Forchheim
Gartenbau

Vier ganz besondere Gärten im Landkreis Forchheim öffnen sich

Am 24. Juni ist "Tag der offenen Gartentür". Vier Gärten in Forchheim, Pautzfeld, Hiltpoltstein sowie der besondere Schulgarten in Gräfenberg stehen offen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Der Ruhepausenhof Foto: Petra Malbrich
Der Ruhepausenhof Foto: Petra Malbrich
+7 Bilder
Die Idylle trügt nicht. In dem Gartenteil zwischen den Gebäuden der Realschule und der Mittelschule Gräfenberg sitzen zwei Schülerinnen während ihrer Mittagspause auf einer Bank und lassen sich die Sonne ins Gesicht strahlen. Der Blick fällt auf ein weißes Tipi, das innen mit einer dicken Schicht Rindenmulch ausgelegt ist. Andere Schülerinnen stehen in der Nähe der Hochbeete und unterhalten sich. Deutlich wird vor allem: Es ist ein naturnaher Garten von Schülern für Schüler.

Für den "Tag der offenen Gartentür" laden deshalb die Schüler der offenen und gebundenen Ganztagesschule der Mittelschule und Realschule ein. Entstanden ist die Idee, als die Schüler überlegten, wie sie ihre Zukunft selbst gestalten könnten. Eine Bestandsaufnahme folgte und in enger Zusammenarbeit mit dem Landratsamt und der Stadt Gräfenberg wegen der Flächen, die von den Gräfenberger Schülern bepflanzt werden können, entstand zunächst "Plant for the planet". Damit ist ein Obstgarten oberhalb des Schulsportplatzes gemeint.

Dort wachsen 23 Bäume, von denen bald Äpfel, Birnen, Zwetschgen und Süßkirschen alter Sorten geerntet werden können. "Mit dabei sind drei Sorten, die vom Aussterben bedroht sind. Die Schüler haben die Bäume gepflanzt, um die Kerne, also das Saatgut, an 'Genpool' zu schicken", erklärt Heike Schütz, die Koordinatorin und Leiterin der Akademie für Ganztagespädagogik. "Pflanzfieber" wurde diese Aktion genannt.

Aus den Ideen heraus entstanden und entstehen jedes Jahr verschiedene Projekte. Die Äpfel beispielsweise wurden in die Mosterei nach Hiltpoltstein gebracht und die Tüten mit dem aus eigenen Äpfeln hergestellte Apfelsaft wieder geholt. Neben dem Obstgarten ragt ein Totholz- und Steinhügel empor. Dort waren besonders viele Eidechsen gesichtet worden. Damit sie eine Heimat haben und vor Raubvögeln geschützt sind, wurde diese Eidechsenburg aufgeschichtet, eingehüllt in einen Schutzwall aus Gras.


Am Anfang waren drei Betonringe

Angefangen hatte der Schulgarten vor vier Jahren mit drei Betonringen, die der Bauhof gebracht hatte. Gemüse, Beeren und Blumen wurden zunächst gepflanzt. Auch damit wurde wieder ein Projekt gestartet, das Kartoffelversuchsprojekt. Verschiedene Sorten wurden gepflanzt und dann zu dem verarbeitet, was die Schüler essen wollten: Chips.

Heuer leuchten rote Erdbeeren aus den Pflanzringen. Das ist das Naschobst, das die Schüler beim Erholen im Ruhepausenhof genießen. Am Zaun hinter den Hochbeeten wachsen Weikis, die im Herbst Vitamine liefern. Auch Brennnesseln bleiben dort an den Betonringen stehen. "Sie sind für die Schmetterlinge wichtig", sagt Claudia Leistner, die mit ihrer Kollegin Andrea Stern die Gartengruppe betreut.

In der Nähe der Haupteingangstür befinden sich die Kräuterbeete, fast in Reichweite der Schulküche. Dort werden diese Kräuter gebraucht und die Schüler können sich für den Kochunterricht direkt bedienen.

