LKR Forchheim
Fasching

Terror und Toleranz erweisen sich als schwierige Themen

In Forchheim und im Landkreis prägt Lokales das närrische Treiben. Überregionale Themen wie Integration und Toleranz haben dabei kaum eine Chance. Die Kabarettistin Claudia Bill aus Effeltrich findet das schade.
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So kam Alex Reuther zur Prunksitzung der Coburger Narrhalla: Verhüllt als Muslim und mit einem spitzen Bleistift als Kalaschnikow in der Hand - dazu die Solidaritätsbekundung mit den Terroropfern von Paris: "Je suis Charlie". Anschließend sah sich Alex in sozialen Netzwerken einem Shitstorm ausgesetzt.Foto: Albert Höchstädter
So kam Alex Reuther zur Prunksitzung der Coburger Narrhalla: Verhüllt als Muslim und mit einem spitzen Bleistift als Kalaschnikow in der Hand - dazu die Solidaritätsbekundung mit den Terroropfern von Paris: "Je suis Charlie". Anschließend sah sich Alex in sozialen Netzwerken einem Shitstorm ausgesetzt.Foto: Albert Höchstädter
Gardemädchen in Minikleidchen, Prinzenpaare und glitzernde Tanzmariechen, dazu Klamauk in Form von (Kommunal-) Politikern, die sich als Prinzenpaar oder Volkstänzer verkleiden wie in Effeltrich, das ist der Fasching in Franken. Hinzu kommen seichte Themen wie der Schlager-Grand-Prix, so dass eine Parodie der Conchita Wurst schon mal nach Ebermannstadt oder Heroldsbach geholt wird.

"Die Leute sollen lachen können über die Präsentation", meint Roland Hofmann, Elferratspräsident der Ebermannstadter Narren. Deshalb konzentriere sich die Führung des Elferrats auf lokale Themen. Dies gelte sowohl für die Prunksitzung als auch für den Gaudiwurm, der am Faschingssonntag durch die Straßen der Stadt ziehen wird. Da orientierten sich die Motive ausschließlich an lokalen Themen.

Dies bestätigt Dr. Franz Macht, Präsident der Faschingsgesellschaft Narrenkübel Gößweinstein. Die Kommunalpolitik biete genug Zündstoff, um sie im Fasching auf die Schippe zu nehmen. Überregionale Themen hätten da nichts verloren. Deshalb hält er es auch für verfehlt, den Anschlag der IS-Terroristen auf Karikaturisten des Satire-Magazins Charlie Hebdo im Fasching zu thematisieren.

"Das wäre ganz und gar nicht in meinem Sinne", sagt Macht, der zufrieden feststellt, dass dieses Thema bei der Vorbereitung der Prunksitzungen gar nicht zur Sprache kam: "Da sind Menschen zu Tode gekommen. Das ist nicht lustig." Die Kritik an den Attentätern sei ganz einfach kein Thema für den Fasching.

Das findet auch Steffen Habel, Präsident des Neunkirchener Carnevals-Vereins (NCV). Auf der Suche nach einem Namen für das große Narrenschiff, das wieder den Faschingszug anführen wird, habe es den Vorschlag gegeben, das Thema Migration und Integration aufzugreifen. Ein Wikingerschiff mit entsprechenden Slogans hätte die Chance geboten, die Asyl- und Flüchtlingspolitik und damit das Thema Toleranz aufs Korn zu nehmen. "Aber wir konnten uns nicht einigen, deshalb haben wir es gelassen", erklärt Steffen Habel. In einer Prunksitzung das Thema Toleranz aufzugreifen, sei nicht diskutiert worden.


Toleranz gefordert


Vor dem Hintergrund, dass demnächst auch Asylbewerber in Heroldsbach untergebracht werden sollen, griff der "Fosanochtsverein Heroldsbacher Narren" das Thema Toleranz auf, indem er die Nachbarn, die sich angeblich Wachhunde angeschafft haben sollen, der Lächerlichkeit preisgab.

Bei den Motivwagen des Faschingszuges, berichtet Hofmarschall Jürgen Schleicher, spiele das Thema jedoch keine Rolle. Zumindest sei bislang nichts bekannt, dass einer der Gäste, die am Zug teilnehmen, das Thema Toleranz aufgreifen wolle.

Auch in Effeltrich, erklärt Sitzungspräsident Uli Werner, habe man bei der Diskussion über die Inhalte der "närrischen" Beiträge von überregionalen Themen Abstand genommen. Die Mehrheit habe die Ansicht vertreten, die Prunksitzung solle ihren lokalen Charakter behalten.

Zum Leidwesen von Kabarettistin Clauda Bill, die in dieser Sitzung den "Hausorden" des "Faschingsvereins Allamoschee" erhielt. Sie findet es auch schade, dass die Kölner Jecken die satirische Antwort auf die Anschläge auf Charlie Hebdo zurückgezogen haben. "Der Motivwagen, auf dem ein Jeck einem Terroristen einen Buntstift in den Lauf seiner Waffe steckt, ist doch absolut harmlos", analysiert Claudia Bill. Der Rückzieher des Kölner Festkomitees gebe den Terroristen ein Gewicht, das sie nicht verdient hätten. So haben es die Attentäter auf Charlie Hebdo geschafft, die Zusammenstellung des Kölner Faschingszuges mitzubestimmen. Eine unglaubliche Macht, die ihnen damit eingeräumt wird, urteilt Claudia Bill.

Für die Frau aus dem Zentrum des Ruhrgebietes, die seit 25 Jahren in Effeltrich lebt, wäre das Thema Integration ein "gefundenes Fressen" gewesen. "Meine kabarettistischen Programme beschäftigen sich alle mit dem Thema Integration", erklärt die gebürtige Essenerin.

Immer wieder nimmt sie Szenen aus dem Alltagsleben und beschreibt die unterschiedliche Reaktion der Westfalen und der Franken darauf. Da sich aber keine Mehrheit gefunden habe, diese Thematik vertieft aufzugreifen, blieb ihr Beitrag zur Prunksitzung bei den gewohnt unterschiedlichen Blickwinkeln auf Alltagssituationen.


Faschingszüge


Heroldsbach: Samstag, 14. Februar, 13 Uhr, Faschingsumzug mit anschließendem Kinderfasching und Faschingsausklang in der Hirtenbachhalle

Forchheim: Sonntag, 15. Februar 2015, 13 Uhr, Faschingszug Närrische Siedler Lichteneiche Forchheim

Ebermannstadt: Sonntag, 15. Februar, 14 Uhr, Faschingsumzug des Elferrats, Altstadt Ebermannstadt

Gößweinstein: Sonntag, 15. Februar, 14 Uhr, großer Faschingsumzug mit ca. 40 teilGruppen

Neunkirchen am Brand: Dienstag, 17. Februar, 14 Uhr, Faschingszug Neunkirchner Carnevals-Verein

Waischenfeld: Dienstag, 17. Februar, 14 Uhr, Faschingsumzug durch die Stadt
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