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Heiligenstadt
Coronavirus

Verzweifelte Urlauber aus Fränkischer Schweiz in Kambodscha gestrandet

Zwei Heiligenstadter sind aufgrund der Corona-Krise in Kambodscha gestrandet. Wegen fehlender Dokumente durften sich nicht an Bord für den Rückflug nach Deutschland. Sie sind hilflos und verzweifelt.
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Franziska Meier, Patrick Hübschmann und Kathrin Hofmann sind noch voller Hoffnung, dass der Rückflug klappt. Foto: privat
Franziska Meier, Patrick Hübschmann und Kathrin Hofmann sind noch voller Hoffnung, dass der Rückflug klappt. Foto: privat
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Am Dienstagnachmittag erreichte die Vorsitzende des Faschingsvereins "Die heiligen Stadtschnecken" in Heiligenstadt, Andrea Hertling, eine emotionale Sprachnachricht. Verzweifelt baten Kathrin Hofmann und ihr Freund Patrick Hübschmann um Hilfe, denn sie sind in Kambodscha gestrandet. "Die Kathrin ist Gardemädchen bei uns, deshalb setzen wir uns da natürlich ein", sagt Andrea Hertling. Die Vereinsmitglieder wandten sich deshalb an den Bamberger CSU-Landtagsabgeordneten Holger Dremel, der sich mit seinem Büroleiter Raimund Domsz auch gleich an das Auswärtige Amt wandte.

In der Zwischenzeit meldete sich Katrin Hofmann aus Phnom Penh. Sie erzählt, dass der Rückflug über Bangkok nach Deutschland für Sonntag geplant gewesen war. Sie und Patrick Hübschmann waren am 8. März einen zweiwöchigen Urlaub nach Kambodscha angetreten. "Wir hatten schon ein wenig Angst wegen Corona und so, aber Kambodscha war noch kein Risikogebiet. Und Fluggesellschaft und Reiseveranstalter haben auch nichts gesagt", erklärt Kathrin Hofmann.

Nicht an Bord gelassen

Am Rückreisetag durften sie nicht an Bord, da sie bestimmte Dokumente nicht hatten. Die Urlauberin aus Heiligenstadt erzählt: "Wir hatten nicht erfahren, dass die nötig waren. Zum Beispiel sollten wir eine Versicherung nachweisen, wer zahlt, falls wir Corona bekommen. Und wir sollten eine Bestätigung vom Arzt vorlegen, dass wir noch nicht erkrankt sind." Die beiden Gestrandeten besorgten sich am Montag früh die Dokumente und fuhren wieder zum Schalter von Thai Airways. Mittlerweile hatten sie auch den Rückflug von Bangkok aus auf Mittwoch umgebucht. Doch in Phnom Penh teilte ihnen ein Angestellter der Fluggesellschaft mit, dass sich die Vorschrift geändert habe und sie jetzt von einer Klinik ein Attest benötigen über einen Labortest, deshalb könnten sie nicht nach Bangkok mitfliegen.

Hilflos und im Stich gelassen

"Ich bin verzweifelt und weine oft. Ich fühle mich hilflos und im Stich gelassen", gesteht Kathrin Hofmann mit Tränen in der Stimme. Ihre Angst steige, dass sie nicht mehr heim kommt. Außerdem mussten sie einen Flug für Samstag buchen, der pro Person 2500 Euro kostet. "Das Hotel war auch ausgebucht, aber wir fanden zum Glück ein anderes. Noch sind wir nicht krank und haben noch Geld, aber wir wissen nicht, ob wir am Samstag mitfliegen dürfen", schildert die Urlauberin ihre Lage.

Whatsappgruppe der Gestrandeten

Die beiden haben sich mit Franziska Meier angefreundet, einer weiteren gestrandeten Deutschen. "Wir haben in der Deutschen Botschaft und beim Auswärtigen Amt angerufen, aber man konnte uns nicht weiterhelfen", berichtet Kathrin Hofmann, die sich über Whatsapp mit anderen Gestrandeten in Kambodscha austauscht. "Mittlerweile sind wir über 120 Mitglieder in der Gruppe. Wir haben uns aufgeteilt. Und jede der kleinen Gruppe hat eine Aufgabe. Die einen informieren sich, während die anderen zum Beispiel zur Botschaft gehen."

Nicht informiert worden

Von Thailand aus starten Flieger in die Heimat, allerdings kommen die Heiligenstadter nicht von Kambodscha weg. "Noch sind wir gesund. Schlimmer geht es einer Frau mit ihrem Kind und einer Seniorin, der ihre Medikamente ausgehen", berichtet Kathrin Hofmann. Sie war überrascht, dass am 17. März alle Ausländer aufgefordert worden sein sollen, das Land zu verlassen: "Das haben wir gar nicht mitbekommen. Die Fluggesellschaft hat doch unsere Kontaktdaten. Die hätten uns informieren müssen."

In der Zwischenzeit halten Holger Dremel und Raimund Domsz Kontakt zum Auswärtigen Amt und versuchen, für die Gestrandeten etwas zu erreichen. Gegen 16 Uhr müssen sie allerdings mitteilen, dass derzeit keine Rückholaktion aus Kambodscha geplant ist. Das könne sich jedoch täglich ändern. Die Heiligenstadter sollen sich in die Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amts (Elefand) eintragen und in die Rückholliste der Fluggesellschaft Condor.

Kambodscha noch nicht auf der Liste

"Das Auswärtige Amt hat Kambodscha noch nicht auf der Liste. Es müssen erst Deutsche aus Ländern zurückgeholt werden, die nicht sicher sind", erklärt Holger Dremel. Aber das Auswärtige Amt bleibe dran: "Wir haben jetzt politischen Druck reingebracht und hoffen das Beste."