Hallerndorf
Naturschutz

Teiche zwischen Forchheim und Hallerndorf sollen Paradies für Kammmolch & Co. werden

Im Staatswald zwischen Forchheim und Hallerndorf werden fünf Teiche nicht mehr durch die Fischereiwirtschaft genutzt. Sie werden renaturiert.
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Johanna Gierl und Förster Erich Daum am Schwarzen Weiher in der Gemarkung Forchheim im Staatswald Untere Mark. Was sich hier nach der Beendigung der fischereiwirtschaftlichen Nutzung entwickelt hat, ist Vorbild für das Renaturierungsprojekt von Johanna Gierl. Foto: Mathias Erlwein
Johanna Gierl und Förster Erich Daum am Schwarzen Weiher in der Gemarkung Forchheim im Staatswald Untere Mark. Was sich hier nach der Beendigung der fischereiwirtschaftlichen Nutzung entwickelt hat, ist Vorbild für das Renaturierungsprojekt von Johanna Gierl. Foto: Mathias Erlwein
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Wer in den letzten Wochen und Monaten im Staatswald Untere Mark unterwegs war, hatte durchaus die Chance, auf die amtierende bayerische Waldkönigin zu treffen. Sie heißt Johanna Gierl, ist gerade 24 Jahre alt geworden, stammt aus Prackenbach (Landkreis Regen im Bayerischen Wald) und absolviert gerade ihre Anwärterzeit für den gehobenen Forstdienst bei den Bayerischen Staatsforsten. Ihr Ziel: Sie will Försterin werden. Während ihrer fünfmonatigen Anwärterzeit im Forstrevier Oesdorf bei Förster Erich Daum, die jetzt endet, führte sie ein Renaturierungsprojekt im Rahmen ihrer Ausbildung durch und sorgte so dafür, dass sie einen bleibenden "Fußabdruck" im Staatswald hinterlässt. Zum Jahresende 2018 liefen die Bewirtschaftungsverträge von fünf bisher fischereiwirtschaftlich genutzten Teichen mitten im Staatswald aus. Die Kontrakte wurden nicht verlängert. Auf Initiative von Johanna Gierl werden diese Teiche renaturiert. "Den Zielzustand der bisher bewirtschafteten Teiche kann man am Schwarzen Weiher im Forchheimer Gebiet des Staatswaldes beispielhaft sehen", erläutert Förster Erich Daum. Auch dieser Weiher war früher fischereiwirtschaftlich genutzt worden. Ein alter Mönch, also ein kleines Bauwerk zum Ablassen des Wassers, zeugt noch heute von der ursprünglichen Nutzung. Im Laufe der Jahre ist hier ein kleines Paradies für Flora und Fauna entstanden, sogar der Kammmolch hat sich hier angesiedelt. "Der Kammmolch ist das oberste Schutzgut im FFH-Gebiet der Unteren Mark und eine Anzeige-Art für naturnahe Qualität. Wo der Kammmolch ist, ist auch alles andere da", bringt Daum die Bedeutung dieses Gewässerbewohners auf den Punkt.

Für das Renaturierungsprojekt von Johanna Gierl am Hohe-Wurzel-Teich, dem Kastenschlagweiher und Binsenschlagweiher (alle drei in der Gemarkung Hallerndorf) sowie den beiden Lampertdicken-Weihern in der Gemarkung Hausen benötigte es Förderzusagen des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. "Meine erste Grobkalkulation für die notwendigen Maßnahmen wie Entschlammung, Baggerarbeiten und Auslichtung durch Holzentnahme bei den fünf Weihern beliefen sich auf rund 13.000 Euro", verdeutlicht Gierl den relativ geringen finanziellen Aufwand. Die Zusage des Amtes ist bereits erfolgt, die Arbeiten können voraussichtlich noch in diesem Jahr starten. Die Hauptarbeit in den letzten Wochen war eine Zustandsaufnahme der Tier- und Pflanzenwelt in und um die Waldweiher, die insgesamt eine Fläche von etwa 5000 Quadratmeter haben. "Wenn jetzt alle Arbeiten nach Plan laufen, können erste Erfolge bereits in zwei bis drei Jahren sichtbar sein", wagt die junge angehende Försterin eine Prognose. Auf längere Sicht sollen die Biotope Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten wie die Teichmuschel, Krebstiere, Fledermäusen, Wasservögel und Libellenarten werden - und natürlich auch für den Kammmolch.

Informationstafeln

An den neu geschaffenen Habitaten werden Informationstafeln angebracht, auf denen auch Verhaltensregeln stehen. "Sie sollen schließlich für alle zugänglich und durchaus erlebbar sein", erläutert Förster Erich Daum. So wie der "Hexenbesen" im Altfelder Schlag im Staatswald bei Hallerndorf, wo gerade ein "Erlebnistrittstein" eingerichtet wird, der bald im Internetauftritt der Bayerischen Staatsforsten mit Angabe der genauen Koordinaten zu finden ist. Dort gibt es einen uralten geschützten Eichenbestand zu bewundern, der schon lange aus der Holzbewirtschaftung herausgenommen wurde. Mächtige 250 bis 300 Jahre alte Bäume ragen hier in den Himmel, manche sind aber auch umgestürzt und ausgehöhlt. Ein Paradies für viele Tierarten.

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