Forchheim

Urteil gegen Bademeister aus Forchheim vertagt

Der Mann, der im Königsbad zwei Jugendliche verletzt haben soll, wurde in erster Instanz verurteilt. Das Berufungsverfahren dauert nun länger als geplant.
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Im Forchheimer Königsbad soll ein Bademeister Jugendliche verletzt haben. Vor dem Amtsgericht bekam er eine Freiheitsstrafe ohne Bewährung. Dagegen ging der Angeklagte in Berufung. Die kleine Strafkammer in Bamberg konnte jedoch nicht zu Ende verhandeln.  Foto: Ralf Hirschberger/dpa
Im Forchheimer Königsbad soll ein Bademeister Jugendliche verletzt haben. Vor dem Amtsgericht bekam er eine Freiheitsstrafe ohne Bewährung. Dagegen ging der Angeklagte in Berufung. Die kleine Strafkammer in Bamberg konnte jedoch nicht zu Ende verhandeln. Foto: Ralf Hirschberger/dpa
Der Prozess gegen einen ehemaligen Bademeister des Forchheimer Königsbads geht weiter: Der Mittfünfziger muss sich seit dieser Woche in einem Berufungsverfahren vor dem Landgericht Bamberg wegen zweier Fälle von Körperverletzung verantworten. Ein Urteil wurde am Donnerstag nicht gefällt, da ein wichtiger Zeuge nicht erschienen war.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, vergangenen Sommer zwei jugendliche Badegäste verletzt zu haben. In einem Fall soll er einem 18-Jährigen einen Fußtritt verpasst haben und im anderen einen 14-Jährigen am Arm gepackt und geschlagen haben.

Im April diesen Jahres wurde der Angeklagte vor dem Amtsgericht Forchheim zu fünf Monaten Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt. Bereits damals kündigte er an, in Berufung zu gehen.


Angeklagter gibt zweite Tat zu

Vor der kleinen Strafkammer in Bamberg räumte der Beschuldigte nun die zweite Tat ein. Die Verteidigung beschränkt die Berufung in diesem Fall auf die Rechtsfolge. "Der Sachverhalt steht damit so fest", stellte Richter Uwe Bauer fest.

Den Fußtritt bestritt der Angeklagte weiterhin, die Verteidigung möchte eine Bewährungsstrafe.

Im Mai 2016 kam es zu einem Streit zwischen dem Bademeister und einer Gruppe Jugendlicher. Die ungefähr sieben jungen Männer sprangen vom Rand des Schwimmerbeckens ins Wasser. Das sei an dieser Stelle verboten, betonte der Angeklagte. Daraufhin habe er den Jugendlichen gesagt, sie sollten damit aufhören. Die jungen Leute hätten der Aufforderung nicht Folge geleistet und frech reagiert.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Bademeister vor, während des Disputs den 18-Jährigen getreten zu haben, woraufhin dieser ins Wasser fiel.


Ausrutscher oder Fußtritt?

Der junge Mann habe ihn angerempelt und hätte wieder ins Wasser springen wollen, behauptete der Angeklagte: "Ich halte ihn fest, rutsche dabei aus und er springt ins Becken."

Bei dieser Aussage hakte der Richter ein und wollte wissen, ob der Angeklagte dabei hingefallen sei. "Nein, richtig ausgerutscht bin ich nicht. Aber der Vorwurf, ich hätte ihm einen Arschtritt verpasst, ist kompletter Blödsinn", antwortete er. Schließlich habe er den Jugendlichen doch abhalten wollen, ins Wasser zu springen. Der Geschädigte konnte nicht vor Gericht geladen werden. Ende vergangenen Jahres ist er aus Deutschland ausgereist.

Die Verteidigung versuchte den vermeintlichen Tritt mit dem rutschigen Boden zu erklären. "Die Fließen sind seit der Eröffnung sehr rutschig, das ist bekannt", bekräftigte Rechtsanwalt Stefan Müller.

Eine unabhängige Zeugin bestätigte allerdings die Anklage. Eine Frau, die während des Vorfalls im Becken schwamm, war sich sicher: "Für mich sah es nach einem absichtlichen Tritt aus, nicht wie ein Ausrutschen." Sie konnte sich aber nicht erinnern, ob der junge Mann getroffen wurde oder ob er ausgewichen und selbst ins Wasser gesprungen sei. Sie betonte, dass der Bademeister aggressiv gewesen sei, die Jugendlichen hingegen seien recht ruhig geblieben.

Der Ehemann der Zeugin bekam das Geschehen lediglich vom Beckenrand aus mit. Den Tritt konnte er aus seiner Position nicht sehen. Er bestätigte nur, dass sich der Angeklagte aggressiv verhalten habe.


Zeugin redet sich in Rage

Zu der Anklage, dass der Bademeister den Jugendlichen bedroht haben soll ("Ich bring' dich um."), meinte der ehemalige Bademeister: "Ich wurde bedroht. Und da habe ich deutlich geantwortet." Dass die Worte gefallen sind, konnte keiner der Geladenen bezeugen.

Als Zeugin der Verteidigung sagte eine ehemalige Bademeister-Kollegin aus. Sie war sichtlich aufgebracht, zitterte vor Zorn und fand es ungerecht, dass der Mann angeklagt ist. Die Gruppe Jugendlicher sei im Königsbad als Unruhestifter bekannt gewesen. Zum Vorfall konnte sie keine konkreten Aussagen machen. Sie könne sich aber nicht vorstellen, dass der Beschuldigte handgreiflich geworden sei. Gleichwohl sagte sie: "Er ist einer, der Ordnung schafft. Ich kann verstehen, dass man mal austickt." Die Frau redete sich vor Gericht derart in Rage, dass Bauer sie unterbrechen musste: "Dass es Problem mit Jugendlichen gibt, das verstehen wir. Es würde aber nicht die Reaktion erklären, um die es hier geht."

Obwohl einer der Jugendlichen aus der Gruppe als Zeuge geladen wurde, erschien er unentschuldigt nicht vor Gericht. Deshalb wurde die Verhandlung vertagt. Das Verfahren wird am 12. September fortgesetzt.

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