Forchheim
Religion

Türkische Gemeinde feiert Moscheefest in Forchheim - Gute Nachrichten und gutes Essen

Es ist inzwischen schon gar nicht mehr aus dem Forchheimer Veranstaltungskalender wegzudenken. Die Rede ist dabei vom Moscheefest der Yunus Emre Moschee, zu dem die Verantwortlichen Jahr für Jahr, immer am Pfingstwochenende auf das Gelände der Glaubensgemeinschaft in der Haidfeldstraße einladen.
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Türkische Spezialitäten - Börek wird zubereitet Foto: emt
Türkische Spezialitäten - Börek wird zubereitet Foto: emt
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Wussten Sie schon, dass Muslime eine Moschee mit dem rechten Fuß betreten und mit dem linken Fuß verlassen, oder dass das gemeinsame Beten in der Moschee für die Muslime 25 Mal so viel wert sei wie ein Gebet zu Hause? Wer einmal ganz tief in diese für viele fremde Religion eintauchen wollte, der hatte im Rahmen des diesjährigen Festes der Yunus-Emre-Moschee in der Haidfeldstraße am Pfingstwochenende die Gelegenheit dazu.

Dabei gab es wieder einiges zu entdecken. Anhand von verschiedenen Führungen wurden, wie auch in den vergangenen Jahren, die einzelnen Baustil-Elemente einer Moschee (übersetzt: "Ort der Niederwerfung"), näher erkundet. So wurde beispielsweise im Rahmen der Führungen erklärt, dass die sogenannte Gebetsnische (Mihrab) immer Richtung Mekka zeigt und die halbrunde und vieleckige Nischenform die lauten Rezitationen des Imams (Vorsteher) in den Gebetsraum zurück schallen lässt.

Oberbürgermeister verkündete gute Nachrichten

Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD), der dem Fest am Pfingstsonntag einen Besuch abstattete, hatte für die türkische Gemeinde in Forchheim gute Nachrichten im Gepäck. Nachdem die Baumaßnahmen entlang der Bahn nun auf Höhe der Moschee abgeschlossen seien, habe sich Kirschstein dafür eingesetzt, dass die türkische Gemeinde die schätzungsweise rund 2000 Quadratmeter Freifläche entlang der Bahnlinie, die direkt an das Grundstück der Moschee angrenzen, entweder per Erbbaurecht pachten oder eventuell auch käuflich erwerben kann.

Neue Perspektiven für die Moschee

"Das eröffnet uns ganz neue Perspektiven", freut sich Ekrem Akyol, neugewählter Vorstand des Yunus-Emre-Moschee-Vereins, der erst vor ein paar Wochen die Führung des Vereins aus den Händen von Ilgar Coskun übernommen hatte. Coskun unterstützt ihn weiter als zweiter Vorstand. Denn das Gelände, wo anlässlich von Festivitäten immer das Festzelt steht (auch beim Moscheefest), gehört der Stadt Forchheim.

"Die Parkplätze sind knapp", erzählt Akyol. Stadt und Sparkasse würden beabsichtigen am Pendlerparkplatz vor der Moschee ein Parkhaus zu errichten. Dadurch würden dann noch mehr freie Parkplätze für die Gläubigen wegfallen, die zum Freitagsgebet kommen würden. Wird die Freifläche entlang der Bahn an die Türken verpachtet, dann könnte man hier zusätzliche Parkplätze für die Gemeinde entstehen lassen, so Akyol.

Erst in der vergangenen Woche endete der diesjährige Ramadan (Fastenmonat der Muslime), der in diesem Jahr vom 6. Mai bis 3. Juni dauerte. "Der Fastenmonat fällt immer in den neunten Monat des islamischen Mondkalenders", erzählt Ekrem Akyol über den Ramadan (was wörtlich übersetzt so viel wie "der heiße Monat" heißt). "In diesem Monat wurde nach islamischer Auffassung der Koran herabgesandt."

Schlemmen nach langem Fasten

Nach Ende des Fastenmonats darf dann - beim Fastenbrechen - wieder so richtig geschlemmt werden, so Akyol. Der 42-Jährige praktiziert selbst das Fasten. Wie funktioniert dieses Fasten? "Es wird nur einmal in der Nacht gefrühstückt", so Akyol. Am ersten Fastentag wurde von 4:09 Uhr bis 20.46 Uhr gefastet, dann wieder eine Kleinigkeit gegessen. Es werde quasi gefastet, bis die Sonne untergeht. Am letzten Tag des Ramadans wurde dann von 3:36 bis 21:31 Uhr gefastet.

"Ramadan ist mehr als Hungern", erzählt Akyol. Die Enthaltsamkeit wird in Verbindung mit der Besinnung gebracht. "Man denkt an die Menschen, denen es nicht so gut geht, man ist spendabel", so der 42-Jährige. Nun ist der Ramadan vorbei und es darf wieder geschlemmt werden. Zum Schlemmen gab es am Moscheefest so einiges. Aus der reichhaltigen türkischen Küche wurde kräftig aufgetischt.

Viele türkische Leckereien

Wer das diesjährige Moscheefest in der Haidfeldstraße in diesem Jahr besucht hat, der merkte schnell, dass türkische Küche weit mehr ist als nur Döner Kebab. So wurden beispielsweise "Börek", eine türkische Variante eines Auflaufs mit Teig und einer würzigen Füllung aus Hackfleisch, Schafskäse, Spinat oder anderem Gemüse und Petersilie als Hauptgericht, oder auch "Baklava" eine in Sirup getränkte Süßspeise, hergestellt aus dünnem Teig, Pistazien und Nüssen als Nachspeise kredenzt. Nicht fehlen durfte natürlich auch nicht das Lieblingsgericht vieler Türken, Köfte. Dabei handelt es sich um scharfe, gebratene, gebackene oder auch gegrillte Hackfleischbällchen, aus Lamm oder Rind.

Erdogan und Özil sorgen für Gesprächsstoff

Für Gesprächsstoff am Moscheefest sorgte auch immer wieder der ganz besondere Trauzeuge von Ex-DFB-Fußballer Mesut Özil, gemeint war damit, der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. Während sich die Medienwelt Gedanken darüber macht, wie nationalistisch Özil wirklich ist, verstehen die Forchheimer Türken die Aufregung in der Öffentlichkeit über die offenbar "ziemlich besten Freunde" Özil und Erdogan nicht. "Das wird in der Öffentlichkeit alles nur künstlich hochgespielt", sagen sowohl Akyol als auch sein Stellvertreter Coskun.

Auch sonst war am Moscheefest einiges geboten: Hüpfburg und Kinderprogramm für den Nachwuchs und kulturelle und folkloristische Aufführungen für die Erwachsenen.

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