Forchheim
Vandalismus

Wahlplakate in Forchheim beschädigt

Unbekannte haben in Forchheim zahlreiche Wahlplakate verschiedener Parteien mit roter Farbe beschmiert. Die betroffenen Kandidaten sind von dieser Farbattacke schockiert.
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Sachbeschädigung wie sie im Strafgesetzbuch steht - mitten in Forchheim. Foto: Julia Heimberger
Sachbeschädigung wie sie im Strafgesetzbuch steht - mitten in Forchheim. Foto: Julia Heimberger
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von Julia Heimberger

Wer am Dienstagmorgen zur Arbeit fuhr, hat sie bereits gesehen: die mit roter und schwarzer Farbe beschmierten Wahlplakate in der Willy-Brandt-Allee. Von der Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße bis zur Dieselstraße sind entlang der beiden Fahrstreifen die Wahlwerbungen verunstaltet worden. Besonders betroffen sind die AfD, die CSU und die Freien Wähler.

Bezirkstagskandidat Ulrich Schürr (CSU) vermutet, dass die Aktion gegen die AfD gerichtet war und die Farbe dann heruntergelaufen ist. Dadurch wurden auch zahlreiche Plakate der CSU unbrauchbar. Beschossen wurde die Fotos offenbar mit Farbbeuteln oder mit einem Paintball-Gewehr mit stark verdünnter Farbe, da die Farbe in meterlangen Streifen hinabgelaufen sei.

Beschmierte Plakate verschandeln das Straßenbild

"Das ist sehr ärgerlich und nicht der richtige Weg, um eine politische Meinung kundzutun", erklärt Ulrich Schürr. Neben dem personellen und finanziellen Aufwand, um die Plakate nun auszutauschen, sei ja auch das ganze Straßenbild verschandelt. Für die Täter habe er überhaupt kein Verständnis, sondern finde die Attacke einfach nur niveaulos.

Dieser Aussage schließt sich Landtagskandidat Michael Hofmann (CSU) ebenfalls an. Angeblich seien auf manchen CSU-Plakaten auch mit Hakenkreuzen und Nazisymbolen vollgeschmiert worden sein. Für ihn nicht nachvollziehbar, offenbar hätten die Täter keine Ahnung, wofür die CSU stehe. "Mir tut es leid um die ehrenamtlichen Helfer, die in ihrer Freizeit die Plakatierung vornehmen und jetzt nochmal auf die Straße müssen", meint Hofmann.

"Hitlerbärtchen" auf den Plakaten seien widerlich, sagt Hofmann

Dass zwei Plakate der CSU mit "Hitlerbärtchen" ausgestattet wurden, findet er widerlich. Diese werden nach Aussage von Schürr deshalb auch umgehend entfernt. Zusammen mit dem CSU-Büro überlegen sich die beiden Politiker nun, ob sie Anzeige wegen Sachbeschädigung bei der Polizei erstatten wollen.

Dominik Pflaum (AfD) hat bereits Anzeige erstattet, denn er sei schockiert "über diese antidemokratischen Methoden." Seit dem Beginn der Plakatierungen am ersten September habe es im Landkreis Forchheim bereits zahlreiche Fälle von Vandalismus gegeben.

Viele AfD-Plakate im Landkreis beschädigt

So seien in Buckenhofen 30 Plakate, in Egloffstein 20 Plakate und in Forchheim in der Bayreuther Straße und in der Willy-Brandt-Allee 30 Plakate zerstört worden. "Wir suchen daher aktuell Zeugen, die die Taten gesehen haben", berichtet der AfD Landtagskandidat Pflaum. Ziel sei für ihn ein fairer Wahlkampf, aber die Schmierereien seien eine Wahlbehinderung.

Landtagsabgeordneter Thorsten Glauber (FW) sieht die Farbattacke gelassen. "Es ist schade um die Arbeit, ich kümmer mich auch selbst mit ums Aufhängen, aber manche Dinge muss man auch gelesen sehen", sagt Glauber. Mit Humor nimmt er eine Kuriosität aus Ebermannstadt: Hier habe ein Unbekannter fein säuberlich "mit Haaren und Ohren" seinen Kopf aus dem Plakat geschnitten und diesen mit nach Hause genommen. "Das ist total lustig und echt cool", lacht Glauber und freut sich sichtlich über seinen "Starschnitt".

Ganze Serie von Vandalismus in Forchheim

Nicht lustig findet das hingegen die Polizeiinspektion Forchheim. Die Polizei verzeichnet im Moment eine ganze Serie von Sachbeschädigungen an Wahlschildern. "Aktuell gibt es eine Vielzahl an abgerissenen, beschädigten und gestohlenen Plakaten. Momentan häufen sich die Fälle und es sind mehr als bei vorhergehenden Wahlen", sagt der stellvertretende Dienststellenleiter Robert Schaffranietz.

Zur Einleitung der Strafverfolgung werden Fotos gemacht und einzelne Plakate sichergestellt und verwahrt. Sollte ein Täter auf frischer Tat ertappt werden, könnte man anhand der Farben einen Vergleich durchführen und damit eindeutig einen Schuldigen überführen.

Auch werde die Polizei nachts verstärkt Streife fahren und dabei besonders auf die Wahlplakate achten.

Hohe Haftstrafen für dumme Jungenstreiche möglich

Wer Schmierereien für einen dummen Jungenstreich hält, sollte wissen, dass für Sachbeschädigung eine Haftstrafe bis zu zwei Jahren möglich ist. Hakenkreuz-Malereien fallen unter Paragraf 86a Strafgesetzbuch (Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen) und kann mit bis zu drei Jahren Haft geahndet werden. Auch das "Hitlerbärtchen" sei kein Jux, sondern stellt eine Beleidigung dar. Diese kann mit einer Geldstrafe oder bis zu einem Jahr Gefängnis enden.

Die Polizeiinspektion Forchheim hofft auf die aktive Mitarbeit der Bevölkerung. Zeugen, die die Täter gesehen haben oder sachdienliche Hinweise geben können, werden gebeten sich unter der Rufnummer 09191-70900 bei der Polizei Forchheim zu melden.

FT-Kommentar: "Die Täter sind dumm und undemokratisch"

von Ronald Heck

Dass Wahlplakate mutwillig zerstört oder verunstaltet werden, wie jetzt an mehreren Stellen im Landkreis Forchheim, ist leider nichts Neues. Praktisch bei jeder Wahl halten es manche Chaoten für nötig, politische Poster zu beschmieren, zu bekritzeln oder herunter zu reißen. Die Sachbeschädigung von Wahlwerbung ist und bleibt ein Unding: Die Täter sind dumm und undemokratisch.

Das wollen die Schmierer und Vandalen bestimmt nicht einsehen - aber ihre Taten sind kein politisches Statement, sondern ein politisches Armutszeugnis. Wer still und heimlich Wahlplakate mit Hitlerbärtchen, Hakenkreuzen und Farbattacken verunstaltet, bezieht nicht Stellung gegen Parteien, sondern verunglimpft den demokratischen Wahlkampf.

Und jetzt ist es eben wieder soweit: Einen Monat vor der Bayerischen Landtags- und Bezirkstagswahl am 14. Oktober lächeln uns die Politiker von jeder Straßenecke entgegen. Mit einfachen Aussagen und Hochglanz-Portrait-Fotos wollen die Parteien uns überzeugen, bei ihnen ihr Kreuzchen zu machen. Nicht mehr und nicht weniger. Zugegeben: Die Flut an Wahlplakaten mit ihren grinsenden Gesichtern, hohlen Phrasen oder bewussten Provokationen können einem gehörig auf den Wecker gehen. Man muss die Sprüche und die Politiker auch gar nicht mögen - aber man sollte sie für die Kürze der Wahlkampf-Zeit tolerieren.

Und was bleibt unter dem Strich von der hirnlosen Sachbeschädigung im Landkreis Forchheim: Mehr Arbeit für die Polizei und die ehrenamtlichen Wahlkampfhelfer. Kurzum: Wer Wahlwerbung zerstört, macht nicht den Politiker auf dem Plakat lächerlich - sondern sich selbst.



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