Forchheim
Wechselstimmung

Ungewöhnliche Allianzen in Forchheim

So entschieden Reinhold Otzelberger und Albert Dorn der Forchheimer SPD-Fraktion den Rücken gekehrt haben, so unklar ist ihre politische Zukunft. Dorn jedenfalls möchte sein SPD-Parteibuch behalten.
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Bei der Vereidigung von OB Uwe Kirschstein im April 2016 waren Albert Dorn (gelbes Sakko) und Reinhold Otzelberger (rechts) noch als wohlwollende Beobachter dabei.  Foto: Ekkehard Roepert
Bei der Vereidigung von OB Uwe Kirschstein im April 2016 waren Albert Dorn (gelbes Sakko) und Reinhold Otzelberger (rechts) noch als wohlwollende Beobachter dabei. Foto: Ekkehard Roepert

Von einer "ungewöhnlichen Konstellation" spricht Reiner Büttner, der SPD-Fraktionschef im Forchheimer Stadtrat. Damit meint er weniger, dass ihm mit Albert Dorn und Reinhold Otzelberger vergangene Woche die zwei erfahrensten Kräfte seiner bislang sechsköpfigen Fraktion abgesprungen sind. Er meint damit auch nicht, dass die SPD fortan in den Ausschüssen mit einem Sitz weniger auskommen muss. Ungewöhnlich ist die neue Konstellation vor allem deshalb, weil Albert Dorn zwar der Fraktion den Rücken gekehrt hat, gleichzeitig aber fest entschlossen ist, sein SPD-Parteibuch zu behalten, wie er am Montag unserer Zeitung versicherte.

Allerdings müsse er noch klären, ob es rechtlich möglich sei, mit einem SPD-Parteibuch in der Tasche der FW-Fraktion anzugehören und bei der kommenden Wahl auch auf der Liste der Freien Wähler zu kandidieren, sagt Dorn. "Das wäre für mich eine elegante Lösung, denn ich fühle mich zutiefst als Sozialdemokrat."

Auf diese "elegante Lösung" spekulieren kann Albert Dorn deshalb, weil die Freien Wähler im Landkreis möglicherweise noch als Verein und nicht als Partei eingetragen sind. Wie die SPD mit einem Genossen Dorn in den Reihen der Freien Wähler umgehen würde, das zu beantworten sei "nicht ganz einfach", sagt Reiner Büttner: "Das muss der Ortsverein entscheiden."

Einfacher ist es im Falle von Reinhold Otzelberger. Er hat sein Parteibuch abgegeben, die CSU hat ihn freudig in ihrer Fraktion begrüßt - und er ist fest entschlossen: "Ich werde parteilos bleiben." Ob er bei der nächsten Kommunalwahl für die CSU kandidieren werde? Sicher ist sich Otzelberger da noch nicht. "Ich sage mal so, ich schließe eine künftig Kandidatur bei der CSU nicht aus."

Er habe "verschiedene Optionen geprüft und mehrere Möglichkeiten ernsthaft erwogen", sagt Otzelberger. "Die Entscheidung für die CSU ist gefallen, weil sie die größte Fraktion ist und ich hier sehr wirksame Arbeit leisten kann. Ich sehe das auch pragmatisch."

Der jetzt parteilose Stadtrat betont, dass seine politische Neuorientierung - genauso wie jene von Albert Dorn - "fast nur auf positive Resonanz" gestoßen sei. Allianzen im Stadtrat über die Parteigrenzen hinweg seien ja nichts ungewöhnliches, sagt Otzelberger. Und erinnert daran, dass er bei der letzten Wahl die meisten Stimmen bei der SPD gewonnen habe, mehr noch als OB-Kandidat Kirschstein: Die Stadtratswahl sei eben eine Persönlichkeitswahl - und bestimmt hätten in der Vergangenheit immer auch CSU-Wähler für ihn gestimmt .

Drei Angebote habe er erhalten, erzählt Albert Dorn; sein Wegbegleiter seit Juso-Zeiten, Reinhold Otzelberger, sogar vier. "Von meiner Denke her sind mir die Grünen vielleicht etwas näher als die Freien Wähler", räumt Dorn ein. "Doch von den Grünen hat sich keiner an mich gewandt."

Leidensdruck eines Erz-Roten

Dass ein "Erz-Roter wie Dorn" einmal in der FW-Fraktion sitzen würde, das will dem REP-Rat Franz Noffke nicht in den Kopf. Auch unter den Besuchern seines Gasthauses werde das "Drunter und Drüber" im Stadtrat heiß diskutiert. "Dass Dorn zu den Freien Wählern geht, das ist gerade so, als würde die Grüne Annette Prechtel zu den Republikanern wechseln", meint Noffke.

Auch CSU-Stadtrat Thomas Werner empfindet nicht nur Angenehmes, wenn er an die Wechsel-Episoden denkt: "Natürlich freue ich mich, dass sich Reinhold Otzelberger der CSU-Fraktion angeschlossen hat. Aber man muss auch den Leidensdruck sehen, der hinter solchen Entscheidungen steht. Gerade bei Albert Dorn. Er ist ein SPD-Urgestein und passt zur SPD wie kein anderer."



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