Hausen

Volkstrauertag: Hausener Steinmetz gestaltet Grabsteine im Wandel der Zeit

Stefan Zenk ist Steinmetz in vierter Generation. Grabmäler sind heute mehr als nur graue Steine. Formen, Farben, Figuren spiegeln die Persönlichkeit der Verstorbenen wider.
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"Einen Stein muss man auch fühlen." Stefan Zenk entwickelt individuelle Grabmäler immer gemeinsam mit den Hinterblieben. In persönlichen Gesprächen findet er heraus, wie der beste Ort zum Trauern aussehen könnte. Foto: Ronald Heck
"Einen Stein muss man auch fühlen." Stefan Zenk entwickelt individuelle Grabmäler immer gemeinsam mit den Hinterblieben. In persönlichen Gesprächen findet er heraus, wie der beste Ort zum Trauern aussehen könnte. Foto: Ronald Heck
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Viele Grabsteine sind heute nicht nur graue, stumme Steine - sondern modern und individuell. "Gräber sind eigentlich für die Hinterbliebenen am wichtigsten. Der Verstorbene hat seine Erlösung gefunden", weiß Stefan Zenk. Der Steinmetz und seine 22 Mitarbeiter fertigen in Hausen jedes Jahr bis zu 250 neue Grabsteine. Weil viele Menschen die emotionale Trauerarbeit am Grabstein dringend brauchen, nehme sich Zenk Zeit, jeden Grabstein gemeinsam mit den Hinterbliebenen zu entwickeln.

Klare Formen und mehr Farben

So unterschiedlich wie die verstorbenen Personen waren, werden auch die individuellen Steindenkmäler. "Aus der Unterhaltung heraus fertige ich Skizzen an und versuche herauszuhören, wie der beste Stein sein könnte", erklärt der 49-Jährige. Schon sein Ur-Großvater war Steinmetz.

Heutzutage stehen Hunderte verschiedene Steinsorten zur Auswahl. Ein Trend der vergangenen Jahre seien Grabmäler, die aus mehreren Farbtönen zusammengesetzt sind. "Zum Beispiel links ein hellgrauer und rechts ein dunkelgrauer Granitstein - das wird sehr viel gemacht", verrät Zenk. Beliebt seien in den vergangenen Jahren außerdem elegante und klare Formen geworden.

Regelmäßig werden großen Steinplatten (3,6 auf 1,6 Meter) in die eigene Fertigung nach Hausen geliefert, aus denen die Bildhauer durch Handarbeit die individuellen Grabsteine meißeln. "Zu 95 Prozent kommt auf ein Grabmal ein aufliegendes oder frei stehendes Kreuz", weiß der Steinmetz-Meister. Auch Engels- und Madonnenstatuen fertigen die Steinmetze häufig. Denn das habe sich nicht verändert: Fast auf jedem Denkmal sollen religiöse Symbole eingearbeitet oder eingesetzt werden. Sehr beliebt seien aktuell auch florale Ornamente - wie zum Beispiel die Rose als Symbol der Hoffnung und Wiederauferstehung.

Einzigartig und außergewöhnlich

Aber auch außergewöhnliche Wünsche hat Zenk bereits wahr gemacht: Eine Mutter zum Beispiel wollte ihren verstorbenen, jugendlichen Sohn als Figur auf dem Stein haben. Anhand von 50 verschiedenen Fotos haben die Handwerker ein Abbild des Kind aus dem Steinblock heraus gemeißelt. "Das war schon sehr persönlich und emotional", erinnert sich Zenk.

Immer öfter werden farbige Elemente wie bunte Glaseinfassungen auf den Grabsteinen gewünscht, durch die das Sonnenlicht scheinen kann. Durch Solar-LEDs, die in den Stein eingebaut werden, gibt es heute auch die Möglichkeit, die Inschriften nachts beleuchten zu lassen. An ein anderes, sehr persönliches Grabmal kann sich Stefan Zenk noch gut erinnern: "Ein Mann sagte im Gespräch: Wenn ich vom Grab weggehe, dann will ich mich von meiner verstorbenen Frau verabschieden." Deshalb haben Zenk und seine Mitarbeiter an dem Grabmal ein frei schwingendes Herz zwischen zwei Steinen montiert. Zum Abschied stupse der Trauernde nun immer das Herz an, bevor dieser das Grab verlässt. Darüber freue sich der Mann noch heute, sieben Jahre danach.

Metallene Großvater-Enkel-Figuren, echte Ammoniten aus der Fränkischen Schweiz, plastische Landschaftsreliefs von der Amalfi-Küste oder Jerusalem - all das hat Zenk in seinen 30 Jahren als Steinmetz bereits realisiert.

Wandelbare Gräber und Codes

Neu seien aber beispielsweise wandelbare Gräber, die nach fünf oder sechs Jahren ohne großen Aufwand in ein pflegefreies Grab umgestaltet werden können. "Dadurch gibt man den Hinterbliebenen Zeit zu trauern, indem sie das Grab pflegen", so Zenk. Wenn gewünscht, kann der Stein innerhalb von 20 Minuten passgenau auf die Erde umgelegt werden - und wird ein reines Steingrab.

Auch QR-Codes, durch die Trauernde mit dem Smartphone auf eine Webseite des Verstorbenen weitergeleitet werden, hat Zenk bereits an Grabsteinen angebracht. "Jährlich machen wir zwei oder drei QR-Codes. Vor acht Jahren haben wir aber wesentlich mehr gemacht." Die Gestaltung der Gräber ändere sich mit der Gesellschaft, doch eines bleibe für Zenk immer gleich: "Tot ist nur derjenige, der vergessen wird. Wenn wir es schaffen, dass der Verstorbene nicht vergessen wird, dann haben wir viel erreicht.

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