Kirchehrenbach

Walberlafest 2019: Richtig feiern, ohne dass Flora und Fauna leiden

Jedes Jahr stürmen Tausende Menschen hoch aufs Walberla zum traditionellen Maifest. Die Verantwortlichen bemühen sich, die einzigartige Natur mit Auflagen und Vorkehrungen zu erhalten. Und appellieren an die Besucher.
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Ruhe vor dem Besucheransturm: Die Festzelte, Bierbänke und Imbissbuden stehen bereits. Foto: Ronald Heck
Ruhe vor dem Besucheransturm: Die Festzelte, Bierbänke und Imbissbuden stehen bereits. Foto: Ronald Heck
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Während die Bierbänke, Zelte und Imbissbuden auf der Ehrenbürg aufgestellt werden, herrscht noch die Ruhe vor dem Besucheransturm. Das wird sich bald ändern. Am Freitag, 3. Mai, gegen 17 Uhr wird der Maibaum aufgestellt und das erste Fass Bier angestochen. Am Samstag und Sonntag feiern dann wieder zigtausende Besucher auf dem Traditionsfest.

,Schwarze Schafe' schaden

"Das Walberlafest stellt natürlich jedes Jahr auch eine Beeinträchtigung für das Naturschutzgebiet dar, einfach auch, weil es bei der Masse der Besucher immer ein paar ,schwarze Schafe' gibt, die sich nicht an die Regelungen halten", weiß Alexander Niedling. Der Gebietsbetreuer der Oberen Naturschutzbehörde besichtigt regelmäßig die Ehrenbürg. Im Hinblick auf das Maifest versucht er gemeinsam mit der Gemeinde Kirchehrenbach, die Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten.

Um die einzigartige Natur des Berges zu schützen, werden während der Festtage zum Beispiel Wege abgegrenzt und Schilder angebracht. "Die Flora und Fauna wird an besonders sensiblen Bereichen abgesperrt. Die Natur kann nur geschützt werden, wenn alle Festbesucher mitmachen und sich an die Auflagen halten", appelliert Bürgermeisterin Anja Gebhardt (SPD). Die Gäste sollten möglichst mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen, auf den Wegen bleiben, keinen Müll hinterlassen und die öffentlichen Toiletten benutzen, betont Niedling.

Lob für die Festwirte

Zudem gilt die Festordnung für die Imbiss- und Ausschank-Betreiber. Verstöße werden geahndet. Am Wochenende finden Besichtigungen und Kontrollen statt, ob sich die Wirte daran halten. Für die Betreiber hat die Gemeinde und das Landratsamt vieles festgelegt: Es ist zum Beispiel verboten, Einweggeschirr zu verwenden und Spülwasser ablaufen zu lassen. "Es darf kein verschmutztes Wasser am Berg ausgebracht werden. Die Festwirte sind im Laufe der Jahre erfinderisch geworden sind, um dies einzuhalten. Ein Lob an alle Beteiligten", betont Gebhardt.

Wie sich die Besucherzahlen in den vergangenen Jahren verändert haben, ließe sich nur schwer sagen. "Das ist immer wetterabhängig. Gefühlt waren in meiner Jugend noch mehr Besucher am Walberlafest", schätzt Gebhardt. "Wenn man sich alte Bilder anschaut, sieht man, dass das Fest auch früher schon sehr beliebt war und vermutlich nicht weniger Besucher hatte", stimmt Niedling zu.

Abseits der Wege und Wildpinkeln

Ein Problem sei oft, dass sich die Besucher abseits der Wege aufhalten. Und: "Wildpinkeln ist auch laut Verordnung verboten!", mahnt die Bürgermeisterin. Wildpinkeln sei allerdings in den vergangenen paar Jahren schwierig gewesen, da der Baumbestand gefehlt habe.

Auch nach dem Fest tauschen sich Gemeindeverwaltung und Gebietsbetreuer über den Naturschutz am Walberla aus. Es gibt fast jedes Jahr eine Begehung von Gemeinde, Naturschutzbehörden, Naturschutzwächter und Gebietsbetreuer vor dem Fest sowie eine Nachbesprechung mit allen Beteiligten. Hierbei werden Probleme angesprochen und Vorschläge diskutiert, was künftig verbessert werden kann. "In den vergangenen Jahren haben sich die Regelungen eigentlich gut eingespielt", meint Niedling. Es habe schon Jahre gegeben, wo es nichts zu verbessern gegeben habe. Dann sei die Nachbesprechung auch schon einmal ausgefallen, so Gebhardt.

Wegen seiner landschaftlichen Attraktivität und Nähe zum Ballungszentrum Nürnberg-Erlangen ist der Ehrenbürg ganzjährig Ziel vieler Erholungsuchender und Natursportler wie Kletterer und Gleitschirmflieger. Leider radeln auch Mountainbiker vermehrt auf dem Berg. Laut Verordnung dürfen sie im Naturschutzgebiet aber gar nicht fahren. "Der Nutzungsdruck nimmt deutlich zu. Von daher ist es wichtig, immer wieder auf die Regeln im Naturschutzgebiet hinzuweisen", sagt der Gebietsbetreuer.

Einzigartige Tier- und Pflanzenwelt am "Walberla"

Schutzstatus 1987 wurde das im Volksmund "Walberla" genannte Gebiet von der Regierung von Oberfranken unter Naturschutz gestellt, um die wärmeliebenden Laubwälder, Gebüsche, Halbtrocken- und Trockenrasen sowie Felsbandgesellschaften zu erhalten und die für diesen Lebensraum typische Tier- und Pflanzenwelt zu schützen. Außerdem sollte die besondere landschaftliche Schönheit des "Walberla" bewahrt werden.

Artenreichtum Die Tier- und Pflanzenwelt im Naturschutzgebiet ist bedingt durch die Vielfalt an Lebensräumen außergewöhnlich artenreich. Charakteristische Lebensräume sind seltene Kalkmagerrasen, Felsen, artenreiche Wiesen, Hecken und Kirschgärten mit jeweils einem ganzen Heer an speziell angepassten Tieren und Pflanzen.

Endemische Pflanzen Insgesamt sind rund 600 verschiedene Farn- und Pflanzenarten im Naturschutzgebiet nachgewiesen. Die Ehrenbürg beherbergt eine ganze Reihe von Arten, die bayern- und deutschlandweit nur noch an wenigen Stellen vorkommen und stark gefährdet sind. Beispiele sind etwa die Pfingstnelke oder die Bienenragwurz unter den Orchideen. Die größte Besonderheit sind jedoch Arten, die weltweit nur am Walberla wachsen, also hier endemisch sind. Dazu gehört das Harzsche Habichtskraut und eine Mehlbeerenart. Auch die im Nördlichen Frankenjura endemischen Arten Fränkisches Habichtskraut und Fränkische Mehlbeere kommen hier vor.

Verbot Alle Pflanzen stehen unter besonderem Schutz. Sie dürfen weder ganz, noch teilweise abgeschnitten, gepflückt oder ausgegraben werden.

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