Muggendorf
Infrastruktur

Trinkwasser schlägt hohe Wellen im Marktrat Wiesenttal

Im Marktgemeinderat Wiesenttal kam es beinahe zum Eklat. Die Sanierung der Wasserbehälter steht an, aber es gibt noch kein Gesamtkonzept.
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Symbolfoto: Sabine Weinbeer
Symbolfoto: Sabine Weinbeer

Konrad Rosenzweig ist empört. Während der Vorstellung der Pläne für die Sanierung des Hochbehälters Birkenreuth durch den Nürnberger Ingenieur Alexander Dürrschmidt platzte dem CSU-Marktgemeinderat in der Sitzung der Kragen. "Sie gehen in die Detailplanung, aber es geht um das Gesamtkonzept", unterbrach Rosenzweig den Planer. Hintergrund ist ein Schreiben des Landratsamts Forchheim, in dem es unter anderem heißt, dass die weitere Nutzung des Hochbehälters Trainmeusel aus hygienischen Gründen nicht mehr länger toleriert werden könne. Die Rechtsaufsichtsbehörde fordert Bürgermeister Helmut Taut (FWW) in dem Brief ultimativ dazu auf, mitzuteilen, wann der Hochbehälter Trainmeusel saniert wird. Taut beauftragte Dürrschmidt mit der Lösung des Problems und setzte die Wasserversorgung des Marktes Wiesental mit den Fragestellungen einer Konzeption für das gesamte Versorgungsgebiet und der notwendigen Sanierungen beziehungsweise Neubauten der Hochbehälter Birkenreuth und Trainmeusel auf die Tagesordnung. Die Forderung der Rechtsaufsicht hält Taut für "völlig berechtigt". Dürrschmidt wurde jedoch nicht für die Erstellung einer Gesamtkonzeption für die Wiesenttaler Wasserversorgung beauftragt. Der Ingenieur hatte sich daher lediglich Gedanken darüber gemacht, wie man das Problem mit dem Hochbehälter Trainmeusel kostengünstig und wirtschaftlich schnell lösen kann. So kam Dürrschmidt zu dem Schluss, den Hochbehälter aufzulassen und stattdessen den Hochbehälter Birkenreuth zu sanieren. Mit dem könnte man mit einer Druckminderungsanlage auch die Orte Trainmeusel und Wartleithen mit versorgen. Laut Dürrschmidt sei es sinnvoll, die HZahl der ochbehälter des Marktes auf ein nötiges Maß zu minimieren und sich stattdessen Gedanken über ein Löschwasserkonzept zu machen. Zwingend nötig sei ohnehin die Erneuerung der Leitungen zum Hochbehälter Birkenreuth. Damit kann der Hochbehälter dann auch an die Anlage der Stadtwerke Ebermannstadt angeschlossen werden, wie Wassermeister Harald Herbach bestätigte. Nach Dürrschmidts Meinung habe es keinen Sinn, einen nur 80 Kubikmeter großen separaten Hochbehälter für Trainmeusel zu sanieren. Dass auch der Hochbehälter Birkenreuth saniert werden muss, steht außer Frage: Dieses Reservoir war kürzlich leer und die Birkenreuther hatten kein Wasser mehr. Auch in Oberfellendorf war das Trinkwasser für zwei Stunden weg. "Da ist die Stimmung im Urlaub auf dem Nullpunkt", sagte Taut. Als Dürrschmidt ausführte, dass im Hochbehälter Birkenreuth alles in Edelstahl ausgeführt wird, kam es beinahe zum Eklat. Wie Rosenzweig meinte, sei man nun wieder unter Zeitdruck und müsse reagieren anstatt zu agieren. Erster Schritt sei ein Gesamtkonzept, wetterte Rosenzweig, der in die Runde fragte, ob es noch andere Alternativen gäbe, diese drei Orte auf der Jurahöhe mit Trinkwasser zu versorgen, etwa mit einem Anschluss an die benachbarte Wiesentgruppe. Außerdem schütte der Tiefbrunnen der Gemeinde nur noch 1000 Kubikmeter, der andere gar nichts mehr. "Reicht das Wasser in Zukunft für alle aus? Ist ein Notverbund mit der Wiesentgruppe bei Wohlmannsgesees nicht sinnvoll? Wie gewährleisten wir den Brandschutz ?" Fragen über Fragen hatte Rosenzweig an den Planer, der diese jedoch nicht zufriedenstellend beantworten konnte. Viel zu teuer ist jedenfalls eine neue Leitung vom Hochbehälter Hohes Kreuz. Für Dürrschmidt ist der Hochbehälter Birkenreuth "alternativlos". Die neuen Leitungen dort hin brauche man auf jeden Fall für alle späteren Lösungen. "Wir gehen damit für diesen Versorgungsbereich nicht in die falsche Richtung", versicherte der Experte. Auch Dritte Bürgermeisterin Susanne Braun-Hofmann (CSU) hätte sich ein Gesamtkonzept gewünscht. "Eine Variantenfestlegung hätte für mich Priorität", betonte sie. "Ich kann Ihnen gerne ein Gesamtkonzept entwickeln", antwortete Dürrschmidt. "Ohne Konzept hängt man irgendwie in der Luft", meinte Hans Heißenstein (WU). Zweiter Bürgermeister Gerhard Kraus (BGS) betonte: "Man muss schauen, dass diese Wasserversorgung für unsere Bürger auch bezahlbar bleibt." "Wir wollen erst wissen, wie das Haus aussieht, bevor wir die Garage bauen", ließ Rosenzweig nicht locker. Schon jetzt habe man im Wiesenttal nicht nur das beste, sondern auch das teuerste Wasser. Da der Tiefbrunnen II nur noch 1000 Kubikmeter schüttet, will Rosenzweig nicht, dass der dann sanierte Hochbehälter Birkenreuth einmal von der Wiesentgruppe versorgt wird. "Muss ich heute wieder resignieren und aufgeben?", fragte nun Taut. Für Kraus und Achim Windisch (FWW) ist die Sanierung des Hochbehälters Birkenreuth notwendig und sinnvoll. Am Schluss wurde einstimmig beschlossen, dass Dürrschmidt einen Ingenieurvertrag zur Erstellung eines Gesamtkonzepts bekommt und dass der Hochbehälter Birkenreuth saniert werden soll.



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