Forchheim
Volksbegehren

Umweltminister Glauber aus Pinzberg warnt vor Fronten im Kampf um die Artenvielfalt

Der Bayerische Umweltminister Thorsten Glauber (FW) stellt sich hinter die Ziele des Volksbegehrens. Im Gespräch mit dem FT erklärt er, warum er aber den eingeschlagenen Weg für falsch halte.
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Wer die Artenvielfalt im Blick habe, müsse über die Region Bayern hinausschauen, fordert Umweltminister Thorsten Glauber (FW) aus Pinzberg. Foto: Josef Hofbauer
Wer die Artenvielfalt im Blick habe, müsse über die Region Bayern hinausschauen, fordert Umweltminister Thorsten Glauber (FW) aus Pinzberg. Foto: Josef Hofbauer
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Nein, gesteht Umweltminister Thorsten Glauber (FW), er habe das Volksbegehren "Rettet die Bienen" nicht unterschrieben. Doch die Botschaft sei angekommen. "Ich gehe davon aus, dass das Volksbegehren erfolgreich sein wird. Aber das ist für mich nicht entscheidend. Ich verstehe das Volksbegehren vielmehr als Auftrag an die Politik, zu handeln. Wir müssen dem Artensterben entgegenwirken", betont der Umweltminister aus Pinzberg.

Der vorliegende Entwurf mache allein die Landwirte für den Artenschutz verantwortlich. "Das ist nicht in Ordnung. Biodiversität ist eine Aufgabe, der sich unsere ganze Gesellschaft stellen muss", findet Glauber. Ein Vorstoß, der auf Bayern begrenzt sei, könne da nicht viel bewirken. Da müssten auch die anderen Bundesländer nachziehen, fordert der Umweltminister.

Hier Fronten aufzubauen, beispielsweise zwischen Naturschützern und Imkern auf der einen und Landwirten auf der anderen Seite, das sei kontraproduktiv. Hier müssten sich Bündnispartner, Imitatoren und Vertreter der Politik an einen Tisch setzen. "Es geht nur gemeinsam", ist Glauber überzeugt, der darauf hinweist, dass bereits im Koalitionsvertrag festgeschrieben sei, dass die Flächen, die ins Vertragsnaturschutzprogramm aufgenommen werden sollen, von 90 000 auf 180 000 Hektar ausgeweitet werden sollen.

"Das können wir nicht verordnen. Da müssen wir bei den Landwirten Überzeugungsarbeit leisten, damit sie mitmachen", betont Glauber.

Deshalb will sich der Umweltminister aus den Reihen der Freien Wähler mit Vertretern des Bund Naturschutz, des Landesbund für Vogelschutz, den Imkern und natürlich den Landwirten an einen Tisch setzen und Vorschläge erarbeiten, wie das Ziel, das hinter dem Volksbegehren liegt, realisiert werden kann. Die Politik müsse signalisieren, dass die Artenvielfalt einen Wert darstelle.

Deshalb müssten Landwirte, die sich aktiv für den Einsatz einsetzten, auch entsprechend entlohnt werden. "Eine schwarze Null ist da zu wenig", unterstreicht Thorsten Glauber. Streuobstwiesen als Biotope auszuweisen sei der falsche Weg, ganz besonders im Landkreis Forchheim. "Da geht der Schuss nach hinten los", fürchtet Glauber, denn da werde dem Landwirt die Entscheidung über die Bewirtschaftung seiner Flächen genommen. Gewässer-Randstreifen aus der extensiven Bewirtschaftung herauszunehmen, sei überfällig. "Wir sind da Schlusslicht in Deutschland. In allen anderen Bundesländern ist das verpflichtend, auch in Österreich und anderen europäischen Ländern", so Glauber. Hier sei der Vorschlag des Volksbegehrens zu bürokratisch.

Die Breite des Randstreifens müsse variabel festgelegt werden. Da gebe es kein EU-Gesetz, das dagegenspreche. Ferner fordert Umweltminister Glauber, dass zehn Prozent der Fläche der Bayerischen Staatsforsten aus der intensiven Bewirtschaftung herausgenommen werden. Ohne Rechentricks. Flächen, die sowieso nicht bewirtschaftet werden können, dürfen da nicht mit hineingerechnet werden, fordert der Umweltminister, dem das Volksbegehren hier nicht weit genug geht.

Auch den Klimaschutz vermisst Glauber im aktuellen Volksbegehren "Rettet die Bienen". "Da gehen Schüler auf die Straße und halten uns den Spiegel vor. Mit Recht, denn hier kommt es auf jedes Zehntel Grad an", so Glauber. Er ist überzeugt: "Das Thema Klimaschutz hängt mit dem Erhalt der Artenvielfalt eng zusammen." Hier gebe es keinen Alleinschuldigen.

Für den Schadstoffausstoß seien die Stromgewinnung, der Verkehr und die Heizung gemeinsam verantwortlich. Und nun sei die Politik am Zug.

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