Forchheim
Amtsgericht

Verschwundene Kleidungsstücke hatten alle die gleiche Größe

Hochwertige Kleidung aus einem Forchheimer Modegeschäft räumte ein Paar bei Hausmeister- und Putzdiensten ab.
Artikel drucken Artikel einbetten
Kleidungsstücke Symbolfoto:  Maja Hitij/dpa
Kleidungsstücke Symbolfoto: Maja Hitij/dpa
Eine 45-jährige Frau und ihr damaliger Lebenspartner nahmen lange Zeit hochwertige Kleidung aus einem Forchheimer Modeatelier mit. Der Mann wurde vor Kurzem zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten mit Bewährung verurteilt; nun stand die Frau vor Amtsrichterin Silke Schneider. Auch sie erhielt die gleiche Strafe.

Gegen Ende vergangenen Jahres wurde der Atelier-Inhaberin bewusst, dass im Laufe der letzten drei Jahre abhanden gekommene Kleidungsstücke alle die gleiche Größe hatten. Das wäre schon ein seltener Zufall, wenn alle "nicht zahlungswilligen" Kunden die gleiche Figur hätten, dachte sich die Ladenbesitzerin.

Diebstähle von Angestellten war sofort ihr Verdacht und sie ließ eine Kamera installieren. Das Gerät zeichnete innerhalb eines Monats vier Vorfälle auf, bei denen eine dort beschäftigte Reinigungskraft Blusen probierte und Strümpfe anschaute und aus dem Blickfeld der Kamera räumte. Mit dabei war der Hausmeister, der die Sachen einpackte.


Wohnung durchsucht

Nach einer Anzeige durchsuchte die Polizei die Wohnung des Pärchens und fand eine lange Liste von verschiedenen Kleidungstücken, die nach den Labeln eindeutig hochpreisige Waren aus dem Geschäft waren. Insgesamt errechneten die Ermittlungsbehörden einen Warenwert von über 10.000 Euro.

In seinem Verfahren räumte der Mann die Diebstähle ein. Die Frau dagegen beharrte darauf, sie habe nicht gewusst, was der Mann tue. "Ich habe wirklich nichts gewusst", beteuerte sie andauernd. Ihr Partner habe ihr gesagt, sie dürfe sich was aussuchen, er bespreche das dann mit dem Inhaber. Und: "Ich habe selber nie was genommen."


Die Frau beschenken

Im Zeugenstand sagte der schon Verurteilte, dass er gestohlen habe, um die Frau zu beschenken und sie so an sich zu binden. Aufgrund eines Unfalls sei er Frührentner, das habe Beziehungen in die Brüche gehen lassen. Und diesmal wollte er schlauer sein. "Das war einfach dumm", erkannte er im Nachhinein, "das hätte es nicht gebraucht. Ich habe sie da in was reingeritten."

Das Motiv schien der Richterin glaubhaft, nicht aber, dass die Frau nie stutzig wurde und nachgefragt habe, wie er denn einen ganzen Packen Kleidung im Wert von über 1000 Euro auf einmal erhalten habe. Zwar hatte sie ab und an getragene Kleidung oder solche mit kleinen Schäden geschenkt bekommen, aber immer direkt von der Chefin und ohne Etiketten.

Die stärksten Zweifel kamen Richterin und Staatsanwältin, weil sich die Frau nie bei den Ladeninhabern bedankt habe, wie sie selber sagte. Beide schlossen daraus, dass die Angeklagte sehr wohl wusste, was es mit den vermeintlichen Geschenken auf sich habe. "Sie haben vielleicht dem Zeugen glauben wollen", formulierte es Schneider in ihrer Urteilsbegründung.

Auch wenn die Angeklagte nicht selbst die Ware aus dem Laden entfernt habe, sei sie als Mittäterin zu bestrafen, weil sie den Gewinn erhalten habe. Zu Lasten der Frau spreche auch der große Vertrauensbruch.


was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren