Ebermannstadt
Ehrenamt

Tag des Ehrenamts im Gymnasium Fränkische Schweiz: So wichtig ist Hilfe

Am Tag des Ehrenamtes am Gymnasium Fränkische Schweiz in Ebermannstadt stellten sich Organisationen und die Mediatoren der Schule vor.
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Die Wasserwachler erklären ihr Boot. Foto: Carmen Schwind
Die Wasserwachler erklären ihr Boot. Foto: Carmen Schwind
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Zum zweiten Mal fand am Gymnasium Fränkische Schweiz (GFS) in Ebermannstadt ein Tag des Ehrenamtes statt. Susanne Behlert, Fachbetreuung Sozialkunde, hatte Vertreter verschiedener Institutionen aus dem Landkreis Forchheim für Vorträge und Workshops gewonnen. Schulleiter Siegfried Reck konnte neben Bürgermeisterin Christiane Meyer (NLE) auch den Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz, Thorsten Glauber (FW), begrüßen. Meyer berichtete, dass ihr Jubilare, die sie im Rahmen ihres Amtes zu runden Geburtstagen besucht, meist von ihren Ehrenämtern erzählen: "Die machen glücklich und zufrieden. Und man findet gute Freunde." Thorsten Glauber trug vor, dass in Bayern von den etwa 13 Millionen Bürgern sich fünf Millionen ehrenamtlich engagieren. Er selbst wäre ohne seine ehrenamtliche Arbeit nicht in der Politik gelandet. "Ihr bekommt Zeugnisse, aber die Noten sind nicht das, was euch ausmacht", meinte er zu den Schülern und schlug vor, eine Passage in den Zeugnissen anzubringen mit Informationen, wie sich die Schüler für die Gesellschaft einbringen. Danach stellten sich Christiane Meyer und Thorsten Glauber den Fragen der Schüler, die zum Beispiel besondere Ereignisse in deren politischer Karriere wissen wollten. Thorsten Glauber erzählte, dass er sich für Windkrafträder in Pinzberg eingesetzt hatte und plötzlich alleine dagestanden war: "Da haben sich die Bürger im Festzelt nicht mal mehr an meinen Tisch gesetzt." Christiane Meyer hatte bei einem Bieranstich einem Kerwaburschen, der helfen wollte, auf den Daumen gehauen. Danach besuchten Rektor, Gäste und Schüler die verschiedenen Institutionen.

Wasserwacht

Bei den Vertretern der Wasserwacht ließen sich die Schüler das Boot erklären, das in Ebermannstadt stationiert ist. In Forchheim gibt es vier weitere. Es gibt psychologisch ausgebildete Mitarbeiter, die nach Einsätzen für Gespräche bereitstehen. Philipp Nützel informierte, dass man mit 15 die Ausbildung zum Taucher beginnen könne. In den Einsatz dürfe man aber erst mit 18 Jahren. Zuvor müssen 30 Tauchgänge im Freien und 130 Unterrichtseinheiten durchlaufen werden. Geübt wird auch im Freibad in Ebermannstadt; ebenso das Tauchen im Winter unter Eis. "Das sind dann immer drei Leute. Wobei einer taucht, einer das Seil hält und ein Zusatztaucher dabei ist. Denn unter einer zehn Zentimeter dicken Eisschicht kann man keine Löcher mehr von unten machen", erklärte Nützel.

Bergwacht

Bastian Haas und Thomas Obeth von der Bergwacht zeigten Susanne Behlert ihre wichtigsten Utensilien: Gebirgstrage und Bergsack. "Damit transportieren wir die Verletzten ab", erklärte Haas. Bei einem Hubschraubereinsatz werde nur der Bergsack benutzt. Bastian Haas verriet: "Ich bin in die Bergwacht quasi hineingeboren, denn meine Eltern nahmen mich von klein auf mit." Mit 16 trat er selbst ein, mit 18 absolvierte er die Prüfung zum Bergrettungsmann und mit 19 begann er den Lehrgang zum Luftretter. "Man investiert viel Zeit und Herzblut und bekommt schon mal das eine oder andere graue Haar", gab er zu. Wenn es mal zuviel wird, schaut er sich die Dankesschreiben von Geretteten an und macht mit neuer Energie weiter.

Freiwillige Feuerwehr

"Er ist so ein richtiger Feuerwehrmann", meinte Christiane Meyer und klopfte Tobias Theiler auf die Schulter. Der war wohl etwas müde, da er gerade erst von der Nachtschicht gekommen war, aber er wollte es nicht versäumen, die Schüler des GFS von der Feuerwehr zu überzeugen. "Doch wir freuen uns auch über Quereinsteiger", warf Christiane Meyer ein. Theiler ergänzte: "Wir haben für jedes Alter und jede Statur eine Aufgabe bei der Feuerwehr." Er selbst wusste schon immer, dass er zur Feuerwehr wollte, denn er liebte Feuerwehrautos. Deshalb musste seine Mutter auch immer einen Bogen um das Feuerwehrhaus machen, denn sonst wäre Sohn Tobias nicht nach Hause gegangen. "Ich kann die Feuerwehr nur jedem als Ehrenamt empfehlen", sagte Tobias Theiler.

