Forchheim
Filmdreh

Über Mörder, Männer und Mundart: Die "Todsicher"-Schauspieler im exklusiven FT-Interview

Aus Franken in die weite Filmwelt hat es Werner Kalb und Gilbert von Sohlern verschlagen. Für den Krimi "Todsicher" kehrten die Schauspieler jetzt zurück. Mit dem FT sprach das "kongeniale" Duo darüber, was sie an zwei zwielichtigen Verbrechern fasziniert.
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Die Schauspieler tragen ihre fränkische Heimat noch immer im Herzen: Werner Kalb (links) und Gilbert von Sohlern vor der Burg Rabeneck Foto: Lisa Weixelbaum
Die Schauspieler tragen ihre fränkische Heimat noch immer im Herzen: Werner Kalb (links) und Gilbert von Sohlern vor der Burg Rabeneck Foto: Lisa Weixelbaum
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Der eine wuchs in Gößweinstein auf, der andere in Eckental. Doch die Schauspielerkarrieren von Gilbert von Sohlern und Werner Kalb nahmen nicht in Franken, sondern in München und Köln Fahrt auf. Ausgerechnet zwei mörderische "Verlierer"-Figuren in dem studentischen Filmprojekt "Todsicher" vereint die beiden Top-Darsteller in ihrer fränkischen Heimat. Am Rande der Dreharbeiten zwischen Forchheim, der Fränkischen Schweiz und Erlangen verraten die beiden, warum der schwarze Frankenkrimi für sie eine Herzenssache war.

Vier Wochen lang habt ihr in Forchheim und Umgebung gedreht. Wie hat es sich für euch als erfahrene TV- und Filmdarsteller angefühlt, vor der Kamera fränkische Bestatter zu spielen?

Gilbert von Sohlern: Ich fand es großartig, in Mundart sprechen zu dürfen. Da kann man die Nuancen viel besser herausarbeiten. Das hat mir wirklich an jedem Drehtag viel Freude bereitet. Wir beide - ich als Franz und er als Andreas - sind ein kongeniales Paar geworden.

Werner Kalb: Vollkommen richtig. Wir waren immer gut gelaunt und hatten viel Spaß miteinander. Für mich war von Anfang an ausschlaggebend, dass der Film in Franken spielt und auf Fränkisch ist.

Bestatter aus Erlangen töten einen anderen und lassen die Leiche verschwinden. Wieso habt ihr euch entschieden, bei der Verfilmung mitzumachen?

von Sohlern: Lorenz (Regisseur Lorenz Wetscher) hat mir das Drehbuch geschickt. Ich habe es gelesen und fand die Figur Franz und die Story sofort klasse. Von dem echten Fall hatte ich bis dahin noch nichts gehört. Ich finde es hochspannend, wie da zwei Bestatter so ein Ding abziehen.

Kalb: Bei dem echten Fall bestreitet der Bestatter ja sogar, dass es einen Mord gegeben hat. Er sagt: Es gibt keine Leiche und keinen Mord.

von Sohlern: Aber ein Indiz war, dass er sich die Krematoriumsrechnung aufgehoben hat.

Kalb: Ein fast perfekter Mord.

Im Film verführt Franz seinen Kollegen Andreas, jemanden umzubringen. Was macht die beiden Figuren aus?

von Sohlern: Es kommt immer auf die Perspektive an: Franz hat im Film eine Frau, einen behinderten Sohn und einen anderen, der nach Amerika geht. Auf der einen Seite ist er ein sehr weicher und liebevoller Mensch. Aber er steht echt unter Druck und will seine "heile Familie" behalten, die eigentlich nur eine hohle Schale ist. Er sagt dann so Sachen wie: "Wennsd viel ärweds und guds Geld hambringsd, dann is es de Weiba a widda ned rechd." Er ist kein eiskalter Typ, aber er entscheidet sich und macht's dann.

Kalb: Andreas ist an Franz gebunden und lässt nichts auf ihn kommen. Irgendwann hat er sich damit abgefunden, die zweite Geige zu spielen. Das macht er gewissenhaft und schlittert so in diese Untat rein. An sich ist er ein sympathischer, freundlicher Mensch, aber irgendwann lief in seinem Leben etwas schief. Er hat eine Freundin, aber nie den Schritt gewagt, eine eigene Familie aufzubauen. Was genau schief gelaufen ist, dazu habe ich mir Gedanken gemacht, aber das verrate ich nicht. (lacht)

Klingt nach zwei sehr gebrochenen Männern...

von Sohlern: Es sind spannende Männerrollen. Franz lebt die Illusion einer Vaterfigur und des Familienlebens und trägt diesen pseudoerfolgreichen Schein nach außen. Es sind beides Loser, aber sehr unterschiedliche.

Kalb: Aber eigentlich ist das doch überall so... Es sind Männer in der Nacht ihres Lebens.

von Sohlern: Ja, jeder hat so seine Leichen im Keller. Mal mehr oder weniger.

