hinab bis zur oberen und unteren Mühle zweigeteilt. Mit dem Judenburger Weg könnte der Guttenburger Weg gemeint sein, denn bis in diese Richtung hinauf zog sich der Pinsel.


Erbfolge

Die Namensgebung für dieses Gebiet könnte auf Jakob Puntzel zurückgehen. Am 16. Mai 1800 verkauft das Pflegamt an den Kaufmann Johann Hieronymus Schedel, der es in fünf Grundstücke teilte. Einen Teil erhielt Juliana Charlotta Schedel, der dann an den Landgerichtsdiener Lehrer, den Rotgerber Georg Fleischmann und den Essigfabrikanten Lorenz Fuchs weitergegeben wurde. 1836 starb der Essigfabrikant.

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