Forchheim
Aktion

Tag des offenen Denkmals: Bürger blicken ins Forchheimer Rathaus

Besucher durften die Großbaustelle Forchheimer Rathaussanierung begehen - wo es vieles Wissenswerte und Spannende zu entdecken gab.
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Gäste schauen beim Tag des offenen Denkmals hinter die Fassade des Forchheimer Rathauses. Foto: Pauline Lindner
Gäste schauen beim Tag des offenen Denkmals hinter die Fassade des Forchheimer Rathauses. Foto: Pauline Lindner

"Heute ist zwar Tag des offenen Denkmals, aber in unseres können sie nicht hinein", begrüßt Restaurator Rolf Kriesten die gut 20 Personen, die sich zur ersten Führung ums Rathaus eingefunden haben. Der Grund: Der gesamte Boden in der ehemaligen Markthalle im Untergeschoss ist umgegraben.

Besonders fies - auch für das Ausgrabungsteam um Gunnar Gründer - sind die Bodenlöcher.

Die Besucher, wie das Ehepaar aus Langensendelbach, das sich für Archäologie und besonders die alte Geschichte Forchheims interessiert, haben viele Fragen. Denn man erkennt unschwer, dass unter der alten Markthalle und damit dem Rathausbau von 1402 weitere Mauern anstehen.

Nach dem bisherigen Kenntnisstand, so Gründer, stehen die Grundmauern des Rathauses nicht exakt auf denen älterer Gebäude. "Auch innen haben wir viele Mauern gefunden" und einen merkwürdig abgekickten Treppenabgang zu einem verschütteten Keller. "Die Forchheimer haben sich hochgewohnt", erklärt er.

Hunderte Materialkisten befüllt

500 Schichten haben die Fachleute schon markiert und abgetragen; über 100 Materialkisten sind gefüllt. Auffällig, so Gründer, sei, dass die meisten Schichten muldenförmig verlaufen, als wäre tief unten verrottbares Material gewesen, das nachgegeben hat. Derzeit arbeiten sich die Archäologen hauptsächlich durchs 12. Jahrhundet; aus der Zeit der Pfalz, also der Karolingerzeit, stammen bislang ein oder zwei Funde.

Gründer ist sich jetzt schon sicher, das seine Wissenschaft noch in 100 Jahren von dieser Notgrabung unter dem Rathaus spricht. Da dessen Baujahr bekannt ist, kann auf Basis der Gefäßfunde eine Keramikchronologie erstellt werden. Sie ist dann ein Hilfsmittel für die Datierung bei Grabungen anderswo.

"Wo sind denn die Skelette gefunden worden?", fragen zwei etwa zehnjährige Buben. Die Skelette lagen in der Forschungsgrube an der Westwand der Registratur; sie gehören zum Friedhof um die Martinskirche. Den Grabenden fiel sofort auf, dass sie in Nordsüd-, nicht in der üblichen Ostwestrichtung bestattet wurden, in Tüchern, nicht in Särgen. Über die Toten wisse man noch nichts; erst die Begutachtung durch eine Anthropologin wird einiges klären, versichert Gründer den Buben.

Stabwechsel zu Rolf Kriesten - er und seine Kollegen von der Firma Harald Spitzner sind verantwortlich für die weitgehende Wiederherstellung des bauzeitlichen Aussehens des Magistratsbaus von 1535. Ihre Arbeit stützt sich auf einen Stadtratsbeschluss, der auch die Wiederherstellung der Fensterform der Renaissance beinhaltet. "Das war ein richtiges Fensterband im ersten und zweiten Stock; ein irrer Luxus damals; man hatte sicher ein starkes Selbstbewusstsein", erklärt er seinen Zuhörern. Ein Problem ist erkennbar, nachdem die alten Fenstergewände innen freigelegt wurden. Es waren Einscheibenfenster. Das machte beim Bau nichts aus, waren doch die meisten Räume gar nicht beheizbar. Die Doppelfenster mit den kleinteiligen Bleiglasscheiben werden definitiv der Vergangenheit angehören. Ob sich die Forchheimer daran nicht stören werden?, fragt jemand aus der Runde. "Nichts ändert sich so schnell wie die Sehgewohnheiten", versichert Kriesten den Skeptikern.

"Es ist eine Wundertüte, wenn wir eine Wand öffnen", fährt er fort. Einerseits raue Bohlen als Wandverkleidung, anderseits feine Muster auf der Deckenverschalung - der Restaurator tippt deshalb, dass ein Zimmermann, kein Architekt, den ganzen großen Bau errichtet hat. Und: "Wir wollen möglichst viele Fragen im Vorfeld klären, vor der Restaurierung." Er rechnet deswegen nicht damit, dass die Bauarbeiten vor 2021 beginnen werden.



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