Bund Naturschutz

Andrea Ehm und Christian Kiehr, Lehrer am GFS, wollten die Schüler für die Natur sensibilisieren. "Nur was man kennt, kann man auch schützen", meinte Kiehr, der auch Vorsitzender beim Bund Naturschutz ist. Den Kindern soll die Angst vor Insekten genommen werden, "denn schließlich haben die eine wichtige biologische Funktion". Er fragte die Kinder, ob sie denn wüssten, was zum Beispiel in der Natur mit dem Laub geschehe, das im Herbst von den Bäumen fällt. "Insekten, die macht man schnell mal tot, dabei sind sie sehr wichtig für uns", sagte Kiehr. Andrea Ehm informierte erst ganz allgemein über Insekten, dann durften die unter dem Mikroskop betrachtet werden. "Wenn man sie genau ansieht, erkennt man ihre Schönheit", meinte Andrea Ehm.

Amnesty International

Tihomir Vrdoljak war Vertreter von Amnesty International (AI). AI setzt sich weltweit für Menschenrechte und deren Einhaltung ein. Deshalb befestigte er an der Tafel Rechte, die die Schüler haben. Damit die jungen Leute erkennen, dass Jugendliche in anderen Ländern viel weniger Rechte und Möglichkeiten haben, verteilte er kleine Zettel mit Rollenbeschreibungen. Jeder Schüler nahm die beschriebene Rolle an und durfte dann auf Fragen zur Rolle antworten. Hier erkannten die jungen Leute, dass Menschen aus Europa viel weniger benachteiligt werden als zum Beispiel aus Saudi-Arabien. "Diese Benachteiligung nennt man auch Diskriminierung", erklärte Vrdoljak und zählte die Gründe für eine solche auf: Hautfarbe, Behinderung, Herkunft, Geschlecht.

Kinderschutzbund

Werner Przibilla und Wolfgang Mehrer informierten die Schüler über den Kinderschutzbund. "Der Kinderschutzbund setzt sich für die Rechte von Kindern und Jugendlichen ein. Wir drängen darauf, dass Kinderrechte explizit im Grundgesetz aufgenommen werden", erklärte Przibilla. Mehrer ergänzte: "Wir treten ein für das Recht auf Spielen, Bildung, eine kindgerechte Entwicklung, der Partizipation, Inklusion, Bewegung und Gesundheit." Danach informierten sie über das Angebot in Forchheim. Hier gibt es zum Beispiel Vorträge für Eltern, Kurzzeitbetreuung für Kinder von einem bis drei Jahren, begleiteten Umgang, Präventionskurse an Forchheimer Schulen oder Kinderkochkurse. Besonders interessiert waren die Schüler am begleiteten Umgang, denn sie konnten sich kaum vorstellen, dass Eltern so gemein zu ihren Kindern sein können.

Bayerisches Rotes Kreuz

Auch in diesem Jahr parkte ein Fahrzeug vom Bayerischen Roten Kreuz (BRK) im Innenhof des GFS. Die Schüler hatten in einem Vortrag die Möglichkeit, sich über die Arbeit beim BRK und die zwei Bereiche zu informieren: den hauptamtlichen Rettungsdienst und das Ehrenamt. Letzteres leistet Sanitäts- und Katastrophenschutz. Hier werden zum Beispiel Veranstaltungen abgesichert, und der normale Dienst wird bei größeren Schadensfällen unterstützt. Das BRK behandelt Verletzte und transportiert sie ins Krankenhaus. Es bietet aber auch Erste-Hilfe-Kurse an und die Ausbildung von Schulsanitätern.

Mediatoren

In der Mediathek stellten einige Mediatoren ihre Arbeit vor, denn am GFS gibt es ebenfalls ehrenamtliches Engagement. Seit 2008 werden Schüler zu Mediatoren und Streitschlichtern ausgebildet. Eine davon ist Franziska Nagel. Sie kam dazu, weil sie sich zuhause oft mit ihrer Schwester gestritten hatte. Sie wollte lernen, wie sie damit umgehen soll. Jetzt ist sie auch für andere Schüler da und hilft ihnen, Probleme zu lösen. "Ich kann mich gut in die Probleme hineinversetzen. Uns können die Schüler alles erzählen", erklärte Franziska Nagel.

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