Forchheim
Bauen

Viele Forchheimer Reservierungen für die Toten

Die Stadt saniert das Kolumbarium auf dem Alten Friedhof. Dieser letzte Ruheort ist bei den Forchheimern schon jetzt sehr gefragt. Und auch bei zahlreichen anderen Bauprojekten kann die Stadt die Nachfrage kaum erfüllen.
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Das Kolumbarium auf dem Alten Friedhof wird saniert. Die Nachfrage nach Urnenplätze als letzte Ruhestätte im Kolumbarium ist in Forchheim schon jetzt sehr hoch.  Foto: Josef Hofbauer
Das Kolumbarium auf dem Alten Friedhof wird saniert. Die Nachfrage nach Urnenplätze als letzte Ruhestätte im Kolumbarium ist in Forchheim schon jetzt sehr hoch. Foto: Josef Hofbauer

Im Schnitt würden Bauanträge bei der Stadt Forchheim innerhalb von sechs Wochen bearbeitet. Im Landkreis dagegen liege die Dauer bei durchschnittlich fünf Monaten, erinnerte Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) im Bauausschuss. "Da brauchen wir uns nicht zu verstecken."

Das betonte Kirschstein am Montag wohl deshalb so ausdrücklich, weil es vielen potenziellen Bauherrn in Forchheim zu langsam geht. Wohnraum ist begehrt, selbst für das städtische Kolumbarium ist die Nachfrage hoch. Aktuell dient die Trauerhalle auf dem Alten Friedhof als Lagerhalle.

Seit bekannt wurde, dass die Stadt dem Kolumbarium seine ursprüngliche Bedeutung zurückgeben will; und dass dort künftig wieder die Asche Verstorbener in Wandnischen (Urnenkammer) beigesetzt werden wird, sei die Zahl der "Reservierungen" enorm, erzählte Uwe Kirschstein.

Martina Hebendanz (CSU) begrüßte diesen Schritt: Gut, dass dem 1868 erbauten Kolumbarium eine "würdige Nutzung" zurückgegeben werde. Teil der Sanierung dieser Trauerhalle sei es, die Zwischenwände zu entfernen, erläuterte Stefan Schelter, der Leiter des Bauordnungsamtes: "Dann können dort wieder Urnen bestattet werden."

Bitte unter Tränen

Nicht ganz so reibungslos verläuft die herkömmliche Suche nach Wohnraum. Wiederholt kritisierten die Stadträte am Montag Bauprojekte, weil deren Planung unausgereift schien. So bat beispielsweise eine junge Mutter (mit ihrem Säugling im Arm) die Stadträte unter Tränen, die Erweiterung eines Wohngebäudes in Reuth zu genehmigen. Sie habe vier Kinder und auch ihre Schwiegermutter werde in das Haus einziehen. Sie lebe in äußerst beengten Verhältnissen und sei darauf angewiesen, dass ihr neues Wohnhaus schnell gebaut werde.

Obwohl der Ausschuss grundsätzlich Verständnis für das Anliegen der vierfachen Mutter zeigte, wurde das Bauvorhaben vorerst nicht genehmigt. "Städtebaulich kein großer Knaller", urteilte Stefan Schelter über die Planung. Die Mehrheit schloss sich dem Urteil des Bauordnungsamtschefs an: Die Dachform sei nicht akzeptabel und müsse überplant und dem Ausschuss erneut vorgelegt werden.

Unverrichteter Dinge nach Hause geschickt wurde auch Heinrich Stöcklein. In Forchheim hat sich Stöcklein einen Namen gemacht, weil er ab 2007, gemeinsam mit seinem damaligen Geschäftspartner Peter Wolf, die Gewerbeansiedlung auf dem Spinnerei-Gelände vorantrieb. Jetzt beantragt er in der Trettlachstraße eine Nutzungsänderung: Ein Gewerbegebäude soll auch dem Wohnen dienen. Mit diesem Projekt berührt Stöcklein ein kompliziertes Problem: Denn das Kraftwerk, das teilweise zum Wohnhaus werden soll, liege in einem Mischgebiet, erläuterte Stefan Schelter. Nur 70 Prozent des Gebietes dürfe zum Wohnen genutzt werden, 30 Prozent müssten dem Gewerbe vorbehalten bleiben. "Das Gebiet könnte in ein reines Wohngebiet kippen", warnte Schelter; Regress-Ansprüche könnten die Folge sein, wenn dann der Lärm des Kraftwerkes anders bewertet würde.

"Die Wohnnutzung wäre der Todesstoß für den Betreiber des Kraftwerkes", meinte Erwin Held (FW) und plädierte: "Wir sollten das Mischgebiet lassen, so wie es vorgesehen ist."

Heinrich Stöcklein dagegen schlug Folgendes vor: Er könne eine Vereinbarung mit dem Kraftwerksbetreiber schließen, um den Schallschutz im Betriebsgebäude sicherzustellen. Auch Stefan Schick (FDP) war der Auffassung, eine Regelung zwischen Kraftwerksbetreiber und Bauherr sei ausreichend, um späteren Regress-Ansprüchen aus dem Weg zu gehen.

"Wenn es um Lärm geht, schauen die Behörden genau hin", warnte dagegen OB Kirschstein und forderte, über das Anliegen "neu zu befinden - so wie jetzt vorgeschlagen, geht es nicht".

Schuss ins Knie?

Das Vorhaben von Heinrich Stöcklein lehnte der Bauausschuss ebenso ab, wie jenen Erweiterungsbau einer Garage im Unteren Schulweg. "Komplex und traditionsreich" nannte OB Kirschstein den Bauantrag, den der ehemalige Stadtrat Peter Kaiser vor vielen Jahren in ähnlicher Form gestellt hatte. Über den Garagen-Bau war nach jahrelangem Streit vor Gericht entschieden worden.

"Rückbau", urteilten die Richter und entschieden damit den Rechtsstreit zugunsten der Stadt. Nun lag den Räten am Montag ein veränderter Bauantrag vor. Stefan Schelter reagierte verblüfft: "Statt die Garage rückzubauen, wird ein neuer Anbau vorgeschlagen." So einen "speziellen Fall" habe er auch in den Kommentaren zum Baurecht noch nicht gefunden, stellte der Bauordnungsamtschef fest.

Die "eigenartige Konstruktion" (Schelter) beeindruckte lediglich Erwin Held (FW): "Der Bauwerber hat das Rad kurzzeitig neu erfunden." Obwohl das Garagendach nach wie vor zu hoch sei, forderte Held: "Machen wir das Ding zu."

Die Mehrheit wollte das aber nicht: "Ich hebe meinen Finger nicht für gescheiterte Experimente", sagt Markus Schmidt (CSU). Der vorgeschlagene Anbau ändere gar nichts an dem grundsätzlichen Beschluss, sagte Heike Schade (FGL). Mit Verwunderung stellte sie fest: "Wir sollen hier eine Ausnahme genehmigen, um uns ins eigene Knie zu schießen." Aus Sicht von Stefan Schelter, gibt es für die zu hohe Garage im Unteren Schulweg nur eine Lösung: "Die Decke muss runter."

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