Einige Pflanzringe sind noch leer. Durch die lang anhaltende Hitze war die Pflanzung nicht günstig. Aber die von den Schülern selbst getöpferten Pflanzstecker verraten, um welche Kräuter es sich handelt. "Lavendel, Dill, Schnittlauch, Basilikum, Minze oder Koriander."

Nur wenige Meter weiter raschelt es in dem meterhohen Schilf, das im und ums Biotop herum wächst. Ursprünglich war in dem Bereich der Schule vor weit mehr als zwölf Jahren ein Gartenteich angelegt worden. Die Goldfische sollen umgesetzt werden, damit das daraus entstandene Biotop Frösche beheimaten kann.

Bleiben noch die Leihbienen. Die Schüler hospitieren beim Imker Michael Mutscher und stellen mit ihm Honig her. Überall in den Gartenbereichen sind selbst gebaute Insektenhotels und Futterstellen mit Tontöpfen. Alte Traktorreifen sind mit unterschiedlichen Materialien gefüllt. Ein Barfußweg soll daraus entstehen. Wann? "Wenn die Schüler weitermachen", sagt Heike Schütz. Denn der Garten wird von den Schülern gestaltet. "Die Arbeit im Garten schärft nicht nur das Umweltbewusstsein, sondern hat weit andere Vorteile: Der Leistungsdruck ist weg. Die Stärken werden herausgestellt", sagt Claudia Leistner. So errechnet der an Mathematik interessierte Schüler die Beetgestaltung, eine andere Schülerin hat in Geografie den Garten kartografiert, und sobald vormittags im Unterricht etwas angefertigt wurde, können die Schüler den Erfolg am Nachmittag sehen, da das Leben im Schulgarten vielfältig ist.


Info

Am Sonntag, 24. Juni, findet im Landkreis Forchheim der jährliche "Tag der offenen Gartentür" statt. Die Gärten können in der Zeit von 10 bis 17 Uhr besucht werden. Der Eintritt ist frei.
Im Landkreis Forchheim nehmen folgende Gärten teil:

Forchheim: Katinka Uebel, Von-Hirschberg-Straße 5
Der mehr als 50 Jahre alte Stadtgarten ist naturnah gestaltet. Neben Wildpflanzen und Totholz werden alte Gemüsesorten und Heilpflanzen angebaut.

Gräfenberg: Mittelschule und Realschule Gräfenberg, Pestalozzistraße 2
An vier Stationen bietet der Schulgarten Wohnungen für Insekten, Fledermäuse, Vögel und Eidechsen. Außerdem besitzen die Schulen eigene Obstbäume und Hochbeete mit Kräutern. Parken ist auf den Parkplätzen der Schulen möglich.

Hiltpoltstein: Gudrun Pöhner, Hinterer Berg 7
Ein Hanggarten unterhalb der Burg lädt nicht nur zweibeinige Besucher zum Verweilen ein. Man findet Nutzbeete mit Treibhäusern ebenso wie Blumenbeete; Parkmöglichkeiten sind ausgeschildert.

Pautzfeld: Edmund und Hildegard Kügel, Hirtenweg 5
Der 40 Jahre alte Hausgarten wurde vorrangig mit Feldsteinen aus der näheren Umgebung gestaltet. Unbefestigte Wege aus Laub und Häckselmaterial haben einen besonderen Besichtigungswert, die durch einen angedeuteten Waldweg führen.

Landrat Hermann Ulm (CSU) wird zusammen mit dem Vorsitzenden des Kreisverbandes für Gartenbau Forchheim um 9 Uhr die Eröffnung im Garten von Katinka Uebel in Forchheim vornehmen.

Weitere Informationen gibt es bei der Kreisfachberatung für Gartenkultur und Landespflege am Landratsamt Forchheim unter Telefon 09191/86-1082 oder per E-Mail unter obst@lra-fo.de.


was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren