Schossaritz
Dorferneuerung

Trotz Widerstand ist die Dorferneuerung in Schoßaritz geglückt

Nicht alle waren von der Flurbereinigung mit Dorferneuerung begeistert. Doch das Ergebnis kann sich sehen lassen. Und die Dorfgemeinschaft hält auch heute noch fest zusammen.
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Symbolische Enthüllung eines  Gedenksteines,  die   Dorferneuerung  in Schoßaritz  gilt als geglückt.Petra Malbrich
Symbolische Enthüllung eines Gedenksteines, die Dorferneuerung in Schoßaritz gilt als geglückt.Petra Malbrich

Vor allem die Kinder waren magisch von dem bereits 1820 gebauten Brunnen angezogen. An der sicheren Hand der Erwachsenen wagten sie einen Blick in den 28 Meter tiefen Brunnenschacht. Nach wenigen Metern ist in dem gleich nach der Öffnung mit festem Eisengitter gesicherten Schacht nur Dunkelheit. Hineinfallen kann niemand.

Nur Patrick Schleßmann wurde vor einer Woche richtig professionell wie ein Bergsteiger in den Schacht gelassen, um ihn zu reinigen. Schön sollte alles sein für den Tag, an dem der Abschluss der Flurbereinigung und der Dorferneuerung in Schoßaritz gefeiert wurde. Sogar an das Schoßaritz Lied, das damals zur Einweihung des Brunnens gedichtet wurde, erinnert Gudrun Kraus, die Vorsitzende des Verfahrens vom Amt für ländliche Entwicklung. Zumindest hat sie das Liedgut in den alten Unterlagen gefunden. Am ersten Mai wird hier traditionell ein Brunnenfest gefeiert. Der Platz hier ist eine Festmeile und Leute von überallher kommen und sagen, dass sie gerne hier leben würden", betonte Bürgermeisterin Gisela Schulze-Bauer an der vom Hiltpoltsteiner Posaunenchor umrahmten Abschlussfeier.

Die Flurbereinigung sei absolut gelungen und die gut erschlossenen Flurwege eine Erleichterung für die Landwirte. Dennoch waren vor 30 Jahren zunächst nicht alle Bürger von dem Verfahren begeistert. "Zwei Drittel der Bevölkerung in Schoßaritz sprach sich für die Flurbereinigung aus, ein Drittel dagegen. Doch die Befürworter bewirtschafteten nur 51 Prozent und die Gegner 49 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen. So blieb nicht aus, dass sich die Gegner Unterstützung bei der damaligen Interessensgemeinschaft Bayerischer Bauern holten", sagt Kraus.

Hans Kraft, der diese Maßnahme mit angestoßen hat, kann sich daran noch erinnern. Das ist heute längst vergessen und das ist gut so, denn bald änderte sich die Meinung. Alle packten an. Oder wie Gudrun Kraus sagte: "Zusammenkommen ist ein Beginn, zusammenbleiben ist ein Fortschritt, zusammenarbeiten ist ein Erfolg." Ein sichtbarer, denn die Ergebnisse sind für jeden offenkundig, der in Schoßaritz durch Land und Flur gehe, wie Landrat Hermann Ulm anmerkte. Hans Kraft und die damals gewählten Vorstände Hermann März, Georg Schüpferling, Johann Förtsch, Georg Leikam, Gerhard Fischer, Margarete Sörgel und Hans Distler erreichten noch vor den ersten Planungen den vorgezogenen Bau des Brunnens. "Man kann sagen, es war dem großen Anliegen der Schoßaritzer geschuldet, den 1964 verschlossenen Dorfbrunnen als allseits bekanntes Sinnbild für eine lebendige Dorfgemeinschaft wieder zu öffnen", sagte Kraus. Das jedoch war als vorgezogenen Maßnahme mit Vorfinanzierung durch die Gemeinde, der Beginn der Baumaßnahmen 1987.

Aufgrund der umfangreichen Eigenleistungen der Bürger betrugen die Baukosten nur 12 500 Euro. Natürlich verlief nicht alles reibungslos. Es gab Verhandlungen und die Planungen erwiesen sich als zäh und langwierig. Ein Grund waren die Ausgleichsflächen wegen der Gemeindeverbindungsstraße zwischen Großenohe und Schoßaritz. Insgesamt wurden 14 Kilometer Wege gebaut, davon 5,5 Kilometer gepflastert. "Natürlich alle in Eigenleistung", betonte Kraus. Die eine Million Baukosten wurden mit 900 000 Euro bezuschusst. Zudem wurde ein bislang noch nicht da gewesenes Pilotprojekt gestartet. "Unter Federführung von Tobias Vogel und dem Landschaftspflegeverband wurden 1997 ortsbildprägende Bäume einzeln erfasst und durch fachgerechte Pflegeschnitte saniert", erinnerte Kraus und ließ dann die Etappen der Dorferneuerung Revue passieren. Diese kostete 237 000 Euro, wovon 147 000 Euro bezuschusst wurden und der Markt Hiltpoltstein nur 90 000 Euro übernehmen musste. "Dass den Bürgern das Bild ihres Ortes sehr wichtig ist, kann man an den Zahlen der privaten Maßnahmen wie die Umgestaltung der Häuser und Höfe, sehen. In 65 Teilmaßnahmen investierten die Bürger 1,2 Millionen Euro", sagte Kraus.

"In Schoßaritz ist viel Positives geschehen, für ein moderne zeitgemäße Landwirtschaft, für Naturschutz und für Landschaftspflege", betonte Anton Hepple, leitender Baudirektor des Amts für ländliche Entwicklung Oberfranken. Davon konnten sich alle Gäste überzeugen, als der Gedenkstein öffentlich gemacht wurde.

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