Kalb: Aber Andreas und Franz eben konkret.

von Sohlern: Die einen müssen sie eben vergraben, die anderen können sie elegant entsorgen. Da sind wir vom Fach. (lacht)

Wie war es unter anderem in der Neder-Brauerei, an der Burg Rabeneck, in Lauf an der Pegnitz oder Erlangen zu filmen?

Kalb: Das ist ja alles nah an meiner Heimat Eckental. Im Kanapee in Erlangen zum Beispiel war ich schon als Student, als ich zwei Semester in Erlangen studiert habe. In Lauf an der Pegnitz, wo das Bestattungsinstitut ist, war ich auf der Schule und habe Abitur gemacht. Ich bin Franken schon sehr verbunden.

von Sohlern: Obwohl ich in Forchheim geboren bin, war ich nie wirklich dort. In meiner Kindheit war ich eher in der Fränkischen Schweiz wie Pottenstein oder Aufseß. Dafür kenne ich das Ailsbachtal, Püttlachtal und Wiesenttal sehr gut. Das ist eine extrem schöne Gegend - vor allem jetzt mit der Herbstfärbung. Da gehen einem die Augen und das Herz auf. Franken rules!

Das Gespräch führte Ronald Heck

Ein fränkischer Cast bringt den Mordfall auf die Leinwand

Für ihre 45-minütige Krimikomödie "Todsicher" war es den beiden Filmstudenten Mario Klaus aus Dormitz (Kamera) und Lorenz Wetscher aus Nürnberg (Regie) wichtig, authentische fränkische Schauspieler zu bekommen.

Als Franz: Gilbert von Sohlern

Den Bestatter Franz spielt Gilbert von Sohlern. Der 1957 in Forchheim geborene Schauspieler ist auf der Burg Gößweinstein aufgewachsen. Der aus adeligem Haus stammende Franke zog später mit seiner Mutter nach München. Seit über zwei Jahrzehnten steht von Sohlern in Film und Fernsehen vor der Kamera oder auf Theaterbühnen. Er spielte Hauptrollen in namhaften Produktionen wie "Kein Platz für Idioten" (1994) und "Schlafes Bruder" (1994). Im TV trat er unter anderem im "Tatort" und "Polizeiruf 110" auf. Bekannt wurde Gilbert von Sohlern ab 2002 außerdem durch seine Rolle des Monsignore Mühlich in der ARD-Krimireihe "Pfarrer Braun". Am Theater verkörperte von Sohlern unter anderem bei den Salzburger Festspielen 2015 die Figur des Trauerweiden-Walter in Brechts Dreigroschenoper.

Als Andreas: Werner Kalb

Werner Kalb ist 1958 geboren und wuchs in Eckental (Landkreis Erlangen-Höchstadt) auf. Vor 40 Jahren zog er nach Köln um, wo er seitdem lebt. Kalb studierte an der renommierten Filmhochschule Köln. Er spielte bereits in großen Filmproduktionen wie "Schutzengel" (2012) von Til Schweiger mit. Außerdem war er in Werbespots der Deutschen Bahn oder dem Münsteraner "Tatort" zu sehen.

Als Schorsch: Thorsten Krohn

In der Rolle des Schorsch steht der Nürnberger Thorsten Krohn vor der Kamera. Auch er tritt regelmäßig im deutschen Film und Fernsehen auf. 2005 spielte er im oscarprämierten Kinofilm "Der Untergang" mit, in dem er Hitlers Leibarzt gab. Der Franke war zudem in Fernsehproduktionen wie "Tatort", "Hubert und Staller" oder "Polizeiruf 110".

Weitere Rollen in "Todsicher", der im September 2020 Premiere feiern soll, übernehmen Andreas Schadt, Erika Ceh, Gabi Geist, Marion Niederländer, Markus Krone und Michael Fischer.

FT trifft den echten Ermittler

Der Film basiert auf einem echten Mordfall in Erlangen, der 2010 vor Gericht landete. Der Fränkische Tag Forchheim lässt in Kürze auch den damaligen Ermittler Rolf Richter aus Hallerndorf zu Wort kommen: Er erzählt, wie er den Fall erlebt hat und wie die Lösung des Rätsels gelang.

"Todsicher" - der Film

Projekt: Der Film ist eine Produktion der Fachhochschule Salzburg im Masterstudiengang "Multimedia-Art" Film.

Darum geht's: Eins eiskalter Bestatter manipuliert seinen schüchternen Kollegen zum Mord. Um die Straftat zu vertuschen, nutzen sie eine Lücke im bayerischen Gesetz. Kosten: Crew und Schauspieler arbeiten unentgeltlich. Trotzdem entstehen Kosten für Unterkunft, Verpflegung, Transport oder Ausrüstung, wofür die Macher auf Spenden hoffen. Infos: Weiterführendes unter www.todsicher-derfilm.de

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