Gräfenberg
Zivilcourage

Vor zehn Jahren wurde Sportbündnis gegen Gewalt, Rassismus und Diskriminierung ins Leben gerufen

Neonazi-Aufmärsche in Gräfenberg waren ausschlaggebend dafür, vor zehn ein Sportbündnis gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Intoleranz zu gründen.
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Die Sportler,  die sich zur Interessensgemeinschaft zusammengeschlossen hatten Foto: privat
Die Sportler, die sich zur Interessensgemeinschaft zusammengeschlossen hatten Foto: privat
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Das Sportbündnis wurde geboren, als Neonazis wöchentlich in Gräfenberg marschierten. Nun feiert die Interessensgemeinschaft "Fairness, Respekt und Toleranz im Sport Gräfenberg und Umgebung" den zehnten Geburtstag. Ihr Anliegen ist so aktuell wie nie, findet Initiator Ludwig Haas. Er war bereits Rentner, als die Neonazis in Gräfenberg von sich reden machten. Bedroht fühlten sich die Gegendemonstranten, zu denen er gehörte. Beim Kriegerdenkmal fotografierten die Rechtsgesinnten, hielten das Objektiv auf die Bürger. "Man hatte das Gefühl, sie halten eine Pistole auf uns", erinnert sich Haas. Zuletzt wöchentlich grölten die Nazis dann ihre Parolen in Gräfenberg. "Erschreckend war zu sehen, wie viele Jugendliche bei den Naziaufmärschen dabei waren und mitmarschiert sind", erinnert sich Ludwig Haas an die Zeit vor zehn Jahren. Diese jungen Mädchen und Jungen aufzuklären, sie positiv zu beeinflussen, war sein Gedanke und Wunsch. Doch wie? "Ich bin kein Lehrer, aber ich bin sportlich, deshalb wollten wir sie über den Sport in richtige Bahnen lenken", erklärt Haas die Intention zur Gründung des Sportbündnisses gegen rechts. Die Idee dazu kam bereits im Bürgerforum auf, das sich eigens wegen der Naziaufmärsche gegründet hatte. Zu langsam ging es vorwärts, weshalb der Weißenoher die Umsetzung des Sportbündnisses selbst in die Hand nahm.

Mitglied im FC Stöckach

Da Ludwig Haas Mitglied beim FC Stöckach und beim Weißenoher Sportverein ist, lag es auf der Hand, zunächst die Vorstände dieser beiden Vereine zu überzeugen. Nachdem ihm gelungen war, Hans-Peter Thiel, den damaligen Vorsitzenden des FC Stöckach, und Raimund Schwarz, damaliger Vorsitzender der SpVgg Weißenohe, zu überzeugen, war bei den anderen Vereinen weniger Überzeugungsarbeit notwendig.

Sieben Vereine bei der Gründung

Zur Gründungsversammlung kamen sieben Vereine und 16 Personen, einige sind noch heute dabei. Inzwischen sind zehn Sportvereine - aus Stöckach, Weißenohe, Ermreuth, Forth, Eschenau, Egloffstein, Hiltpoltstein, Thuisbrunn, Gräfenberg und Rüsselbach - Mitglied im Bündnis und leisten mit ihren Aktionen politische Bildung. Und das geschieht ehrenamtlich, mit nur geringen finanziellen Mitteln.

Aussteiger aus der Szene

So hatten sie beispielsweise einen Aussteiger aus der rechten Szene vor Ort und sahen sich bei seinen Ausführungen bestätigt: Die rechtsextremistische Saat wird bei kleinen Kindern schleichend eingeschleust. "Wir haben guten Kontakt zu den Schulen", erklärt Haas. Mit dem Gräfenberger Jugendpfleger Christian Schönfelder gelingt es den Sportlern, auch dort Aufklärungsarbeit zu betreiben. Das Sportbündnis zeigte die Ausstellung "Kinder, Kämpfer, Legenden - Juden im deutschen Fußball" in den Schulen. Der Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg hat sich das Gräfenberger Sportbündnis vor zehn Jahren angeschlossen und arbeitet mit, indem es den Arbeitskreis "Sport gegen Rechtsextremismus" leitet.

Keine Aufmärsche mehr

Seit Ende 2009 gibt es keine Aufmärsche mehr in Gräfenberg. An Aktualität hat das Sportbündnis nicht verloren - im Gegenteil, wie ein Blick auf das Spielfeld zeigt. Da herrscht immer mehr Gewalt. Ob verbal, psychisch oder gar körperlich, wie ein Vorfall gegen einen Pettensiedeler Fußballspieler vor wenigen Wochen deutlich zeigte. "Die Gewalt nimmt zu, auch gegenüber Schiedsrichtern", sagt Haas. "Die manchmal grenzwertigen Kommentare am Sportplatzrand sind heute Standard", bedauert der Weißenoher Sportler. "Es zieht sich durch die gesamte Gesellschaft", mahnt Haas. Das habe mit der Meinungsfreiheit nichts mehr zu tun. "Die Grenze zwischen dem Sagbaren und Nichtsagbaren verwischt", meint Haas. Die Gräfenberger Interessensgemeinschaft sei im Sport und im Alltag mehr gefragt denn je. "Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzungen aller Art sind heute leider an der Tagesordnung. Der Ton in der Politik und in der Gesellschaft hat schon Auswüchse erreicht, die bedrohlich, ja gelegentlich auch tödlich wirken", erklärt der Initiator des Sportbündnisses. Alle zehn mitwirkenden Vereine wollen weiterhin dafür einstehen, dass Gewalt, Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung, Rassismus und Antisemitismus keinen Nährboden in den Sportvereinen und in der Gesellschaft finden.

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