Kirchehrenbach
Glauben

Wallfahrer in der Fränkischen Schweiz: Auszeit nehmen von der Hektik

Seit 400 Jahren gibt es die Wallfahrt von Kirchehrenbach nach Gößweinstein. Teilnehmer erinnern sich, dass sie sich schon als Kinder riesig darauf freuten.
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Die Kirchehrenbacher Wallfahrer auf dem Weg nach Gößweinstein Foto: Bastian Holzschuh
Die Kirchehrenbacher Wallfahrer auf dem Weg nach Gößweinstein Foto: Bastian Holzschuh
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In diesem Jahr feiert die Kirchehrenbacher Wallfahrt nach Gößweinstein ihr 400. Jubiläum. Der 84-jährige Kirchehrenbacher Konrad Welsch war 57 Jahre lang Wallfahrtsleiter. "Vermutlich gab es die erste Wallfahrt nach einem Gelübde wegen Pest oder Krankheit", erzählt er. Die Wallfahrt nach Gößweinstein wird in den dortigen Gotteshausrechnungen zum ersten Mal im Jahr 1619 erwähnt. Ob das tatsächlich die erste Wallfahrt war, ist nicht bekannt. "Es muss so ein schreckliches Ereignis gewesen sein, denn die Gemeinde übernimmt einen Teil der Unkosten", sagt Welsch. Es gibt noch eine Nennung aus dem Jahr 1744 am Fest der Heiligen Dreifaltigkeit und eine genaue Dokumentation seit 1983, die von Konrad Welsch gepflegt und 2015 vom jetzigen Wallfahrtsleiter Bastian Holzschuh übernommen wurde. "Wenn man bedenkt, dass das Gotteshaus in Gößweinstein 1730 erbaut wurde, da waren die Kirchehrenbacher schon über hundert Jahre lang dorthin unterwegs", denkt Holzschuh laut nach.

Dokumentation

In der Dokumentation ist zu lesen, dass 168 Teilnehmer im Jahr 1983 unterwegs waren; 2018 waren es 51 Wallfahrer. "Früher waren wir zwei Tage unterwegs. Aber es wurden immer weniger Teilnehmer, deshalb ist es seit 1968 nur noch ein Tag", berichtet Konrad Welsch. Er erinnert sich, dass er das erste Mal nach seiner ersten Kommunion die Eltern begleiten durfte. "Da hat man sich riesig darauf gefreut", erzählt er. Übernachtet wurde in einfachen Unterkünften; die Eltern lagen im Bett, die Kinder am Boden. "Da ist der Pfarrer Martin mitgelaufen. Samstag um 11 Uhr ging es los. In Urspring war Mittagspause und der Pfarrer bekam sein Täubchen zum Essen", erinnert sich Welsch.

Beeindruckend für Kinder

Sein Vorgänger als Wallfahrtsleiter war der Urgroßvater von Bastian Holzschuh. Gegen 15 Uhr kamen die Wallfahrer früher in Gößweinstein an, dann war Einzug in die Kirche. "Das war beeindruckend für mich als Kind", erzählt Welsch. Am Sonntag fand früh der Gottesdienst statt, dann ging es zurück. "Jedes Kind wollte die Fahne tragen", sagt Welsch.

Mittlerweile beginnt die Wallfahrt um 5 Uhr am Sonntag vor Pfingsten vor der Kirche mit dem Lied "Beim frühen Morgenlicht". Auf dem vierstündigen Weg wird gebetet, gesungen und meditiert. Um 10.30 Uhr gibt es einen Gottesdienst in Gößweinstein und es wird ein Kreuzweg gebetet. Danach löst sich die Wallfahrt auf, die meisten fahren mit dem Auto zurück. Abends wird noch eine Andacht an der Waldkapelle gefeiert. Begleitet wird die Wallfahrt von Musikanten und einem Begleitfahrzeug.

Termin fest eingeplant

Johannes Herold ist einer der Wallfahrer, der sich auf den Weg macht. "Der Termin ist fest gebucht. Da bereite ich mich auch innerlich darauf vor, denn das ist etwas Besonderes", meint Herold. Für ihn ist es eine Auszeit. Er macht sich auf den Weg und bekommt den Kopf frei beim Beten des Rosenkranzes. "Die Gemeinschaft ist wunderbar, denn man betet nicht nur, sondern führt auch Gespräche", erzählt er. Und auch seine Familie ist mit dabei. "Ja, das bereichert das ganze Jahr. Der Weg an sich ist wichtig, aber auch das Ankommen und der Einzug in die Basilika", ergänzt Bastian Holzschuh. "Und man ist stolz, wenn man es geschafft hat", fügt Johannes Herold dazu. Jeder ist eingeladen, bei der Wallfahrt mitzulaufen. Die Gemeinschaft gibt acht aufeinander. Wenn jemand nicht mehr kann, kann er sich in das Begleitfahrzeug setzen. "Bloß keine neuen Socken und Schuhe anziehen", rät Konrad Welsch. Er bekennt, dass er ohne Wallfahrt nicht sein kann. Denn für ihn ist sie Ausdruck seines Glaubens. Wer mitlaufen will, muss sich nicht anmelden. Die drei hoffen, dass in diesem Jahr, am 2. Juni, ganz viele Wallfahrer mitlaufen werden. "Es ist wirklich eine Auszeit aus der Hektik des Tages und für jeden, der laufen kann, geeignet", schwärmt Bastian Holzschuh.

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